Endlich wieder was Zählbares?

Von: Lukas Weinberger
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Auch Spaß im Gladbacher Borussia-Park? FC-Trainer Peter Stöger und Kölns Torjäger Anthony Modeste wollen weiter jubeln. Foto: imago/Uwe Kraft

Köln. Peter Stöger wird damit gerechnet haben, dass ihm die Frage gestellt werden würde, was in der Woche vor einem Derby denn alles anders sei in der Arbeit als Trainer eines Fußball-Bundesligisten. Heute spielt sein 1. FC Köln bei Borussia Mönchengladbach.

 Es ist bereits Stögers fünftes als Trainer des FC, und natürlich kam auch diesmal die Frage nach der speziellen Vorbereitung auf. Also, Herr Stöger, was war denn jetzt alles anders vor dem Derby? Der Trainer überlegt kurz, zuckt mit den Schultern, sein Blick wirkt fast ein bisschen entschuldigend; Stöger sagt: „Eigentlich nichts.“

Es dauert einen Moment, da fällt ihm dann doch noch ein Unterschied ein. „Wenn ich in der Stadt auf Fans treffe, dann klopfen sie mir nicht mehr auf die Schulter und loben uns für unseren guten Tabellenplatz“, sagt er. „Sie klopfen mir jetzt auf die Schulter und sagen: ‚Samstag zählt’s.‘“

Und natürlich weiß auch Stöger, dass dieses Derby wichtig ist; er weiß, dass es in solchen Duellen um ein bisschen mehr geht als nur um drei Punkte, vor allem für die Fans. Es heißt ja immer, es gehe in den Spielen zwischen Köln und Gladbach auch um die Ehre. Oder um die sogenannte Vormachtstellung am Rhein, von der wahrscheinlich niemand so genau weiß, was das eigentlich sein soll.

Der Trainer sagt: „Es ist doch klar, dass so ein Duell etwas Spezielles ist.“ Stöger muss es wissen. Er hat ja nicht nur vier Derbys als Kölner Trainer erlebt, er hat in seiner Zeit bei Austria Wien regelmäßig gegen den Stadtrivalen Rapid gespielt.

Stöger ist aber eben auch ein Trainer, der immer Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt; mit seiner ruhigen, nüchternen Art nimmt der Österreicher immer ein bisschen Druck vor seiner Mannschaft. Keine unnötigen Kampfansagen an den Gegner, keine waghalsigen Versprechen an die Fans. Nicht vor einem normalen Bundesligaspiel, nicht vor einem Derby. Stöger ist mit dieser Art in den vergangenen Jahren gut gefahren, sie hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Kölner so erfolgreich sind.

Leisten kann sich der Trainer das natürlich nur, weil hinter den Kulissen akribisch gearbeitet wird. Von ihm, seinem Team, der Mannschaft. Und natürlich hat Stöger seine Spieler auch auf die Gladbacher vorbereitet, sein Team eingestellt, ihm einen Plan für die Partie vermittelt. Aber das tut er ja auch, wenn seine Mannschaft auf den FC Augsburg trifft oder gegen 1899 Hoffenheim spielt. Der Trainer sagt: „Und deshalb gab es in der Trainingswoche auch keine großen Unterschiede.“ Gegneranalyse, Stärken, Schwächen, besondere Spieler. Alles wie immer.

Und was hat Stöger bei Borussia Mönchengladbach festgestellt? „Sie haben eine hervorragende Offensive“, sagt er. Vor allem das Duo Raffael und Lars Stindl imponiere ihm. Zu stoppen sei der Angriff des Rivalen nur im Verbund.

Dass der Gegner sechs Punkte hinter seinem FC liegt und in der Liga seit fünf Spielen nicht gewonnen und kein Tor geschossen hat, ändert nichts an der Meinung des Trainers, im Gegenteil: „Die Borussia ist uns immer noch einen Schritt voraus.“ Die Gladbacher hätten sich in den vergangenen Jahren auf höchstem Niveau entwickelt, sie spielten ja nicht einfach so in der Champions League. „Wenn man sich die letzten drei, vier, fünf Jahre anschaut, muss ich sagen, dass sie einen riesigen Job machen.“

Der FC hat das in den vergangenen drei Duellen im Borussia-Park zu spüren bekommen, er hat sie alle verloren. Das Heimspiel in der Hinrunde der vergangenen Saison gewannen die Kölner hingegen 1:0. Und spätestens nach dem starken Start in die laufende Saison trauen viele Experten Stögers Team eine ähnliche Entwicklung wie den Gladbachern zu.

„Wir haben uns in der Liga etabliert“, sagt der Trainer. „Und wir wissen, dass wir uns mittlerweile auch in so einem Spiel vor allem auf das konzentrieren können, was wir können.“ Soll heißen: Der FC wird in Gladbach auf seine kompakte Defensive setzen und versuchen, mit schnellen Kontern zu Chancen zu kommen. Das dafür nötige Selbstvertrauen ist noch da, auch wenn Köln seine vergangenen beiden Auswärtsspiele in Berlin und Frankfurt jeweils knapp verloren hat.

Im Derby soll es jetzt endlich wieder Zählbares geben, mindestens einen Punkt, vielleicht auch einen Sieg. Oder wie sehen Sie das, Trainer? „Wir stehen recht weit oben in der Tabelle, das gefällt uns, da fühlen wir uns wohl, natürlich wollen wir dort oben bleiben, und das bedeutet, dass wir in Gladbach punkten müssen.“ Typisch Stöger.

Voraussichtliche Aufstellung: Kessler - Sörensen, Mavraj, Heintz, Hector - Höger, Lehmann - Risse, Rausch - Osako, Modeste

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