Stöhnen auf hohem Niveau

Von Bernd Schneiders | 16.10.2011, 20:02

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Mönchengladbach. Der Blick von Roman Neustädter blieb für Sekunden am Monitor hängen, der über dem Durchgang zur Mönchengladbacher Kabine hängt. «Schei­ße!», entfuhr es dem Mittelfeldspieler. Ärger auf neuem und sehr hohem Niveau - wenn auch nicht sprachlich.
Der 23-Jährige hatte gerade die Tabelle gesehen, die seine Mannschaft immer noch als Zweiten auswies, obwohl sie gerade drei Minuten vor Schluss das 2:2 gegen Bayer Leverkusen kassiert hatte. Mit einem Sieg, der so nahe war, hätten die Gladbacher der gefährlichste Bayern-Verfolger sein und sogar ein kleines Punktepolster auf die nachdrängenden Klubs aufbauen können. «Die Spieler sind ganz unten», erzählte Gladbachs Trainer Lucien Favre mitleidig - und mahnte an: «Nicht übertreiben!»

Borussia stöhnt und meckert in ungeahnter Höhe: Nicht nur, was die Tabelle, noch mehr, was die inneren Werte des Unentschiedens betrifft. Nach schwierigen ersten 25 Minuten dominierte der Fast-Absteiger den Champions-League-Teilnehmer. Ein 5:2 oder 6:2 wäre immer noch suboptimal gewesen.

Wie in den zwei Spielen zuvor (gegen Nürnberg und in Freiburg) ließ die Favre-Elf gefährlich viele Torchancen allererster Güte liegen. «Die hatten ja im Fünf-Minutentakt Eins-Gegen-Eins-Situationen», wunderte sich Bayer-Sportdirektor Rudi Völler. Und Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sah gar ein «Scheibenschießen».

Bayers starke halbe Stunde

Die Verantwortlichen des Werksklubs konnten nur mit der ersten halben Stunde zufrieden sein, als Bayer mit gekonnten Kombinationen und gewohnt gefährlich bei Standards Gladbach in die Rolle des Reagierenden drängte. Obendrein manchmal zu spät, wie beim 1:0 durch Abwehrspieler Stefan Reinartz, der nach einer Ecke eine Kopfballverlängerung von Michael Ballack über die Linie wuchtete (20.). «Dabei kam genau das in unserer Analyse vor», ärgerte sich Abwehrchef Dante speziell dar­über, dass sich Kopfballspezialist Ballack einsam in die Luft schrauben durfte.

Nach der Verletzung von Igor de Camargo fehlt Favre ein guter Kopfballspieler. Doch das Halali auf den Verantwortlichen verkniff sich der Trainer: «Ich bin nicht sauer, nur enttäuscht.» Und der Steckbrief wird zum Mannschaftsfoto: «Wir sind schuld.» Damit meint der Schweizer nicht nur das Auslassen der Riesen-Chancen.

Nach dem Ausgleich durch Reus, der bizarrerweise ausgerechnet die schwierigste seiner zahlreichen Möglichkeiten nutzte (65.), und dem 2:1 durch einen frechen Heber von Patrick Herrmann, dem Favre den Vorzug vor Raul Bobadilla gegeben hatte, war sich seine Elf wohl zu sicher.
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