Kölner Grenzerfahrung: Spitzenreiter für 19 Stunden

Von: Andreas Morbach
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Leonardo Bittencourt
Nach seinem Treffer zum 2:0 konnte Leonardo Bittencourt noch lachen. Kurze Zeit später musste er verletzt ausgewechselt werden. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Köln. Auch am Geißbockheim wird es langsam herbstlich, Leonardo Bittencourt passte sich dem Ende des einmonatigen Indian Summer am Sonntagvormittag schon mal an. Mit schwarzem Käppi, hellbraunem Pulli und bedrückter Miene humpelte der 22-Jährige aus der Heimstätte des 1. FC Köln.

Für Bittencourts ungewöhnlich maue Stimmung gab es eine simple Erklärung: Beim 3:0 am Freitag verletzte sich der schnelle Mittelfeldspieler am Oberschenkel, die geplante Fortsetzung des kölschen Startschwungs findet in dieser Woche ohne den gebürtigen Leipziger statt.

Am Mittwoch auf Schalke und vier Tage später gegen Leipzig muss Bittencourt, gegen die Breisgauer Schütze des zweiten Treffers, definitiv passen. Ein Wermutstropfen im Freudenkelch der Kölner – die nicht nur im dritten Punktspiel der Saison gegentorfrei blieben, sondern erstmals seit zwei Jahrzehnten die Tabellenspitze der Bundesliga zierten. Zumindest für 19 selige Stunden. „Samstag um 17.30 Uhr ist der Spuk vorbei“, orakelte Peter Stöger in bekannter Weise schon am Freitag den absehbaren Konter der Bayern (3:1 gegen Ingolstadt) herbei. Doch am spröden, allzeit ehrlichen Cheftrainer lässt sich zugleich das veränderte Selbstverständnis der Domstädter ablesen.

Nicht ohne Grund ging Stöger die Aussicht auf die Pole Position in der Liga sehr offensiv an – und stellte nach dem Sieg über Freiburg einen Vergleich mit der Vorsaison an. Da sei es der Mannschaft, in dem Fall im Rangeln um die Plätze sieben oder acht, mehrfach nicht gelungen, die gute Vorarbeit im entscheidenden Moment zu zementieren. „Im letzten Jahr haben wir das nicht geschafft – jetzt schon“, betonte der FC-Coach, dem die wachsende Euphorie um ihn herum inzwischen durchaus gefällt. „Wir wissen eh, dass in der Stadt jetzt alle kopfstehen“, sagt er. „Das ist ein Entwicklungsprozess, dem wir uns stellen müssen.“

Die nächste Begegnung in Gelsenkirchen wird dabei zu einem weiteren Gradmesser für die Stabilität des Kölner Fortschritts. Gegen Freiburg legten die Kölner jedenfalls schon mal eine ungewohnte Effektivität im gegnerischen Strafraum an den Tag. „Das war sehr erfreulich. Jetzt sind wir in einer Situation, dass, aufgrund unserer gefühlten Entwicklung, die Erwartungen immer größer werden“, weiß Trainer Stöger. „Die Frage ist, wie wir damit umgehen und wann wir an unsere Grenzen stoßen.“

Diese Form der Grenzerfahrung jedenfalls übt auf alle Beteiligten eine spürbare Faszination aus. Dazu gehört das vorsichtige Herantasten an etwas forschere Töne. „Es wirkt selbstverständlicher, was wir tun – und ein Stück weit erwachsener, wie wir spielen“, beweist Sportchef Jörg Schmadtke bei dieser Übung ein gewisses Geschick. Während Kapitän Matthias Lehmann seine Erkenntnisse lieber etwas rustikaler verpackt und erklärt: „Wir sind weiter, wir sind klarer im Kopf, wir sind cool.“

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