Pokalduell: Mit Mut, Wille und großem Zusammenhalt

Von: Lukas Weinberger
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Gemeinsam spielen, gemeinsam kämpfen, gemeinsam feiern: Die beiden Torschützen Marcel Risse (v.l.) und Anthony Modeste bejubeln mit Simon Zoller den Kölner Triumph. Foto: imago/Chai v.d. Laage

Köln. Leonardo Bittencourt ist am Mittwochabend natürlich nicht im Müngersdorfer Fußball-Stadion gewesen, als sein 1. FC Köln das DFB-Pokalspiel gegen 1899 Hoffenheim mit 2:1 nach Verlängerung gewann, er war ja erst am Tag zuvor am lädierten Sprunggelenk operiert worden. Und dennoch war Bittencourt, 22, allgegenwärtig.

Zunächst hatte Anthony Modeste nach seinem Siegtor in der 91. Minute beim Jubeln ein Trikot des Flügelspielers in die Höhe gehalten, und auch später in den Katakomben sprachen die Kölner Profis viel über ihren Mitspieler, der bis zum Beginn der Rückrunde ausfällt. Am Ende wurde Marcel Risse, der zweite Kölner Torschütze des Abends, noch gefragt, ob er und seine Kollegen Bittencourt denn versprochen hätten, dass er in dieser Saison noch einmal im Pokal mitspielen könnte. Risse grinste, er antwortete knapp: „Natürlich.“

Zusammenhalt als Erfolgsrezept

Diese Episode zeigt ganz schön, was den FC stark macht und was ihm letztlich auch den Sieg gegen Hoffenheim und den Einzug ins Achtelfinale des Pokals bescherte: der Zusammenhalt im Team. Das freut natürlich auch die Verantwortlichen, Sportchef Jörg Schmadtke sagte: „Klar, das macht die Mannschaft aus, und das sind dann so kleine Zeichen, die nach Außen gesetzt werden.“ Peter Stöger, der Trainer der Kölner, ging sogar noch ein bisschen weiter, er sagte: „Es hätte mich überrascht, wenn es kein Signal in Richtung Leo gegeben hätte.“

Mit diesem Zusammenhalt, mit Leidenschaft und Mut hatte seine Mannschaft zuvor wieder mal ein Spiel gewonnen, in dem sie in Rückstand geraten war. Benjamin Hübner hatte Hoffenheim ja schon früh in Führung geköpft (8. Minute), und in der ersten halben Stunde hatte es nicht so ausgesehen, als könnte der FC den couragierten Gästen irgendetwas entgegensetzen.

Weil aber Risse einen traumhaften Freistoß in den Winkel des Hoffenheimer Tores drosch (36.), die Kölner Fans ihre Mannschaft bedingungslos nach vorne peitschten, Modeste wieder mal richtig stand und am Ende auch ein bisschen Glück hinzukam, gewann Stögers Team. „Wir haben diese Saison gegen richtig gute Mannschaften gezeigt, dass wir zurückkommen können“, sagte der Trainer.

Gegen Bayern München hatte der FC zunächst zurückgelegen, gegen Schalke 04, gegen RB Leipzig – und jedes Mal gelang mindestens der Ausgleich. Selbst bei der bisher einzigen Saisonniederlage gegen Hertha BSC (1:2) hatte Köln zwischenzeitlich zum 1:1 getroffen. Stöger sagte: „Wichtig ist, dass wir uns das zutrauen.“ Zur Regel solen die Rückstände dennoch nicht werden; „es war auch diesmal nicht der Plan“, erklärte Risse mit einem Grinsen. „Das ist etwas, woran wir in den nächsten Wochen noch arbeiten müssen.“

Es gab noch ein paar weitere Dinge, die besser werden könnten, der Kölner Sieg hatte ja vor allem in der zweiten Halbzeit der Verlängerung und am meisten in der allerletzten Minute erheblich gewackelt, als Hoffenheims Adam Szalai bei seinem vermeintlichen Tor zum Ausgleich knapp im Abseits gestanden hatte.

Der FC sei ein „Panikorchester“ gewesen, befand Stöger, und Schmadtke sagte: „Da hätte uns mehr Klarheit und Ruhe gutgetan.“ Es fehlte an Entlastung und an Stabilität: Kapitän Matthias Lehmann war angeschlagen ausgewechselt worden; Marco Höger hatte wegen der Belastungen in den vergangenen Wochen nicht im Kader gestanden; sie hätten am ehesten dafür sorgen können.

Anfang Februar wird das wohl anders sein. Obwohl der FC dann nicht erneut zu Hause spielen darf, freuen sich alle auf das Achtelfinale beim Hamburger SV. Auch Bittencourt. „Ihr seid verrückt, bringt mich ruhig zum Weinen“, twitterte er kurz nach Abpfiff: „Wir sehen uns im Achtelfinale.“

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