Höhepunkt nach dem Spiel: Der BVB feiert einen Kölner Spieler

Von: Lukas Weinberger
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Neven allein vor der Gelben Wand: Kölns Neven Subotic wird von den BVB-Fans gefeiert. Foto: imago/mika

Dortmund. Neven Subotic war müde. Die Haare zerzaust, die Schritte langsam, der Blick leer, aber vorbei war dieser lange Arbeitstag noch nicht, dabei hatte er dem Fußballer des 1. FC Köln schon so viel abverlangt. Dieses letzte der unzähligen Interviews sollte Subotic jetzt noch geben, doch noch bevor die Journalisten beginnen konnten, hatte er selbst ein Anliegen.

„Nur zwei, drei Fragen“, sagte er leise. „Bitte.“ Es klang weder bestimmt noch genervt, es klang wie ein Flehen. Neven Subotic war müde. Und das konnte jeder nachvollziehen.

Kölns Verteidiger hatte sich nicht nur mit seiner Mannschaft dank einer starken Abwehrleistung in einem intensiven Spiel ein 0:0 bei Borussia Dortmund erarbeitet, danach hatte es ja noch seine ganz persönliche Verlängerung gegeben. Sie dauerte zwar nicht einmal fünf Minuten, aber für Subotic war sie nervenaufreibender als die 90 zuvor.

Die Fans des BVB auf der Südtribüne hatten nach dem Abpfiff minutenlang seinen Namen gerufen, ihm zugejubelt, ihn gefeiert, einen Spieler des Gegners; Subotic hatte vor der sogenannten Gelben Wand gestanden, die Hand auf dem Herzen, sich verneigt, applaudiert, sich wieder verneigt, nochmal applaudiert. Hinter ihm klatschten die Spieler des BVB, und später waren sie sich alle einig, dass Subotic diese Ehre verdient gehabt hätte. Der Serbe selbst sagte später: „Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben.“

Rot und Weiß, Schwarz und Gelb

Der Serbe hat achteinhalb Jahre für den BVB gespielt, im Winter wurde er nach Köln ausgeliehen; er hat mit Dortmund zwei Meisterschaften geholt, einmal den DFB-Pokal, stand im Finale der Champions League. So etwas vergessen Fans nicht. Es wirkte ein bisschen wie ein Abschied, auch wenn er noch einen Vertrag bis 2018 in Dortmund hat. Subotic sagte: „So etwas erleben zu dürfen, ist ein ganz großes Glück.“

Die Geschichte vom Verteidiger in Rot und Weiß vor der Tribüne voller Fans in Schwarz und Gelb wird so schnell nicht vergessen werden. Was für die 90 Minuten zuvor nur für eine Seite gilt. Während sich die Dortmunder wohl nicht lange an ein Spiel erinnern wollen, das sie zwar klar dominierten, aber in dem sie nur zwei Abseitstore und drei vergebene Großchancen zustande brachten, war der FC zufrieden mit dem, was da auf dem Platz passiert war.

Von einem Punkt, „der Gold wert sein kann“, sprachen die Spieler, von „defensiver Stabilität“, einer „Willensleistung“. Im Kampf um die Europa League ist der FC weiterhin im Rennen, spielt am Freitagabend zu Hause gegen den direkten Konkurrenten Werder Bremen (20.30 Uhr), und so verbuchte auch der Trainer dieses Remis in Dortmund als Punktgewinn, Peter Stöger sagte: „Es ist nicht selbstverständlich, beim BVB etwas zu holen“.

Danach hatte es in der Anfangsphase auch wirklich nicht ausgesehen. Der FC bekam keinen Zugriff, schaffte es nicht, die Passwege zuzustellen, die Führung des BVB schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Sie fiel nicht, weil die Dortmunder ihre Chancen nicht nutzten wie Marco Reus (15. und 27. Minute) oder einer ihrer Spieler vor den vermeintlichen Treffern im Abseits gestanden hatte (14. und 34.). Stöger sagte: „Am Anfang haben wir richtig Glück gehabt.“

Mitte der ersten Halbzeit gewann seine Mannschaft Sicherheit, weil der Trainer von Vierer- auf Fünferkette umstellte. Und der FC ebenfalls zu Chancen kam: Milos Jojic schoss vorbei statt abzuspielen (29.), Leonardo Bittencourt zielte nach seinem Solo noch ungenauer (31.). „Da hätten wir in Führung gehen können“, stellte auch Kapitän Matthias Lehmann fest, „aber wir wollen die Kirche im Dorf lassen.“

Dass sich der FC nach 90 Minuten zumindest einen glücklichen Punkt verdient hatte, lag an dem noch couragierteren Auftritt der Defensive in der zweiten Hälfte, die gegen wütende Dortmunder nur zwei Chancen zuließ: Die erste vergab Aubameyang (70.), die zweite machte Kölns Keeper Timo Horn mit einer großartigen Parade bei Raphael Guerreiros Kopfball zunichte (90+2.). Stöger sagte: „Wir haben wahnsinnig viel investiert für diesen Punkt.“ Neven Subotic wusste wohl genau, was sein Trainer gemeint hat.

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