Passmaschinerie schlägt „FC ballbesitzlos“

Von: Roman Sobierajski
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Ende eines traurigen Arbeitstages: Kölns Anthony Modeste schleicht nach einer schmerzhaften Niederlage vom Platz. Foto: dpa

Köln. Wie der Matchplan der Hausherren aussehen sollte, konnte Kölns Mittelfeldspieler Marco Höger besser erklären, als mit bloßem Auge zu erkennen gewesen war: „Wir wollten in der eigenen Hälfte kompakt stehen und immer wieder Nadelstiche nach vorn setzen“, erläuterte der frühere Alemannia-Spieler die Taktik.

 „Aber wir waren zu hektisch nach vorn, haben den Ball zu schnell weggeben. Wir wissen, dass wir es besser können.“

Dass dieses Rezept bei der 2:3-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach nicht zum Erfolg führte, hing durchaus mit der spielerischen Qualität des Gegners zusammen, die Borussia-Trainer Dieter Hecking zusammenfasste: „Es ist schon wahnsinnig schwer gegen uns zu spielen, wenn die Passmaschinerie einmal anläuft.“ Tatsächlich lief die Ballzirkulation 80 Minuten lang dermaßen auf Hochtouren, dass aus Kölnern, die kompakt stehen wollten, ein „FC ballbesitzlos“ wurde.

Die Zahlen sprachen Bände: Bei den Fehlpässen (83/89) lagen beide Teams auf Augenhöhe, aber während bei den Gladbachern der Ball 633 Mal erfolgreich gespielt wurde, gelang das dem Stöger-Team nur 157 Mal. Selbst angesichts der Tatsache, dass die Hecking-Elf dreimal so viel Ballbesitz hatte, eine bescheidene Quote.

Am Ende leere Hände

Was diese Niederlage dennoch zu einer ärgerlichen macht, ist zum einen die Tatsache, dass der FC drei Tore aus Situationen kassierte, die die Defensive üblicherweise selbst in jedem Trainingsspielchen lächelnd aus der Welt schafft, und zum anderen, dass das Stöger-Team zwar zweimal innerhalb kurzer Zeit den Rückstand wieder ausgleichen konnte – am Ende aber mit leeren Händen dastand. Quasi eine verdiente Niederlage dank unverdienter Tore.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Gladbacher Treffer zum 1:0, als Thorgan Hazard einen Eckball von der rechten Seite in den Kölner Strafraum zirkelte und Borussias Zwei-Meter-Mann Jannik Vestergaard mit Anlauf zum Kopfball aufsteigen konnte, ohne von Frederik Sörensen unterwegs geblockt oder entscheidend gestört zu werden (13.). Ein noch besseres Beispiel ist der zweite Gladbacher Treffer, als der gerade eingewechselte Ibrahima Traoré von der rechten Seite einen als Pass gedachten Ball Richtung Fünfmeter-Raum spielte, Hazard knapp verpasste und der Ball zwischen dem irritierten FC-Keeper Timo Horn und der Kölner Innenverteidigung in die Maschen trudelte (55.). „Das ist für mich als Torwart natürlich extrem schwer zu verteidigen, wenn der Ball ins kurze Eck geschossen werden kann, aber auch am langen Pfosten noch einen Abnehmer finden kann“, drückte Horn elegant ein gewisses Gefühl von „Einsamkeit“ aus.

Der Siegtreffer zehn Minuten vor Schluss fiel nach einem ähnlichen Strickmuster, nur dass die Direktabnahme des eingewechselten Josip Drmic von Horn noch an den Pfosten gelenkt werden konnte – und Gladbachs Kapitän Lars Stindl dann erst unbedrängt von Dominik Maroh den Abpraller ins Tor drückte.

Dass die beiden Kölner Ausgleichstreffer, an denen Anthony Modeste erst als Vorbereiter und anschließend als Vollstrecker beteiligt war, dagegen eher für den Schönheitspreis zu nominieren sind, macht die Niederlage nicht unbedingt schmackhafter. Erst machte der Franzose umringt von Gegenspielern sehenswert den Ball fest und spielte mit einem genau getimeten Pass in die Tiefe die komplette Abwehr aus und Christian Clemens in die Füße, der Yann Sommer im Borussia-Tor keine Chance ließ (18.). Der Ausgleich zum 2:2 fiel nur drei Minuten nach der erneuten Gladbacher Führung, als Modeste einen Freistoß von Milos Jojic aus zwölf Metern volley ins Netz drosch. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir kurz das Gefühl, dass wir das Spiel noch aus der Hand geben könnten“, räumte Gladbachs Coach ein.

Doch diese Sorgen waren dann passé, als in der 72. Minute Maroh eingewechselt wurde und die Kölner darauf spielen wollten, den einen Punkt zu verteidigen: „Wir hatten 90 Minuten lang das Gefühl, dass etwas passieren kann. Durch den Wechsel wollte ich mehr Stabilität in die Innenverteidigung bringen und die Außenverteidiger gegen die schnellen Angriffe über die Flanken stellen“, führte Stöger aus und begründete zugleich das Scheitern: „Das wäre die Idee gewesen.“

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