Kein Prickeln in Gladbach

Von Heribert Förster | 09.04.2011, 07:53

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Mönchengladbach. Das Stadion – seit Monaten ausverkauft. Die Stimmung in der Stadt – explosiv, angespannt, prickelnd. So muss es sein, wenn in der Fußball-Bundesliga das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln auf dem Spielplan steht. So war es – in der Vergangenheit. So ist es in diesem Jahr – nicht.
Das Derby 2011: Es gibt tatsächlich noch Karten für die Partie am Sonntag (15.30), und die Stimmung in Mönchengladbach tendiert Richtung Resignation. Dabei ist der Klassenerhalt, nun ja, noch möglich. Rein rechnerisch, rein theoretisch. Rein sportlich – kaum noch.

Für Theoretiker: Heute verliert Wolfsburg auf Schalke, morgen St. Pauli in Leverkusen. Denkbar, ja, sogar gut möglich. Und Borussia gewinnt gegen den FC. Weil hier gerade der theoretische Teil beschrieben wird: Gegen keine andere Mannschaft hat die Borussia mehr Liga-Siege gefeiert, 41 in bisher 78 Derbys.

(Gewagte) Theorie für Träumer, Teil II. Die Borussia feiert erstmals in dieser Saison zwei Siege in Folge (Sonntag und kommenden Freitag in Mainz), Wolfsburg und St. Pauli spielen gegeneinander tagsdrauf Unentschieden, und alle drei Klubs wären punktgleich.

Schöne grün-weiße Theorie. Die düster-graue Wirklichkeit sieht anders aus. Warum sollte die Borussia ausgerechent jetzt erstmals seit November 2009 (2:1 in Frankfurt, 1:0 gegen Schalke) wieder zweimal in Folge gewinnen? Es gab in den letzten Wochen keine wirklich erfolgversprechenden Anzeichen.

Sicher, Max Eberl hat recht, wenn er sagt, «ich denke, wir spielen eine ordentliche Rückrunde» (13 Punkte, Platz 11). Doch der Sportdirektor weiß nur zu gut, dass nach der desaströsen Hinrunde eine ordentliche Rückrunde nicht reichen wird. Aber wo ist der Pepp, das Unerwartete, das Überraschende? Wo das Spektakuläre, das Außergewöhnliche? Borussia spielt mit, gewinnt mal, verliert mal – aber sehen die Auftritte nach Abstiegskampf aus?

Vielleicht ist die Mentalität von Borussen-Spielern generell nicht so, dass man sich immer bedingungslos wehrt. Schon bei den Abstiegen 1999 und 2007 war ein Aufbäumen wie zumindest 1998, als der fast schon besiegelte Abstieg am letzten Spieltag mit dem 2:0 in Wolfsburg vermieden werden konnte, nicht zu sehen. Mit jeweils acht Punkten Rückstand auf den Vorletzten ging es sang- und klanglos eine Etage tiefer.

Das Déjà-vu droht wieder, und bei einer Niederlage morgen, ist der Abstieg besiegelt, allen Eberlschen Wortspielen zum 29. Spieltag zum Trotz: «Dortmund wird noch nicht Meister, und wir steigen noch nicht ab.»
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