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Die Wundertüte HSV als Herausforderung für Favre
Von Bernd Schneiders | 12.05.2011, 21:30
Doch die an Kapriolen so reiche Saison hat für Samstag, 17.15 Uhr, noch weitere Möglichkeiten parat: Mönchengladbach könnte direkt absteigen oder aber auf Rang 15 die Klasse halten. Was zumindest Germanisten im Zugzwang bringen würde: Was ist die Steigerung von sensationell?
Passend zum Verlauf der gesamten Bundesliga-Saison präsentiert der Spielplan der Favre-Elf mit dem Hamburger SV eine Wundertüte. So würde Lucien Favre es niemals ausdrücken. Der Schweizer sagt vielmehr: «Hamburg ist eine Mannschaft mit verschiedenen Charakteristika. Das ist anders für mich.»
Mit dem Nachsatz beschreibt er seine Arbeitsweise, die bis dato der Garant für die sich anbahnende Sensation ist. Die «Details», eine seiner am häufigsten benutzten Vokabeln, weisen weniger auf die Arbeit an Kleinigkeiten hin als mehr auf die Genauigkeit, mit der Favre vorgeht. Und dazu gehört auch die Vorbereitung auf den Gegner. Als «akribisch», beschreibt Sportdirektor Max Eberl diese Arbeits- und Trainingsweise des 53-Jährigen. Und der HSV mit seinen vielen Gesichtern ist damit speziell für diese Trainer-Art eine extreme Herausforderung. Der Mann, dessen Wunschvorstellung ein «polyvalenter Spieler» ist, wie ihn etwa Toni Jantschke darstellt, muss dem HSV eine vielseitige Mannschaft entgegenstellen. Da böte sich auch ein Roel Brouwers an. Wie? Roel Brouwers? Vielseitig? War nicht eigentlich der Hamburger SV die Wundertüte?
Brouwers' interessante Ecken
Der Limburger hat aber auch ein paar interessante Ecken. Etwa die, ein extrem torgefährlicher Abwehrspieler zu sein. Acht Treffer erzielte der 29-Jährige in der letzten Saison. Ein Pfund, mit dem Brouwers speziell für einen Einsatz in einer Begegnung wuchern kann, die im Verlauf den Charakter eines Alles-oder-Nichts-Spiels annehmen könnte. Gegen Freiburg hat sich Favre für Dante entschieden, trotz Trainingsrückstands. Wohl auch deshalb spielte der Brasilianer etwas fahrig und deutete mehr als einmal sein Gefahrenpotenzial an - für die eigene Mannschaft. Seine herzgefährdenden Haken unter Bedrängnis, auch als letzter Mann, setzen hundertprozentige Fitness und Konzentration voraus, die der Wuschelschopf noch nicht besaß.
Und auch beim Passspiel wurde Dante (zu) oft rückfällig und versuchte den langen Pass. Der aber steht bei Favre auf dem Index. Brouwers aber bevorzugt von Haus aus den kurzen Flachpass, auch, weil er sich nicht zur Abteilung Zirkus Sarasani gehörig fühlt. Solidität gegen Qualität: In der Trainerriege Borussias gilt der Satz: «Mit Dante bewegt sich jedes Training auf einem höheren Niveau.»
Eberl lobt Favre für dessen Können, gerade «den jungen Spielern zu erklären, worauf es ankommt». Dante ist 27. Den Erklärungsbedarf eines «mittelalterlichen» Spielers sollte der Schweizer aber auch noch stillen können. Von wegen Polyvalenz.
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