Köln viel zu realistisch für eine Kampfansage

Von: Lukas Weinberger
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Stets aufmerksam: Kölns Innenverteidiger Mergim Mavraj soll auch gegen die Bayern für Stabilität sorgen. Foto: imago/Team 2

Köln. Natürlich hätte irgendjemand beim 1. FC Köln auf die Idee kommen können, dem großen FC Bayern München vor dem Duell in der Fußball-Bundesliga am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) eine sogenannte Kampfansage zu machen, ein paar selbstbewusste Sätze zu sagen, ein paar freche Worte zu wählen. So etwas wie: „Wir wollen die Bayern ärgern.“ Es wäre ja gar nicht mal so verwegen gewesen.

Der FC liegt ja nur vier Punkte hinter dem Spitzenreiter; die Partie in München ist ein Spitzenspiel, auch wenn die Tabelle nach fünf Spieltagen noch nicht besonders aussagekräftig ist. Dazu haben die Kölner im Gegensatz zum Rekordmeister in dieser Saison noch keines ihrer Pflichtspiele verloren. Was also rechnet sich der FC aus? Peter Stöger, der Trainer der Kölner, sagt: „Für uns wird das ein wahnsinnig schwieriges Spiel.“

Es ist ja trotz des starken Saisonstarts auch nicht zu erwarten, dass in Köln jemand abhebt und einen Sieg in München verlangen würde. Das würde auch nicht zum Realismus passen, der mit den Verpflichtungen des österreichischen Trainers und von Jörg Schmadtke als Manager vor drei Jahren beim FC Einzug erhalten hat; und außerdem wissen sie in Köln genau, dass die Münchner eigentlich in einer anderen Liga spielen. „Es haben schon viele Mannschaften versucht, den Bayern ein Bein zu stellen, aber gelungen ist das nur wenigen“, sagt Stöger.

Vier Mal hat er es in den vergangenen beiden Jahren mit Köln versucht, vier Mal hat er verloren; nur ein Tor hat seine Mannschaft geschossen, elf Gegentreffer kassiert. Die Münchner hätten alles, was eine Weltklassemannschaft brauche: ein funktionierendes Team, hervorragende Einzelspieler, einen guten Trainer, einen breiten Kader. Kölns Trainer sagt: „Wir spielen gegen eine Mannschaft, die drei Punkte gegen uns fest eingeplant hat.“

Das bedeutet natürlich nicht, dass der FC diese drei Punkte herschenken wird. Stöger sagt: „Wir müssen versuchen, mit unseren Möglichkeiten, mit unserer Spielidee und mit unseren Qualitäten zum Erfolg zu kommen.“ Was in München wohl nur eines bedeuten kann: gut verteidigen. Hat Atlético Madrid ja vorgemacht. Stöger sagt: „Abschauen kann man sich von Atlético viel, die Kunst ist es aber, das auch auf dem Platz umzusetzen.“ Auch wenn der FC sich in den vergangenen Monaten spielerisch enorm weiterentwickelt hat, bleibt die stabile Defensive sein Prunkstück. Die Kölner haben in dieser Saison ja nicht umsonst erst zwei Gegentore kassiert.

Großen Anteil daran hat Innenverteidiger Mergim Mavraj, der in allen Ligaspielen von Anfang an auf dem Platz gestanden hat. Und dabei wollte Mavraj, 30, den FC im Januar eigentlich schon verlassen. Der albanische Nationalspieler musste sich für die EM empfehlen, in Köln hatte er in der Hinrunde aber nur wenig Spielpraxis bekommen. Der Klub ließ ihn dennoch nicht ziehen, Stöger und Schmadtke erklärten dem Verteidiger, dass sie ihn brauchen. „Ich habe den Verantwortlichen vertraut, weil ich wusste, dass es durchdacht ist“, sagt Mavraj. „Und heute sind wir alle froh, dass es so gekommen ist.“ Er kam in der Rückrunde zum Einsatz, spielte bei der EM, jetzt gehört er wieder zum Stamm. Und es gilt als wahrscheinlich, dass der Albaner seinen auslaufenden Vertrag bald verlängern wird. Der FC sei definitiv sein „erster Ansprechpartner“, erste Gespräche wurden schon geführt.

Warum die Kölner Verantwortlichen ein Interesse haben, Mavraj zu halten, wird der Innenverteidiger im für den FC besten Fall am Samstag wieder im Abwehrzentrum zeigen; wahrscheinlich wird er dort wieder neben Dominique Heintz verteidigen. Vorstellbar ist auch, dass Stöger gegen die offensivstarken Bayern auf eine Dreierkette umstellt, zu der dann neben Mavraj und Heintz auch Frederik Sörensen gehören würde. Der Däne war allerdings wie auch Marco Höger angeschlagen. Das Abschlusstraining am Freitag absolvierten beide aber ohne Probleme, sie reisten mit dem Team nach München.

Auf jeden Fall mit auf den Platz werden die Kölner das Selbstvertrauen aus dem guten Saisonstart mit elf Punkten nehmen, Bayern hin, Bayern her. „Wir haben eine gute Phase, das wissen wir, und das wollen wir auch zeigen“, sagt Stöger. Und: „Es gibt sich niemand vor dem Spiel geschlagen.“ Keine Kampfansage, aber immerhin etwas.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Sörensen, Mavraj, Heintz - Risse, Rausch - Höger, Lehmann, Hector - Osako, Modeste

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