Neu-Kölner Marco Höger: „Ich bin nicht der Romantiker schlechthin“

Von: Lukas Weinberger
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Das Ziel im Blick: Marco Höger trägt erstmals in seiner Karriere das Trikot des 1. FC Köln. Beim Klub aus seiner Heimatstadt hat der Mittelfeldspieler einen Vertrag über fünf Jahre unterschrieben. Foto: imago/Gepa

Köln/Aachen. Besonders weit von zu Hause weggekommen ist Marco Höger eigentlich noch nie, zumindest was die Auswahl der Vereine betrifft, für die er Fußball gespielt hat. Högers Heimat ist ja Köln, und beim TuS Höhenhaus, einem Klub im Bezirk Mülheim, lernte er das Fußballspielen. Als dann erkannt wurde, dass Höger besser spielt als andere, wechselte er zu Bayer Leverkusen, später dann zu Alemannia Aachen.

Am Tivoli begann die Profikarriere des Mittelfeldmannes, auf Schalke wurde er zum Bundesligaspieler. Alles Klubs im Westen, höchstens eine gute Stunde von Köln entfernt. Ein Kriterium war das nicht, aber Höger, 26, hatte auch nichts dagegen. Er sagt: „Ich bin ein kölscher Typ.“ Der jetzt auch für den 1. FC Köln spielt. Warum er glaubt, dass der Wechsel zu seinem „Traumverein“ jetzt genau richtig war, und mit welchen Gefühlen er morgen an den Tivoli zurückkehrt, darüber spricht er im Interview.

Hat der FC Ihnen eigentlich eine Stadtführung angeboten, Herr Höger?

Marco Höger (lacht): Das Thema ist mal ganz vage angeschnitten worden, das wird bei Neuzugängen ja eigentlich immer so gemacht. Aber eine Stadtführung brauche ich nun wirklich nicht.

Sie haben das Angebot also ausgeschlagen?

Höger: So war es. Ich kenne mich bestens aus, habe sogar schon Touri-Führungen durch Köln mitgemacht, wohne ganz in der Nähe des Geißbockheims. Köln ist meine Heimat.

Sind Sie mit Ihrem Wechsel zum FC sozusagen nach Hause gekommen?

Höger: Ja, so sehe ich das. Ich habe Familie in Köln, viele meiner Freunde leben hier, deswegen bin ich ja auch während meiner Zeit auf Schalke oft in Köln gewesen. Es hat mich immer hierher gezogen. Und dass ich jetzt vor der Haustür trainieren und spielen darf, ist wirklich großartig.

Klingt ziemlich romantisch, finden Sie nicht auch?

Höger: Vielleicht habe ich eine kleine romantische Ader, aber der Romantiker schlechthin bin ich nicht (lacht). Mein Wechsel war ja nicht nur eine Herzensangelegenheit. Da haben auch andere Dinge eine Rolle gespielt.

Das heißt wohl, Sie haben auch sportlich einiges vor . . .

Höger: Wer hat das nicht? Wer ohne Ziele Fußball spielt, ist sicherlich fehl am Platze. Für mich ist das insgesamt einfach eine runde Sache: Ich kann in meiner Heimat Fußball spielen, bei meinem Traumverein, dem ich schon als kleines Kind die Daumen gedrückt habe, und habe mir zusätzlich hohe sportliche Ziele gesteckt. Ich will mit dem FC einiges erreichen.

Auf Schalke hätten Sie Europa League spielen können. Ist der Wechsel nach Köln da nicht erst einmal ein Rückschritt?

Höger: Es gibt sicher Menschen, die das so sehen, und das kann man ja auch machen – zumindest was die internationalen Spiele betrifft. Ich habe den Entschluss gefasst, Schalke zu verlassen, weil ich eine gewisse Konstanz vermisst habe, was sich ja alleine daran zeigt, dass ich fünf Trainer in meinen fünf Jahren dort hatte. Irgendwann wünscht man sich als Spieler, Teil einer Entwicklung, Teil einer Geschichte zu sein. Und das ist – den Eindruck habe ich zumindest – beim FC mit den handelnden Personen, der Kraft dieses Vereins und dieser Begeisterungsfähigkeit der Fans möglich.

Hier gibt es mittlerweile eine Konstanz, hier herrscht Ruhe. Mein Ziel ist es, Teil einer weiteren erfolgreichen Entwicklung zu sein. Und wer weiß, wo das in den nächsten Jahren noch hinführt, wenn weiter so konzentriert gearbeitet wird. Trotzdem sollte keiner vergessen, dass der FC erst vor zwei Jahren den Wiederaufstieg geschafft hat. Ich sehe meinen Wechsel jedenfalls definitiv nicht als Rückschritt an.

Weil Sie selbst jetzt eine Führungsrolle in einer aufstrebenden Mannschaft einnehmen wollen?

Höger: Ja, das ist definitiv etwas, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin auch guter Dinge, dass das klappen kann. Es gilt aber erst einmal, sich vernünftig vorzubereiten, um dann gut in die Saison zu starten.

Sind Sie denn fit? Bei Ihrem Medizincheck scheint es zumindest keine Probleme gegeben zu haben . . .

Höger: Ich fühle mich fit, bin einfach gesund, deswegen war der Medizincheck kein Problem. Es kommt leider immer mal wieder vor, dass ein Spieler durchfällt. Verletzungen gehören nun mal dazu, und auch ich hatte davon ja schon mehr als genug.

Unter anderem zwei Kreuzbandrisse, und das sind nur die schwersten Verletzungen.

Höger: Stimmt.

Spielt das in Ihrem Kopf noch eine Rolle?

Höger: Ja und nein. Generell ist es so, dass man durch Verletzungen ein Stück reifer wird. Man denkt durch sie auch mal über Dinge nach, die sonst nicht im Vordergrund stehen: Was passiert, wenn man nach einer Verletzung mal nicht mehr auf die Beine kommt? Wie geht es nach der Karriere weiter? Sobald ich aber auf dem Fußballplatz stehe, spielt das keine Rolle mehr. Es wäre auch falsch, auf dem Feld über so etwas nachzudenken.

Sie sind in der Vorbereitung also schon voll bei der Sache . . .

Höger: Auf jeden Fall. Ich war ja auch Ende der vergangenen Saison schon wieder zweieinhalb Monate im Schalker Mannschaftstraining. Dass ich mich gut fühle, ist für mich keine Überraschung.

Ins Schwitzen gekommen sind Sie aber schon, oder?

Höger: Na klar. In den ersten Wochen geht es ja immer um Ausdauer und Kondition, da werden die Grundlagen gelegt. Bei dem Wetter ist das natürlich noch mal ein bisschen schwieriger für uns Spieler. Aber ich glaube, wir haben da ganz gut gearbeitet. Und ab jetzt wird es so langsam darum gehen, spielerisch und taktisch voranzukommen.

Damit könnten Sie morgen beim Happy-Bet-Cup in Aachen anfangen.

Höger: Wir haben ja heute auch schon das Testspiel in Bielefeld, und für die Arminia beginnt in zwei Wochen schon wieder die Liga. Diese Partie wird der erste Gradmesser für uns sein. Und das geht dann in Aachen so weiter. Das Turnier hat ja außerdem den Anreiz, dass es da etwas zu gewinnen gibt. . .

. . . und für Sie persönlich, dass Sie zum Tivoli zurückkehren, wo Ihre Profilaufbahn einst begonnen hat?

Höger: Natürlich ist das für mich eine schöne Sache. Es wäre sicherlich noch besonderer, wenn es ein Pflichtspiel wäre, aber dazu wird es ja erst mal eher nicht kommen. Auch wenn keiner von meinen ehemaligen Kollegen mehr für die Alemannia spielt: Ich fände es sehr schön, das eine oder andere bekannte Gesicht zu sehen. Deswegen freue ich mich auf Aachen und den Tivoli am Sonntag.

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