Remis in Ingolstadt: Weder Kontrolle noch Tiki-Taka in einem Ozean aus Chaos

Von: Christian Löer
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Ingolstadts Keeper Martin Hansen springt Artjoms Rudnevs in den Rücken. Das folgende Tor von Anthony Modeste aber wird annulliert – Schiri Felix Zwayer entschied auf Foul des Kölners. Foto: imago/Bernd Müller

Ingolstadt. Eines Tages, wenn seine Spielerkarriere vorüber ist, wird Yuya Osako wahrscheinlich ein guter Trainer. Denn der Japaner hat die Gabe, schon Momente nach dem Schlusspfiff ein Spiel in seine taktischen Bestandteile zerlegen und beschreiben zu können, was los war – und warum.

Noch aber ist Osako kein Trainer, sondern Mittelstürmer des 1. FC Köln, doch meist spielt er versetzt hinter Anthony Modeste eine „Anderthalb“, wie der Japaner sagt, also eine hängende Spitze.

Am Samstagabend beim 2:2-(1:1)-Unentschieden in Ingolstadt spielte Osako jedoch zeitweise derart tief in der eigenen Hälfte, dass er mit Pawel Olkowski um dessen Rechtsverteidiger-Position zu konkurrieren schien. Insgesamt viel zu defensiv und zu wenig entschlossen waren die Kölner ihre Aufgabe angegangen, besonders nach ihrer ersten Führung.

Noch bevor Modeste überhaupt zu seinem Elfmeter angetreten war, der nach einer Viertelstunde die Kölner Führung gebracht hatte, waren sie in Gruppen zusammengelaufen und hatten sich zum Wechsel der Formation entschieden: Ein defensiveres 4-1-4-1 sollte Ruhe bringen, ein paar Inseln der Kontrolle in diesem Ozean aus Chaos, der die Kölner Mannschaft von einem Wellental ins nächste warf. „Man muss allerdings sagen, dass die Umstellung nicht funktioniert hat“, gestand Osako hinterher und nahm sich vor, taktische Überlegungen zunächst wieder in die Hände seiner Trainer zu legen. „Wir müssen die Dinge einfach halten. Aber es wäre gut für uns, mal die Köpfe freizukriegen.“

Kurz vor der Pause hatte Lezcano ausgeglichen, nach einer Stunde war Köln durch Modeste erneut in Führung gegangen, ohne jedoch jemals die Kontrolle über das Spiel zu finden. Peter Stöger hatte die Formation zwischenzeitlich wieder angepasst, doch der Österreicher wirkte verständnisvoll, als er über das Verhalten seiner Spieler sprach. Die hatten gehofft, sich „wohler zu fühlen“ in einer defensiveren Variante und einen Weg aus ihrer Hilflosigkeit zu finden, beschrieb Stöger.

„Wenn man zweimal führt, muss man eigentlich gewinnen. Aber so, wie wir aufgetreten sind, wie es gelaufen ist, ist es eigentlich sogar ein Spiel, aus dem man gar keinen Punkt mitnimmt.“ Dass es nichts geworden war mit einem Kölner Sieg, lag unter anderem daran, dass Timo Horn bei seinem Comeback nach viermonatiger Verletzungspause ein Fernschuss durch die Arme geglitten war. „Das hat uns zwei Punkte gekostet. Es tut mir leid“, sagte der 23-Jährige.

Dem Torhüter war aufgefallen, dass seine Mannschaft nach zuletzt vier Niederlagen in fünf Spielen viel Selbstvertrauen verloren hat. Die Erfolge zum Jahresauftakt hatten die Erwartungshaltung noch einmal derart steigen lassen, dass die Spieler nun Schwierigkeiten haben, mit dem Misserfolg umzugehen. „Wir müssen uns jetzt bewusst machen, was wir erreichen wollen in dieser Saison“, sagte Horn. Auch Matthias Lehmann hatte erstmals nach seiner Knieverletzung wieder auf dem Platz gestanden. Und seine Mannschaft kaum wiedererkannt. „Wir hätten gern gewonnen, damit die Brust wieder breiter wird. Das Selbstvertrauen ist jetzt nicht so, dass wir Tiki-Taka spielen“, sagte er.

Eigentlich möchte man denken, dass man in einem Stadion mit gerade 15.000 Zuschauern gar nicht erst in Not geraten könnte. Doch von der Ingolstädter Bank war mehr Stimmung ausgegangen als von den Ingolstädtern auf den Tribünen. „Es gab permanent Tumult. Das war wie in einer Kneipe mit Raufszenen. Wir haben es nicht gut gemacht“, sagte Lehmann, und Peter Stöger ergänzte: „Es war ein Schweinskick.“

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