«Klassenerhalt – ein Wahnsinnserlebnis»

Von Bernd Schneiders | 29.04.2011, 07:30

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Mönchengladbach. Es gab einen Moment im Fußball-Leben des Martin Stranzl, den die Fernsehkamera in Großaufnahme festhielt: ungläubiges Entsetzen im Gesicht des Österreichers. Tatort Millerntor, St. Pauli. Borussia Mönchengladbach führt 1:0 ­ und gerade ist Igor de Camargo nach einem Kopfkontakt vom Platz geflogen.
«Wo bin ich hier nur gelandet?!», lauteten die unsichtbaren Untertitel zur Mimik des Abwehrrecken, der erst zur Winterpause als Not-Helfer engagiert worden war. Der einzige Gedankenzeuge, er selbst also, korrigiert mehr als zwei Monate später nur buchstäblich, nicht aber die Richtung: «Was soll der Scheiß?!» Und weiter: «Wir führen, haben alles im Griff und dann . . .» Die Verzweiflung ist gewichen, Borussia spielt eine famose Rückrunde, die aber womöglich bis wahrscheinlich dennoch nicht zum Klassenerhalt reicht.

Was geht da in einem 30-Jährigen vor, der mit Spartak Moskau regelmäßig um die russische Meisterschaft und auch in der Champions League gespielt hat?

Der in den bisherigen 14 Spielen für Borussia gezeigt hat, dass er auf einem Leistungsstand ist, der ihn nicht nur für (fast) jeden Bundesligisten interessant machen muss, sondern auch noch Führungsqualitäten besitzt?

«Gegen den Abstieg zu spielen, hat seinen Reiz, das Außergewöhnliche versuchen. Wenn du das schaffst, ist das ein Wahnsinnserlebnis!» Fluchtgedanken, falls das Gewöhnliche, der Abstieg, eintritt, hegt er nicht.

Der Österreicher entschied sich bei vollem Bewusstsein für Mönchengladbach, obwohl und ein wenig auch weil der Klub bis zur Winterpause nur zehn Pünktchen gesammelt hatte. Also sechs bis neun Punkte aus den letzten drei Spielen holen und im letzten Moment dem Erstliga-Tod von der Schüppe zu springen: «Das macht es doch interessant.» Und Reize sterben eh nicht. «Wenn es runter geht, ist das nächste Ziel da: Aufstieg!» Martin Stranzl fühlt sich wohl in Mönchengladbach, und das kommt authentisch, nicht pseudo-professionell rüber.
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