Rosenmontagszug als Gegenmittel für Leipziger Kater

Von: Frank Hellmann
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Kommt ein Neven Subotic geflogen – ist es für den Kölner Abwehrmann trotzdem zu spät, um Leipzigs Torjäger Timo Werner am 3:1 zu hindern. Foto: imago/Camera 4

Leipzig. Was hat die Reise nach Leipzig eigentlich gebracht? Mutmaßlich müssten sich das jene Jecken unter den Anhängern des 1. FC Köln fragen, die in ihren bunten Kostümen am Samstagabend wieder die Fernzüge gen Westen bestiegen.

Der eine oder andere schien die Rückfahrt vom unter dem Strich doch recht freudlosen Bundesligaspiel bei RB Leipzig (1:3) zu nutzen, um einfach mal auszuschlafen. Und sich für den Endspurt der närrischen Tage zu wappnen. Die vielleicht wichtigste Botschaft für alle, die sich dem Klub hingeben wie dem Karneval, hatte Trainer Peter Stöger parat: „In Köln findet Rosenmontag statt, und wir werden daran teilnehmen, weil sich die Stadt auf die Jungs freut.“

Der Österreicher, der sich den besonderen Befindlichkeiten der Domstadt auf fast schon liebenswerte Art und Weise anpasst, hatte zuvor ja bereits angekündigt, als Bauarbeiter der „Village People“ auf den Wagen steigen zu wollen. Frohsinn ist also ausdrücklich erlaubt, auch wenn die Bilanz zur fünften Jahreszeit seit 2009 für die Rheinländer furchtbar aussieht. Dennoch genügt es für Stöger, „wenn wir uns ab Dienstag auf die Bayern vorbereiten“.

Vielleicht war das tatsächlich aus Kölner Sicht das beste Gegenmittel gegen einen Leipziger Kater: die Unterlegenheit neidlos anzuerkennen – und sich lieber auf den Auftritt beim Rosenmontagsumzug und das Gastspiel des wahren Branchenprimus zu freuen. Stöger machte am Samstag bei den Sachsen schnell einen Strich. „Gratulation an meinen österreichischen Freund“, sagte der 50-Jährige in Richtung Ralph Hasenhüttl. „Leipzigs Sieg war verdient, wir waren die ersten 45 Minuten zu fehleranfällig, zu wenig konsequent.“

Die Berufsfußballer mit dem Bullenlogo auf der Brust pressten in einem 4-3-3-System ohne Erbarmen; und fanden im unsicheren Thomas Kessler im Tor und den noch unsicheren Innenverteidigern Dominic Maroh und Neven Subotic dankbare Fehlerproduzenten aus der Serie „Pleiten, Pech und Pannen“. „Wir haben dem Gegner so viel Stress gemacht, dass er sich die Dinger selbst reindrückt“, stellte Stögers Kumpel Hasenhüttl ohne jeden despektierlichen Zungenschlag fest.

Kesslers zu kurzen Schlag nutzte Emil Forsberg zum frühen 1:0 (5.), ehe Subotic‘ Fehltritt zum 2:0 per Maroh-Eigentor führte (34.). Der in Köln-Chorweiler aufgewachsene Hans Sarpei merkte zur Pause am Stadionmikrofon treffend an, dass der Gast aus dem Rheinland auch vier oder fünf Gegentore hätte bekommen können. Zeitweise war ja der Eindruck entstanden, elf Energiebündel würden sich mit elf Schlaftabletten ein ungleiches Duell liefern.

„Wir haben schöne Geschenke verteilt“, mäkelte Abwehrmann Dominique Heintz, „zum Glück haben wir uns nicht abschießen lassen und noch eine Reaktion gezeigt.“ Nach der Umstellung auf eine Viererkette hatte Köln in der Tat seine beste Phase nach der Pause. In jenen auch von Stöger belobigten 20, 25 Minuten gelang Yuya Osako der Anschlusstreffer (53.), doch dann genügte ein langes Zuspiel des überragenden Naby Keita, und der enteilte Timo Werner knallte am erneut zögerlichen Subotic und falsch reagierenden Kessler vorbei die Kugel einfach mal ins lange Eck – 3:1 (69.). Deckel drauf.

Selbst für Sportdirektor Jörg Schmadtke ist auch mit dem vierten Pflichtspiel ohne Sieg „nix Dramatisches“ passiert. „Wir müssen uns für nichts schämen. Gegen die Bayern geht es wieder bei 0:0 los.“ Nur nicht mit Nationalspieler Jonas Hector, der dann gelbgesperrt zuschaut.

Dafür aber ist Anthony Modeste dabei. Schmadtke bestätigte, dass der chinesische Erstligist Tianjin Quanjian das Angebot für den Torjäger kurz vor Schließung des Transferfensters in China noch erhöht habe – die Rede ist nun sogar von 50 Millionen Euro Ablöse –, der Bundesligist aber abgelehnt habe.

Keine Schmergrenze bei Modeste

Aktuell gebe es keine Schmerzgrenze, hieß es abermals. „Sonntag bin ich unterwegs, Montag nicht erreichbar – und dann ist das Thema durch“, sagte Schmadtke nach der Partie. Auch die Modeste-Thematik schien sich irgendwie an diesem Wochenende schneller vertreiben zu lassen als der Kopfschmerz nach einer Karnevalsfeier mit einer Aspirin-Tablette.

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