FC-Fans feiern Party in London: Kölsch und ein Hauch Karneval

Von: Holger Schmidt
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Die Körpersprache ist oft wichtig im Fußball... Genau wie Kölns Trainer Peter Stöger am Samstag in Augsburg wirkte Arsenals Teammanager Arsene Wenger am Mittwoch beim Training nicht sehr zuversichtlich. Foto: dpa
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Die Körpersprache ist oft wichtig im Fußball... Arsenals Teammanager Arsene Wenger wirkte am Mittwoch beim Training nicht sehr zuversichtlich. Foto: dpa

London. Rund 10.000 Fans reisen ohne Ticket an, manche sind schon seit Tagen mit dem Fahrrad unterwegs, und der German Pub wird außer Kölsch vom Fass auch Mettbrötchen anbieten: Die Anhänger des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln nutzen das erste Europacup-Spiel ihres Vereins seit einem Vierteljahrhundert zu einer großen Party und verbreiten einen Hauch von Karneval in der Weltmetropole London.

Doch zum Comeback-Spiel auf Europas Fußball-Bühne heute (21.05 Uhr/Sport1) reist der FC als größtmöglicher Außenseiter. Der FC Arsenal mit den Weltmeistern Per Mertes­acker und Shkodran Mustafi – Mesut Özil und Aaron Ramsey werden laut Teammanager Arsene Wenger geschont – ist laut Koeffizient der stärkste Verein der Europa League und hatte sich zuvor in diesem Jahrtausend immer für die Champions League qualifiziert. Der FC legte derweil mit drei Niederlagen und 1:7 Toren als Tabellenletzter den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin.

Mit entschlossenem Blick

Die Stimmung in den letzten Wochen war entsprechend gedrückt, doch vor dem ersten Europacup-Spiel nach 9115 Tagen kehren Euphorie und Entschlossenheit langsam zurück. Am Mittwochmorgen stiegen die Mitglieder des FC-Trosses überwiegend mit entschlossenem Blick und sichtlicher Vorfreude in die Chartermaschine nach London. „Wir können in Selbstmitleid verfallen oder jede Aufgabe als Chance sehen“, sagte Trainer Peter Stöger.

Vize-Präsident Toni Schumacher, bei vielen Europacup-Duellen als Torhüter dabei, betonte: „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ Stattdessen kriege er „Gänsehaut, wenn ich an den Anpfiff denke“. Und Torhüter Timo Horn sagte: „Der Verein hat 25Jahre auf diesen Moment gewartet. Den sollen alle genießen, und den werden wir uns nicht von den ersten drei Wochen kaputtmachen lassen.“

Der Verein feuert die Vorfreude der Fans durch humorige Videos unter dem Motto „Return of the Goat“ („Die Rückkehr des Geißbocks“) an. 20465 Kartenwünsche gingen beim FC ein, obwohl der Verein nur 2900 Tickets erhielt. „Der Ansturm ist unglaublich“, erklärte der Fanbeauftragte Rainer Mendel: „Beim Uefa-Cup-Finale 1986 bei Real Madrid waren gerade mal 400 Fans dabei.“

Der Rapper Mo Torres, der dem FC zum Europa-League-Einzug ein Lied widmete, ist schon länger in London und fährt dort mit einem mit Wimpel, Schals und Fahnen geschmückten Ford Taunus umher. 13 Stunden brauchte er in dem 54 Jahre alten Auto bis nach London. Deutlich länger benötigen zwei Mitglieder des Fanklubs „Fründe Bollerböcke“. Sie hatten sich laut „Express“ vor 14 Jahren geschworen, mit dem Fahrrad anzureisen, falls der FC je wieder ein Europacup-Spiel bestreiten sollte – und hielten nun Wort.

Stöger ist „The Austrian One“

Auch den Spielern und dem Trainerteam ist bewusst, dass dieses Spiel ein ganz besonderes ist. Und so ist auch diese Woche keine wie jede andere. Seit Montag trainiert der FC mit dem offiziellen Europa-League-Spielball, um sich an ihn zu gewöhnen. Am Dienstag fand das Training ausnahmsweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und heute wird auch der überzeugte Kapuzenpulli-Träger Stöger – vom Verein dieser Tage scherzhaft als „The Austrian One“ präsentiert – wohl im feinen Anzug an der Seitenlinie stehen.

Sein Team erachtet der Österreicher trotz der aktuellen Liga-Krise als keineswegs chancenlos. „Wir wollen dort gewinnen, sonst bräuchten wir gar nicht hinzufliegen“, sagte er. Und nach der Ankunft am Mittwochabend setzte Stöger auf einer Pressekonferenz noch eines drauf: „Es wird schwer, aber ich habe ein ganz gutes Gefühl. Das ist eine richtig lässige Aufgabe. Jeder hat sich das Los gewünscht, es ist eine große Chance, uns zu präsentieren.“ Ob es „einen Hauch von Überraschung“ gibt, wie der Coach formulierte, bleibt abzuwarten.

Neben Özil wird Arsene Wenger Berichten zufolge auch den früheren Gladbacher Granit Xhaka sowie Petr Cech, Alexandre Lacazette und Danny Welbeck schonen. Abwehrspieler Laurent Koscielny ist gesperrt, Francis Coquelin und Santi Cazorla fehlen verletzt.

Voraussichtliche Aufstellung: Horn - Klünter, ­Meré, Heintz, Rausch - Lehmann, Hector - Risse, Bittencourt - Osako, Cordoba

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