Nach dem Standard tanzt nur die Borussia

Von Jörg Marwedel | 18.09.2011, 19:48

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Hamburg. Wenden wir uns einmal dem Standardtanz zu, bei dem die Richter «Takt und Grundrhythmus», die «Balance» und den «Bewegungsablauf» bewerten müssen. Dinge, die auch im Fußball wichtig sind, obwohl die meisten Fußballer (mit Ausnahme der Brasilianer) gern behaupten, Tanzen sei kein Sport für sie. Beim Hamburger SV aber genügt schon das Wort Standard, um die eigene Malaise zu beschreiben.
Am Samstag hat ein Freistoß des Mönchengladbacher Juan Arango ausgereicht, um eine der Hauptschwächen des Tabellenletzten erneut aufzudecken - nämlich das Versagen nach Standards, wie Eckbälle und Freistöße genannt werden.

Der Ball hatte, wie Spötter behaupteten, bei Arongos Flanke Schnee auf seiner Spitze, so weit war er geflogen. Doch weder Slobodan Rajkovic noch der erneut zögerliche Keeper Jaroslav Drobny hatten verhindert, dass dieser Ball den Kopf von Igor de Camargo erreichte. Von dessen Schädel flog er weiter ins Netz.

Mit diesem 0:1 in der 66. Minute war die fünfte HSV-Niederlage im sechsten Spiel perfekt. «Der Treffer ist genau im richtigen Moment gefallen. Es war eine Super-Vorbereitung von Juan, und ich habe beim Kopfball ein gutes Timing gehabt», bedankte sich de Camargo, der auch schon beim Bayern-Sieg das Tor erzielt hatte.

Der etwas müde Witz, was der Unterschied zwischen einem Ü und dem HSV ist (das Ü hat zwei Punkte), ist nichts gegen das Versagen der Hamburger bei Standards. Inzwischen haben sie schon acht Tore kassiert nach Eckbällen und Freistößen, das ist die Hälfte aller Gegentreffer.

Und wo man schon mal bei den Zahlen ist: der HSV hat seit März in 13 Spielen nicht mehr gewonnen, seit jenem 6:2 gegen den 1. FC Köln, das Michael Oenning zum Einstand als Cheftrainer geschenkt bekam. Der Mann ohne Plan wird dieses Amt vermutlich nicht mehr lange ausüben.

Sportchef Frank Arnesen sagte zwar, er werde «am Donnerstag neben mir im Flugzeug sitzen» auf dem Weg zum Auswärtsmatch beim VfB Stuttgart. Doch auf mehr wollte sich der Däne nicht mehr einlassen. Er rede nicht über «auch oder wenn».

Arnesens Ahnung?

Vermutlich ahnt auch Arnesen inzwischen, dass sein guter Eindruck vom Fußballlehrer Oenning ein Fehlglaube war. Auch gegen die Gladbacher überraschte Oenning die eigenen Profis wieder mit einer sehr eigenwilligen Marschroute.

Die 55.000 Zuschauer dürften sich in der ersten Halbzeit wie im Borussia-Park gefühlt haben, aber nicht wie im Hamburger Volkspark. Es fühlte sich wie ein Auswärtsspiel an, in dem der mutlose HSV quasi mit drei Sechsern (Robert Tesche, Tomas Rincon und David Jarolim) versuchte, die anfangs sehr zurückhaltenden Gladbacher zu kontrollieren.

Stürmer Mladen Petric fühlte sich «wie ein Kronleuchter, denn ich hing in der Luft». Das Team zeigte weder Takt, Balance noch einen guten Bewegungsablauf.
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