Ein Unentschieden, das sich wie ein Sieg anfühlt

Von: Lukas Weinberger
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Und gleich ist der Ball im Netz: Artjoms Rudnevs bringt den FC gegen Dortmund in Führung. Foto: imago/VI Images

Köln. Dass die Fußballer des 1. FC Köln im Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund viel richtig gemacht haben mussten, war an den lobenden Worten Thomas Tuchels zu erkennen, der Trainer des BVB sparte nach dem Spiel nicht damit. Der FC sei eine kompakte Mannschaft, leidenschaftlich, aggressiv, gefährlich im Konterspiel; alles in allem: „Eine sehr komplizierte Aufgabe.“

So hatten sich die Kölner ja tatsächlich in den vorausgegangenen 90 Minuten präsentiert. Aber Tuchels Lob war nichts im Vergleich zu dem, was Peter Stöger noch zu sagen hatte, Kölns Trainer geriet ein bisschen ins Schwärmen: „Ich habe heute wieder einmal gesehen, warum ich so viel Spaß daran habe, mit dieser Mannschaft zu arbeiten.“

Ein kleiner Sieg

Ein solches Lob vom eigenen Trainer bekommt ein Team eigentlich nur, wenn es ein Spiel gewonnen hat, aber dieses Duell zwischen dem FC und dem BVB war ja nun einmal 1:1 ausgegangen; die Kölner mussten in der letzten Minute den Ausgleich durch Dortmunds Marco Reus hinnehmen. Und dennoch fühlte sich dieses Remis für den FC wie ein Sieg an. Stöger sagte: „Wenn du dich am Ende eines Spiels gegen Dortmund kurzzeitig ärgerst, dass du nur unentschieden gespielt hast, musst du vorher ein sehr gutes Spiel gemacht haben.“

Das war ja nicht unbedingt zu erwarten gewesen: Mit Dortmund spielte nicht irgendeine Mannschaft in Köln, sondern ein Team, das unter der Woche im Champions-League-Spiel bei Real Madrid seine Klasse unter Beweis gestellt hatte. Es war eigentlich nur spekuliert worden, wie hoch der FC verlieren würde, zumal erwartet worden war, dass den Kölnern neben fünf Stammspielern nach dem 0:4 in Hoffenheim in der Vorwoche auch das Selbstbewusstsein fehlen würde.

„Es ist schon außergewöhnlich, wie diese Mannschaft die Rückschläge wegsteckt“, sagte Stöger. Mit Pawel Olkowski und Artjoms Rudnevs hatte er zwei Spieler von Anfang an aufgeboten, die diese Saison noch nicht so oft zum Zuge gekommen sind; beide machten ein starkes Spiel. Rudnevs krönte es sogar mit seinem ersten Ligator für den FC; er traf nach einem Freistoß zur Führung (29. Minute). Stöger sagte: „Es gibt keinen im Klub, der ihm dieses Tor nicht gönnt, Rudi ist ein echter Teamplayer.“

Das ist ja ohnehin die große Kölner Stärke: die Geschlossenheit. Der BVB hatte in der gesamten Partie mehr Spielanteile, am Ende zählten die Statistiker einen Ballbesitz von 75 Prozent. Beeindruckend war aber eher, mit welcher Konsequenz sich die Kölner dagegenstellten, Dortmunds Offensive kam nicht zum Kombinieren.

Die Abwehr um den starken Mergim Mavraj verteidigte nicht wie gewohnt im Raum, sondern nah am Gegenspieler, was dazu führte, dass Pierre-Emerick Aubameyang bis auf ein Abseitstor nach neun Minuten gar nicht in Erscheinung trat. Und den Kölnern gelang es vor allem über die fleißigen Yuya Osako und Rudnevs sogar, für Entlastung zu sorgen – und das teilweise so gut, dass Anthony Modeste, der trotz seiner Knieprobleme spielen konnte, nach einem Konter das 2:0 hätte schießen müssen (50.).

Köln nervte Dortmund, weil der Plan aufging, geschlossen zu verteidigen und schnell zu kontern. „Der BVB konnte sich nicht entfalten“, sagte Mavraj. Und sein Abwehrkollege Dominique Heintz fügte hinzu: „Wir haben fast keine Torchance zugelassen.“ Bis auf die Möglichkeit in der letzten Minute. Reus‘ Tor entstand aus der beinahe einzigen Aktion, in der die Kölner nicht konsequent verteidigten; der eingewechselte Konstantin Rausch hätte den Ball ins Aus befördern müssen, er tat es aber nicht. „Es ist die Qualität des BVB, aus einem so kleinen Fehler den Ausgleich zu machen“, sagte Heintz.

Dass der erst 18-jährige Salih Özcan in der Nachspielzeit des recht ruppigen Spiels noch die Gelb-Rote Karte sah, ist bitter für den FC, weil am Samstag in Bremen nun ein weiterer Spieler fehlen wird, die Freude der Kölner über die starke Leistung konnte das aber nicht schmälern; sie hat Mut für die letzten beiden Spiele vor Weihnachten gemacht. Stöger sagte: „Die Mannschaft ist immer bereit, alles in die Waagschale zu werfen.“ Und das macht in Köln eben allen Spaß.

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