Stöger: „Wir sind giftig, willig, Erfolg suchend“

Von: Roman Sobierajski
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Der Oberschenkel zwickt: Marco Höger. Foto: imago/DeFodi

Köln. „Eigentlich sind wir hier, um über die zu reden, die können“, moderierte Alex Jacob, Sprecher des 1. FC Köln, die Pressekonferenz mit Trainer Peter Stöger vor dem Sonntagsspiel (17.30 Uhr) gegen den FC Schalke 04 an. „Aber natürlich müssen wir auch über die reden, die nicht können“, legte der 42-Jährige den Finger in die Wunde.

Am frühen Donnerstagabend wurde der Coach über den längerfristigen Ausfall von Außenbahnspieler Leonardo Bittencourt unterrichtet: Gerade von einem Bänderriss im Sprunggelenk genesen, erlitt der 23-Jährige nun einen Sehnenanriss im Oberschenkel, der von selbst ausheilen soll. „So etwas ist bitter für den Trainer, noch unangenehmer für den Spieler und einfach schade, wenn sich einer gerade wieder herangekämpft hat“, gab Stöger Einblicke in seine Stimmungslage.

Damit nicht genug, droht auch dem „Sechser“ Marco Höger gegen seinen Ex-Klub ebenfalls verletzungsbedingt nur die Rolle als Zuschauer. Im Freiburg-Spiel mit einer Oberschenkelzerrung ausgewechselt, ist fraglich, ob der 27-Jährige rechtzeitig Einsatzbereitschaft melden kann. „Nur, wenn Marco grünes Licht gibt, werden wir auf ihn zurückgreifen. Wir sind ja sehr vorsichtig“, erklärte der Österreicher.

Trotz aller Vorsicht: Mit den Langzeitausfällen Timo Horn und Marcel Risse, Kapitän Matthias Lehmann (nach Knieverletzung gerade wieder im Mannschaftstraining), dem stark vergrippten Artjoms Rudnevs und den beiden möglichen weiteren Ausfällen stellt der FC gerade so etwas wie ein Topteam für die Europa League der Verletzungsausfälle. Anders jedenfalls als der anstehende Gegner, der am Donnerstag auf europäischem Parkett überzeugte und in Saloniki mit 3:0 gewann.

Eine Partie, die für Kölns Trainer im Zuge der Spielvorbereitung natürlich zum Pflichtprogramm gehörte – und deren Ausgang dem 50-Jährigen überraschenderweise auch noch gefallen hat. „Das war ein gutes Spiel von Schalke“, lautet die fachliche Einordnung, „professionell, abgebrüht, souverän und klar in den Aktionen.“

Der Österreicher bleibt damit seiner Philosophie treu, dass Erfolge oder Misserfolge nur bedingt Schlüsse auf den Ausgang einer Partie zulassen. „Ich schaue da eher auf die Qualität im Kader, das ist das Einzige, was mich beschäftigt. Und die ist bei den Schalken natürlich gegeben. Die kommen jetzt mit breiter Brust zu uns. Aber das ist mir trotzdem lieber, als wenn ein Gegner mit hoher Kaderqualität ansteht, der schon lange keine Erfolge feiern konnte. Denn dann muss ich meine Mannschaft darauf vorbereiten, dass es für uns gefährlich werden kann.“

Die Stärke eines Gegners, der im RheinEnergie-Stadion sein Spiel durchbringen will, eher als Vorteil für die eigene Mannschaft zu werten, spricht auch für das neue Selbstverständnis rund um das Geißbockheim. „Wir sind darauf eingestellt, dass sie mit viel Selbstbewusstsein bei uns auflaufen werden. Aber hier werden sie auf einen guten Gegner treffen“, lautet die Kampfansage. Und damit auch kein Zweifel bleibt, wer dieser gute Gegner sein könnte, folgt noch ein bekräftigendes: „Ich meine damit unsere Mannschaft.“

Auch wenn die Kölner Verletztenliste lang ist und es droht, dass aus einer sehr guten und sportlich erfolgreichen Saison nur eine sorglose wird, muss Kölns Coach gerade gegen Königsblau keine kleinen Brötchen backen: Immerhin vier der bislang fünf Partien unter Trainer Peter Stöger hat der FC für sich entscheiden können, zudem ist der Klub vor eigenem Publikum eine echte Macht geworden, hat seit zehn Monaten kein Heimspiel mehr verloren.

Stimmt also die Stöger‘sche Philosophie, ist der FC ein doppelt gefährlicher Gegner für Schalke: Einerseits hat das Team mit der überragenden Heimbilanz einen guten Lauf, andererseits kann die Verletztenmisere einen ähnlichen Ansporn und eine Trotzreaktion bei den Spielern herauskitzeln wie eine Phase des Misserfolgs. „Wir sind giftig, willig und Erfolg suchend. Auch in der kleinen Gruppe, die zur Verfügung steht.“

Voraussichtliche Aufstellung: Kessler - Olkowski, Sörensen, Maroh (Subotic), Heintz - Clemens, Hector, Jojic (Höger), Rausch - Osako, Modeste

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