Torwart Timo Horn bleibt beim 1. FC Köln

Von: Christian Oeynhausen
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Freut sich auf das nächste Jahr in Köln: Torwart Timo Horn bleibt bis 2017. Foto: imago/Manngold

Bad Tatzmannsdorf. Wenn Timo Horn kein Deutscher wäre, sondern einen englischen Pass besitzen würde, dann hätte er die Fußball-Europameisterschaft ziemlich sicher nicht vor dem Fernseher erlebt; er hätte mitgespielt. Die Engländer haben ein notorisches Torwartproblem, Deutschland das genaue Gegenteil, und deshalb fahnden die Premier-League-Klubs besonders gerne in der Bundesliga nach Schlussmännern.

Horn, der Torhüter des 1. FC Köln, wurde ja nicht ohne Grund bei Meister Leicester City und beim FC Liverpool als Neuzugang gehandelt. Warum er dennoch in Köln bleibt und welche Ziele er sich für die kommende Saison gesetzt hat, darüber spricht Horn, 23, im Interview.

Herr Horn, nach vielen Wechselspekulationen haben Sie sich zum FC bekannt, zumindest für ein weiteres Jahr. Was waren die Gründe dafür, nicht nach England zu wechseln?

Timo Horn: Ich habe die klare Entscheidung getroffen, dass ich nächste Saison für den FC spielen werde. Ich habe schon vor der Sommerpause versucht, das klar zu kommunizieren. Das eine oder andere ist ja öffentlich geworden, zum Beispiel das Interesse von Leicester City, wo ich Champions League hätte spielen können. Aber das habe ich abgelehnt, weil bei mir auch das Herz mitspielt und alles passen muss. Deswegen habe ich die Entscheidung getroffen, in Köln zu bleiben, und damit bin ich absolut glücklich.

Lange schien klar zu sein: Sie gehen zu Trainer Jürgen Klopp nach Liverpool, dafür wechselt Ron-Robert Zieler von Hannover in seine Heimatstadt Köln. Dann kam alles anders. Wieso?

Horn: Über Liverpool wurde enorm viel geschrieben, leider auch viel Unwahres. Ich hatte nie ein konkretes Angebot vorliegen; ich war auch nicht in Gesprächen mit Liverpool. Es ehrt mich ja, aber da war nichts dran. Dazu kommt, dass ich nur gewechselt wäre, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, international zu spielen. Und das ist bei Liverpool nächste Saison nicht gegeben.

Warum dann nicht Leicester? Weil Sie Englands Überraschungsmeister für eine Eintagsfliege halten?

Horn: Es gibt in England nur wenige Vereine, bei denen ich schwach werden würde. Manchester United zum Beispiel, da habe ich auch nie drumherumgeredet. Leicester war nicht so stimmig für mich. Es war nicht das, bei dem ich sage: Dafür gebe ich alles auf, was ich mir beim FC aufgebaut habe und was er mir bedeutet.

Wie belastbar ist Ihr Bekenntnis?

Horn: Ich bin gefragt worden, ob es überhaupt noch Versprechen im Fußball gibt. Große Versprechen und Ankündigungen vermeide ich, weil ich nicht wortbrüchig werden will. Ich will lieber ehrlich mit den Fans umgehen, das ist für mich der richtige Weg. Ich habe immer gesagt, dass ich den Wunsch habe, irgendwann international zu spielen und in die A-Nationalmannschaft aufrücken zu können. Es muss aber viel zusammenkommen, damit ich den FC verlasse. Jetzt denke ich nicht über einen Wechsel nach, sondern bereite mich voll konzentriert auf die kommende Saison vor, in der ich im FC-Tor stehen werde.

Die Ausstiegsklausel besteht aber weiterhin, oder?

Horn: Die existiert weiter, aber für die aktuelle Transferperiode ist sie nicht mehr wirksam.

Müssen Sie Ihren Traum von der Nationalmannschaft damit vorerst begraben?

Horn: Andreas Köpke (Torwarttrainer der Nationalelf, Anm. d. Red.) hat mal formuliert, dass die Nationaltorhüter international spielen müssen. In dieser Hinsicht bin ich ein bisschen hinten dran. Aber ich bin zusammen mit Loris Karius immer noch bei den jüngsten Torhütern, die als Kandidaten genannt werden. Ich habe also noch ein bisschen Zeit. Langfristig ist es mein Ziel, dahin vorzustoßen. Wir setzen uns ja mit dem FC auch immer höhere Ziele, und ich hoffe, dass es mit dem FC möglich ist, international zu spielen.

Welche Perspektiven sehen Sie für den 1. FC Köln denn in der kommenden Saison?

Horn: Wir haben im vergangenen Jahr unser Ziel erreicht. Wir wollten uns verbessern, und gerade gegen die größeren Gegner haben wir gezeigt, was möglich ist. Jetzt werden wir intern ein neues Ziel formulieren. Wir werden sicher nicht die Europa League als Ziel ausrufen, sondern uns eher wie in den Vorjahren eine Punktemarke setzen. Wir haben richtig gute Spieler dazubekommen, und wenn noch der eine oder andere dazustößt, was ja angedacht ist, dann werden wir uns individuell in der Breite und der Spitze verbessern.

Wie haben Sie eigentlich die EM erlebt?

Horn: Teilweise zu Hause, teilweise im Urlaub auf den Seychellen. Anpfiff war dort meistens um ein Uhr nachts.

Gibt es dort deutschen Kommentar?

Horn: Nein, es war Portugiesisch, glaube ich. Aber ich schalte den Kommentar sowieso öfter mal aus. Insofern war das unproblematisch.

Gab es für Sie bei der EM Erkenntnisse für das Torwartspiel?

Horn: Das Torwartspiel war auf relativ hohem Niveau. Man schaut immer auf die Top-Leute, Hugo Lloris zum Beispiel hat mir gut gefallen. Aber das Nonplusultra war wieder mal Neuer. Vier Spiele zu Null, das ist schon sehr stark. Das ist schwer für die, die hinter ihm stehen, da hinzukommen oder vorbeizuziehen.

Sie kennen Jonas Hector gut. Wussten Sie, wie er den Elfmeter im Viertelfinale gegen Italien schießt?

Horn: Ich weiß aus dem Training, dass er sehr gut schießt. Aber das Training ist ja eine andere Situation als ein EM-Viertelfinale. Ich habe mir fast gedacht, dass er so abkappt. Das macht er gern, wenn er auf Nummer sicher geht. Im Training schaut er den Torwart gern mal aus. Dass er den entscheidenden Elfmeter reinmacht, das ist schon Wahnsinn. Aus der sechsten Liga so durchzustarten, dafür gibt es, glaube ich, im deutschen Fußball derzeit kein anderes Beispiel.

Aktuell gibt es Spekulationen über einen Transfer Hectors zum FC Barcelona. Ein Wechsel würde ja auch Ihre Ambitionen mit dem FC betreffen. Wie sehen Sie das?

Horn: Dass er mit seinen Leistungen Interesse weckt, ist ja klar. Linksverteidiger auf internationalem Niveau gibt es nicht so viele, und da kann man ihn dazuzählen. Für uns ist wichtig, dass er bei uns bleibt, so dass wir das Grundgerüst an Leistungsträgern zusammenhalten, wie es jetzt bei Anthony Modeste auch gelungen ist. Andererseits muss der Klub auch schauen, dass er junge Spieler aufbaut und mal gewinnbringend verkauft wie zum Beispiel Yannick Gerhardt. Das ist ein schmaler Grat, aber ich weiß ja, dass Jörg Schmadtke das gut hinkriegt. Wir haben uns jedes Jahr verstärkt, und das tun wir wieder.

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