«Ich mag die Bundesliga - aus der Entfernung»

Von Ronny Blaschke | 25.03.2011, 11:00

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Berlin. Thomas Broich wirkt hilflos, als er 2010 in die Kamera des Bonner Filmemachers Aljoscha Pause blickt. Er ist beim 1. FC Nürnberg angelangt, längst ist die Zeit vorbei, in der Broich als angehender Nationalspieler galt. Es ging schleichend abwärts, 2006 in Gladbach, danach in Köln.
Nun glaubt er in Nürnberg endgültig, dass Fußballspielen verlernt zu haben, allein der Gedanke an Training lässt seine Beine schwer werden. Er lebt in einer Stadt, in der er nicht leben will. Er arbeitet in einer Branche, deren Regeln er nicht akzeptiert. Er zeigt Symptome einer Depression, er verachtet seinen Beruf, den er lange gebraucht hatte. Er kann einfach nicht mehr.

Zu diesem Zeitpunkt, 2010, hätte die Langzeitdokumentation von Thomas Broich und Aljoscha Pause mit einer vertrauten Botschaft enden können: Spieler, die sich anders geben, die nicht alles mitmachen wollen, sind in der Ergebnisfabrik Bundesliga zum Scheitern verurteilt. Seit 2003, seitdem Broich als 22-Jähriger bei Wacker Burghausen auffiel, begleitete ihn Pause immer wieder mit der Kamera. Ihr Plan: der Blick hinter die Kulissen einer Karriere, offen, schonungslos.

An diesem Freitag feiert der Film nun in Berlin beim Fußballfilmfestival 11mm Premiere: «Tom Meets Zizou - Kein Sommermärchen». Der Titel geht auf eine frühere Email-Adresse Broichs zurück, auf seine Begeisterung für Frankreichs Idol Zinédine Zidane. Pause hat mehr als hundert Stunden Material gedreht. Entstanden ist dann doch keine Studie des Scheiterns. Eher eine Wegbeschreibung aus gefühlter Ausweglosigkeit.

Heute mit sich im Reinen

Wer Thomas Broich, 30, in diesen Tagen gegenübersitzt, erlebt einen selbstbewussten Mann, der mit sich im Reinen ist und der entspannt mit seiner Vergangenheit umgehen kann. Anfangs wurde Broich von Medien als «Mozart mit der Kugel» hofiert, als Intellektueller, der Dostojewski liest, Klavier spielt, Miniaturen von griechischen Tempeln töpfert - während Mitspieler in Waffenmagazinen blättern. «Ich war sehr eitel, ich dachte, ich könnte den Fußball auf meine Art revolutionieren», sagt Broich. «In meiner Naivität habe ich nicht begriffen, dass dadurch eine Fallhöhe entsteht. Ich habe aus dem Auge verloren, dass ich in erster Linie Fußballer bin.»

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