Köln - Mit Clemens, Horn und Gott: Köln schafft ersten Saisonsieg der Liga

Mit Clemens, Horn und Gott: Köln schafft ersten Saisonsieg der Liga

Von: Lukas Weinberger
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Die Erlösung: Christian Clemens (Mitte) schießt das umjubelte Siegtor für den 1. FC Köln gegen Wolfsburg. Foto: imago/Horstmüller

Köln. Als es nach 93 Minuten und ein paar Sekunden vollbracht war, überkam alle, die an diesem nasskalten Samstagnachmittag dabei gewesen waren, das sonderbare Gefühl, gerade etwas Historisches erlebt zu haben. Menschen liefen über den Rasen, fielen sich in die Arme, sie jubelten und feierten, und auf den Rängen sangen die glückstrunkenen Fans: „Keiner wird es wagen, unseren 1. FC Köln zu schlagen.“

Es wirkte ein bisschen so, als sei etwas ganz und gar Großartiges im Rhein-Energie-Stadion geschehen, der Klassenerhalt, vielleicht sogar ein Titel. Nun, soweit war es natürlich nicht gekommen, und doch hatte es einen guten Grund für diese Ekstase gegeben: Der FC hat mit dem 1:0-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg den ersten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga geschafft, am 17. Spieltag, dem letzten der Hinrunde.

Und als Timo Horn als einer der ersten nach den Feierlichkeiten in die Mikrofone sprach, wurde deutlich, was dieser Sieg bei den Kölnern ausgelöst hatte. Der Torhüter sagte: „Das war eine riesige Erlösung.“

Der FC ist mit sechs Punkten weiterhin Tabellenletzter, er liegt neun Punkte hinter dem Relegationsplatz, aber der Sieg gegen Wolfsburg hatte deutlich gezeigt, dass Wille und Leidenschaft am Ende doch belohnt werden können. Und dass diese Mannschaft sich noch nicht aufgegeben hat. So hatte es auch Stefan Ruthenbeck gesehen, der Interimstrainer der Kölner sagte: „Die Mannschaft hat sich für ihren großen Einsatz belohnt.“ Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. „Es war nur ein erster Sieg.“

Immerhin aber ein hochverdienter Erfolg gegen schwache Wolfsburger. Und einer, für den es viele Garanten gab. Christian Clemens zum Beispiel, den Siegtorschützen. Der Flügelspieler hat seit Monaten nach durchaus schwachen Leistungen einen schweren Stand bei den Fans, er wurde sogar bei seiner Einwechslung gegen Wolfsburg ausgepfiffen – und sorgte nur vier Minuten später für die Führung. Clemens selbst leitete einen Konter ein, sprintete über 50 Meter in den Strafraum, wo er den Ball vom starken Milos Jojic zurückbekam und das 1:0 schoss (67.).

Clemens veredelte mit seinem Treffer den offensiv mutigen Auftritt seines Teams, an dem neben ihm und Jojic auch Lukas Klünter sowie die beiden 19-jährigen Startelfdebütanten Birk Risa und Chris Führich große Anteile hatten. Clemens selbst wollte nach dem Spiel nicht öffentlich über sein Tor sprechen, das übernahmen andere für ihn. „Ich habe den Eindruck, dass Christian in den vergangenen Monaten etwas unterschätzt worden ist“, sagte Ruthenbeck. „Er bringt eine ganze Menge mit – und wir sind froh, dass wir ihn haben.“ Und Horn fügte hinzu: „Ich freue mich riesig für ihn, das ist Balsam für seine Seele.“

Ein unermüdlicher Antreiber

Der Torwart selbst war ein weiterer Sieggarant – weil er in der Schlussphase gleich mehrere Glanztaten aneinanderreihte, als er etwa den letzten Versuch von Mario Gomez mit der Hacke am Tor vorbeilenkte. Horn selbst wollte seine Leistung gar nicht so hochgehängt wissen, er sagte: „Wir haben es heute gemeinsam mit dem lieben Gott geschafft, das Ding über die Zeit zu bringen.“ Und mit Ruthenbeck. Auch er hatte seinen Anteil am Sieg. Natürlich weil er Clemens einwechselte, aber auch wegen seines emotionalen Coachings an der Seitenlinie.

Ein unermüdlicher Antreiber, mal mit den Armen rudernd, mal auf dem Boden kniend – vor allem aber einer, der die jungen Spieler immer wieder aufforderte, sich etwas zu trauen. Ruthenbeck hatte ja die jüngste Startelf seit rund 40 Jahren aufgeboten – was zum einen an der Verletztenmisere, zum anderen aber auch an seiner Philosophie liegt. „Viel Leidenschaft, Mumm und Mut – für diesen Style stehe ich“, sagte der Interimstrainer. „Ich will, dass meine Mannschaft immer alles reinwirft, was sie hat.“

Bei den Spielern kommt Ruthenbeck gut an, das war deutlich zu spüren, er hat in den vergangenen Wochen viel Lob von vielen Seiten bekommen, auch wenn er drei von vier Spielen verloren hat. Es käme nicht überraschend, wenn er über die Winterpause hinaus Kölns Trainer bleiben würde. Ruthenbeck und Sportdirektor Armin Veh verwiesen aber darauf, erst am Mittwoch nach dem DFB-Pokalspiel auf Schalke (Dienstag, 20.45/ARD) entscheiden zu wollen, wie es weitergeht. Noch sei alles offen, das sagen sowohl Ruthenbeck als auch Veh.

In der Liga geht es für den FC jedenfalls am 14. Januar mit dem Derby gegen Gladbach weiter. Sicher ist, dass dann wieder mehr Fans kommen werden als die 41.100, die am Samstag für den schlechtesten Zuschauerzuspruch seit vier Jahren sorgten. Sicher ist auch, dass ein Sieg dann erneut Ekstase auslösen – und die Hoffnung auf den eigentlich schon abgeschriebenen Klassenerhalt weiter nähren würde.

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