München - Wenn sich ein Remis wie ein Sieg anfühlt

Wenn sich ein Remis wie ein Sieg anfühlt

Von: Philip Sagioglou
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Spitzentanz: Kölns Stürmer Anthony Modeste verlängert eine Flanke durchaus artistisch am verdutzten Manuel Neuer vorbei ins Netz. Foto: dpa

München. Er sah ohnehin schon sehr erfreut aus, aber als er dann auch noch diese Frage beantworten sollte, gab Dominique Heintz den Kampf gegen die Zurückhaltung kurz auf und aus seinem Lächeln wurde für einen Moment ein Lachen. Wie sich das denn nun anfühle, den FC Bayern beinahe besiegt zu haben?

„Es fühlt sich natürlich überragend an“, sagte Heintz. Er hatte nicht gelacht, weil er die Frage unangemessen fand. Sondern weil es ihm unwirklich erschien, dass sie angemessen war.

Zum ersten Mal seit Februar 2011 hat der 1. FC Köln gegen den deutschen Fußball-Rekordmeister einen Punkt geholt, das Duell am Samstag endete 1:1 – das Resultat eines wechselhaften Spiels. „Es war schon ein hartes Stück Arbeit. Die Bayern haben nicht mit 80 oder 90 Prozent gespielt, sondern mit 100“, sagte Heintz, Kölns Bester an diesem Nachmittag. Aber: „Wir haben ihnen das Leben schwer gemacht.“ Vor allem ab der 60. Minute. Zuvor war der FC so respektvoll bis ehrfürchtig aufgetreten, dass es keinesfalls ein Unentschieden gegeben hätte. Die Kölner standen tief, in der Offensive fanden sie quasi gar nicht statt, aber dann änderten sie ihre Spielidee doch noch radikal.

Zwei Entscheidungen

Der Punktgewinn der Kölner basierte auf zwei Entscheidungen: Zum einen erkannten die Spieler nach etwa einer halben Stunde, dass die eigentlich angedachte Formation mit einer Fünf-Mann-Abwehr böse enden könnte – und so entschied die Mannschaft selbst, auf das klassische 4-4-2-System umzustellen. Zum zweiten fand in der Halbzeitpause eine ziemlich offene Besprechung statt – mit dem Tenor, dass eine derartige Leistung nicht dem neuen Anspruch des 1. FC Köln entspreche. Darin waren sich alle Spieler und das Trainerteam einig.

„Mit den ersten 45 Minuten waren wir gar nicht einverstanden. Da war kaum etwas zu sehen von dem, was wir uns vorgenommen haben“, sagte Stöger: „Ohne, dass jemand denkt, wir sind größenwahnsinnig, aber: Die Trainer waren enttäuscht, und die Spieler auch. Wir wollten besser spielen.“ Das Risiko wegen einer mutigeren Spielweise recht deutlich zu verlieren, sei allen bewusst gewesen. „Und in der zweiten Halbzeit waren wir ja wirklich besser“, sagte Stöger. Wir hätten das Spiel trotzdem verlieren können, aber die Art und Weise, wie wir gespielt haben, war in Ordnung.“

Eine Weile hatten die Kölner nach Wiederanpfiff noch gebraucht, aber nach einer Stunde und den Einwechslungen von Salih Özcan und Simon Zoller wirkten die Veränderungen. Aus verzweifelten Befreiungsschlägen wurden flotte Kombinationen. Ehrfurcht wurde zu Selbstbewusstsein. Und schon drängten die Kölner den weder in Bestform noch in Bestbesetzung angetretenen FC Bayern zeitweise in dessen Hälfte. Ein Szenario, das noch in den ersten 45 Minuten unvorstellbar schien, erst recht nachdem Joshua Kimmich in der 40. Minute per Flugkopfball das 1:0 erzielt hatte.

„Wir haben uns dann getraut, Fußball zu spielen“, sagte Kapitän Matthias Lehmann und sprach über den zweiten Durchgang, der aus Kölner Sicht in der 63. Minute seinen Höhepunkt fand, als Anthony Modeste nach einer Flanke von Marcel Risse im Münchner Strafraum in die Luft sprang, sein rechtes Bein ausstreckte und den Ball mit der Fußspitze touchierte. Von dieser Einlage waren alle im Stadion überrascht, auch Manuel Neuer, den Modeste auf dem falschen Fuß erwischt hatte. „Ein Punkt hier, ist für uns wie drei Punkte“, sagte der 28-Jährige.

Schon zuvor hätte der Tabellenführer allerdings auf 2:0 erhöhen können. Javi Martinez traf mit einem Kopfball nur den Pfosten (55.). Und auch nach dem Ausgleichstor erspielten die Münchner sich Chancen, die – so der Tenor der Kölner – schlichtweg „nicht alle zu verhindern“ seien. Aber erst bewahrte Timo Horn seine Mannschaft mit einem grandiosen Reflex vor dem erneuten Rückstand, als er einen Schuss von Thomas Müller an die Latte lenkte (77.). Und kurz vor Spielende scheiterte auch Juan Bernat am Aluminium.

„Dass der Punkt ein bisschen glücklich ist, darüber müssen wir nicht reden“, sagte Lehmann, „aber wenn es ganz blöd läuft für die Bayern, dann macht Zolli noch das 2:1 für uns.“ Hätte Zoller ein bisschen besser gezielt, als er in Nachspielzeit frei vor Neuer abschloss, oder hätte er den Ball auf Modeste quergelegt – es wäre wohl zu viel des Guten gewesen. Heintz sagte: „Klar hatten die Bayern noch drei, vier gute Chancen. Aber ich glaube, dass wir es schon verdient haben, einen Punkt aus München mitzunehmen.“

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