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Die halbe Rettung oder: Borussia im Niemandsland
Von Bernd Schneiders | 15.05.2011, 20:14
Mentale Hilfestellung lieferte wenig später Max Eberl, Borussias Sportdirektor, der lange Zeit mitleidsvoll belächelt worden war, weil er genau das prophezeit hatte, was jetzt passiert ist: die «halbe» Rettung des schon abgeschriebenen Traditionsklubs. «Es gibt zwei Fälle: Entweder du musst in die Relegation oder du darfst in die Relegation. Für uns gilt eindeutig der zweite Fall.» Die grafische Übersetzung der Aufbauhilfe Eberl: Gladbach kommt von ganz unten, die Relegation ist ein Aufstieg aus der Beinah-Aussichtslosigkeit.
«Wir sind noch da»
Nur zehn Punkte zur Winterpause, Schießbude der Liga, 36 Punkte und nun Siebter in der Rückrunden-Tabelle, nur neun Gegentore in zwölf Spielen, zehn Punkte aus den letzten vier Begegnungen: Zahlen gewordene Früchte einer Wandlung, die einen Namen trägt - Lucien Favre. Doch auch der Schweizer zeigte keine tiefe Befriedigung. Einmal, weil er gerade eine schlechte zweite Halbzeit seines Teams gesehen hatte, die noch immer an ihm nagte. Zum anderen, weil auch er sich nicht dem diffusen Gefühl im Niemandsland zwischen Erster und Zweiter Liga entziehen konnte. «Wir sind noch da», frohlockte er einerseits. Um wenig später anzufügen: «Am Ende zählt nur die Rettung.»
Das hatte Borussias neuer Führungsspieler da schon längst realisiert. Martin Stranzl, eigentlich zuständig für die Verteidigung, ging in die Offensive. Bewusst, geplant, besorgt: «Erstens bin ich froh, dass wir die Relegation geschafft haben.» Nummer 2 aber hatte es in sich: «Die zweite Halbzeit - das geht gar nicht», schimpfte der Österreicher bei seinen freiwilligen Stippvisiten bei den zahlreichen Medien-Grüppchen. Gemischte Gefühle in der Mixed-Zone: Der Mann hatte was zu sagen, und musste und wollte es loswerden. «Es fehlte an Laufbereitschaft, die Abstimmung stimmte nicht. Das war ein Stück weit enttäuschend. Vielleicht waren einige müde nach der Saison, aber dann müssen sie das signalisieren, damit die Kollegen einspringen können.» Was ihn trieb, wurde auch deutlich: «Vielleicht war das der Schuss vor den Bug zur rechten Zeit», schlug er den Bogen zum zweigeteilten Endspiel. «Wenn wir dann auftreten wie in den letzten drei Spielen und heute in der ersten Halbzeit, bin ich optimistisch. Wenn wir aber so spielen wie nach der Pause, ist unser Traum ganz weit weg, und es wird auch in der Relegation ganz schwierig.»
Das zu tiefe Stehen und die zahlreichen Ballverluste waren natürlich auch Lucien Favre nicht entgangen. Doch der Coach mochte seine Spieler nicht so rigoros beurteilen wie sein «wahrer» Kapitän, der die nervliche Belastung als «Alibi» abtat. «Als wir erfahren haben, dass Frankfurt führt, haben wir die Orientierung verloren», zeigte sich Favre verständnisvoll. «Du guckst auf die Anzeigetafel und weißt, beim nächsten Tor bist du tot. Das kann kein Spieler der Welt ausblenden.» Das Selbstverständnis, das sich in der verdienten Führung durch den Freistoß von Juan Arango (41.) ausdrückte, war verloren. Die Orientierung kam auch nicht mehr vollkommen zurück, als der Dortmunder Ausgleich gegen Frankfurt gemeldet wurde. Das fast zeitgleiche HSV-Tor durch Änis-Ben Hatira (71.) war die logische Folge der Gladbacher Irrungen und Wirrungen.
Die Zeit der Fremdbestimmung ist nun allerdings vorbei, Ablenkung von der Anzeigetafel wird es gegen Bochum nicht mehr geben. Und Favre fordert «nur positive, keine negativen Gedanken». Mahner Stranzl zeigte sich einen Tag später einsichtig. «Ich habe mir das Spiel im Fernsehen noch mal angeschaut: Jeder hat alles gegeben und gekämpft.» Auch Harvard Nordtveit. Erfolgreicher nach als vor dem Schlusspfiff. Am Ende seiner Analyse auf Englisch fasste der Norweger all seinen Mut und seine Deutschkenntnisse zusammen und verkündete kategorisch: «Wir bleibt drin!»
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