Modeste und der lange Abschied vom 1. FC Köln

Von: Roman Sobierajski und Lukas Weinberger
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Modeste
Sein Durchblick vor dem Tor wird schwer zu ersetzen sein: Torjäger Anthony Modeste, der den 1. FC Köln mit 25 Toren in die Europa League geschossen hat, stürmt in Zukunft wohl in China. Foto: Marius Becker/dpa
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Was macht er mit den Millionen? Jörg Schmadtke.

Köln. Der Transfer von Torjäger Anthony Modeste vom 1. FC Köln zum chinesischen Klub Tianjin Quanjian FC scheint nur noch eine Frage des „wann“, nicht mehr des „ob“. Zwischen 35 und 40 Millionen Euro soll den Chinesen die Verpflichtung des 29-jährigen Franzosen wert sein. Fragen und Antworten zum größten Transfer der Kölner Vereinsgeschichte.

Wie ist der aktuelle Stand der Verhandlungen?

Nach einem Treffen mit Beratern, Rechtsanwälten, Handlungsbevollmächtigten und der Kölner Vereinsspitze auf Ibiza und einer weiteren Zusammenkunft in Köln sollen sich alle Beteiligten prinzipiell einig sein. „Es geht in die Richtung, finalisiert ist allerdings noch nichts“, sagte FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke mehreren Medien. Was noch fehlt, ist Modestes Unterschrift unter den Auflösungsvertrag beim FC. Schmadtke wird am Donnerstag in Köln zurückerwartet; dann soll es ein Treffen mit Modeste geben.

Warum könnte der Transfer jetzt zügig über die Bühne gehen?

In China droht den Klubs die Einführung einer 100-prozentigen Abgabe für Transfers, bei denen die Ablösesumme mehr als 5,9 Millionen Euro beträgt. So soll den aberwitzigen Summen, die in diesem fußballerischen Entwicklungsland gezahlt werden, Einhalt geboten werden. Das Volumen der Modeste-Verpflichtung würde sich also verdoppeln, ohne dass einer der beiden Klubs davon profitieren würde.

Wieso hat der FC Modestes Wechsel nicht bereits im Winter zugestimmt, als Tianjin angeblich 50 Millionen Euro geboten hatte?

Die Kölner wären ein doppeltes Risiko eingegangen: Zum einen wäre die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb in Gefahr geraten, immerhin geht die Hälfte aller Treffer des FC auf das Konto des Franzosen. Zum anderen wäre es für Geschäftsführer Schmadtke in der Winterpause nahezu unmöglich gewesen, einen auch nur halbwegs adäquaten Ersatz zu verpflichten.

Wer könnte Modeste denn jetzt im Kölner Sturmzentrum ersetzen?

Gleichwertig und auf Anhieb sicherlich niemand. 25-Tore-Stürmer sind eher die Ausnahme als die Regel. Aber auch der Franzose hat eine komplette Saison gebraucht, um sich perfekt in das System von Trainer Peter Stöger einzupassen. Als Nachfolger gehandelt wird nun unter anderem Jhon Cordoba (24) von Mainz 05. Der Kolumbianer ist wie Modeste ein Strafraumstürmer; seine Trefferquote in der vergangenen Saison kommt aber nicht annähernd an die des Kölners heran: Cordoba traf nur fünfmal in 29 Spielen.

Keine echten Mittelstürmer sind der gebürtige Kölner Mark Uth (25, 1899 Hoffenheim) und der Däne Martin Braithwaite (26, FC Toulouse); sie spielen zwar bevorzugt als hängende Spitzen oder auf dem Flügel, sollen aber ebenfalls das Interesse des FC geweckt haben. Zudem ist Sportdirektor Jörg Schmadtke immer für eine Überraschung gut. Vielleicht zaubert er einen Stürmer aus dem Hut, den vorher niemand auf dem Zettel hatte.

Problem für die FC-Verantwortlichen: Die abgebenden Vereine setzen angesichts des Millionen-Segens, der in die Kölner Kassen fließt, mal eben gewaltig die aufgerufenen Preise hoch.

Was hat Modeste persönlich von einem Wechsel ins Reich der Mitte?

Reich ist das richtige Stichwort. Der Traum von der französischen Nationalmannschaft scheint für den 29-Jährigen nach der erneuten Nichtnominierung ausgeträumt; in Tianjin wird er sich jedenfalls kaum für die Équipe Tricolore empfehlen können. Die Chinesen sollen die Dienste des Torjägers mit zehn Millionen Euro pro Saison vergüten – netto. Nach dem dreieinhalbjährigen Engagement hätte Modeste finanziell mehr als nur ausgesorgt.

Was erwartet den Kölner Publikumslieblings bei seinem zukünftigen Verein?

Großartig umgewöhnen muss sich Modeste nicht – zumindest, was die Vereinsfarben betrifft. Der Tianjin Quanjian Football Club – so lautet der vollständige Name des Vereins – bestreitet seine Heimspiele in Rot-Weiß; die Auswärtskluft ist Weiß-Rot. Geldgeber ist seit Juli 2015 die Firma Quanjian, die mit Naturmedizin Milliarden Euro umsetzt. Der Klub hat in den elf Jahren seines Bestehens dreimal den Namen gewechselt, 13 Cheftrainer versuchten bis 2015 vergeblich, dem Verein zu Erfolgen zu verhelfen – zuletzt der brasilianische Wandervogel Vanderlei Luxemburgo.

Aktuell hat der italienische Alt-Internationale Fabio Cannavaro das Sagen. Die Trikotnummer 28 wird Modeste nicht behalten können. Diese ist in Quanjian an Belgiens Nationalspieler Axel Witsel vergeben. Kommentar

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