Köln - Die Bayernjäger spotten über sich selbst

Die Bayernjäger spotten über sich selbst

Von: Roman Sobierajski
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Kölner Stadtmusikanten: Simon Zoller (von links), Anthony Modeste, Konstantin Rausch und Marco Höger genießen den Höhenflug der Rheinländer. Foto: imago/Eibner

Köln. Mit eintägiger Verspätung fand FC-Trainer Peter Stöger dann doch noch eine Erklärung – für das Kölner 2:1 über den FC Ingolstadt, für den Sprung auf Tabellenplatz zwei, für die unverhoffte Rolle als erster Bayernjäger. Und der Spitzenplatz seines Stürmers Anthony Modeste in der Torjägerliste ist vermutlich auch noch mit abgedeckt.

„Wir haben es geschafft, uns über uns selbst lustig machen zu können. Wir können uns auch selbst verar...“, befand Stöger, und in der Antwort liegt vermutlich ebenso viel Wahrheit wie Selbstironie.

Aber auch auf dem Spielfeld ließen Stögers Spieler die 49.200 Zuschauer einige gute Gründe dafür finden, warum der FC nun saisonübergreifend zum zwölften Mal den Platz ohne Niederlage verließen. Etwa das Selbstvertrauen, das sich bei einer derart imposanten Serie einstellt: Nach nur 15 Sekunden Spielzeit musste Verteidiger Frederik Sörensen mit einem blutenden Cut über dem linken Auge vom Platz, um in der Kabine getackert zu werden, und seine Teamkollegen spielten gegen die tiefstehenden Gäste unbeeindruckt weiter, holten in den sieben Minuten einen Freistoß, einen Eckball und einen Einwurf heraus.

Variables Spiel dürfte ein weiterer Erfolgsgrund sein, vor allem gegen einen dicht gestaffelten Gegner, dessen Vorposten Lukas Hinterseer sich nur ab und an in den Mittelkreis verirrte. „Wir haben in der ersten Halbzeit zweimal von Vierer- auf Dreierkette umgestellt, in der zweiten einmal, und es hat gut funktioniert“, befand Sörensen. Jonas Hector konnte so im Mittelfeld für Überzahl sorgen. Zwei Freistöße in Strafraumnähe waren die Ausbeute, auch wenn die Versuche durch Konstantin Rausch (9.) und Marcel Risse (12.) nicht mit einem Treffer belohnt wurden.

Präzise Zuspiele aus der Balleroberung heraus oder auf die schnellen Spitzen machen das Siegen ebenfalls leichter. Und während es Yuya Osako noch fertigbrachte, einen Pass von Matthias Lehmann aus zehn Metern unbedrängt neben das Ingolstädter Tor zu setzen (24.), war er später als Vorbereiter erfolgreicher: Sein halbhohes Zuspiel ließ Anthony Modeste aus der Drehung mit der Brust kurz abtropfen, bevor er den Ball zum 1:0 in die Maschen drosch (28.), der verwandelte Elfmeter nach Foul an Osako (29.) bedeutete die 2:0-Halbzeitführung und seinen siebten Saisontreffer.

Zur ganzen Geschichte gehört aber auch, dass sich zum Tüchtigen das Glück so selbstverständlich gesellt wie das Pech zum Erfolglosen. Und so verweigerte Schiedsrichter Tobias Welz dem ersten Kölner Treffer nicht die Anerkennung trotz der Abseitsstellung von Modeste, so übersah der 39-Jährige das Handspiel von Osako vor dem Foul von Tobias Levels und ahndete auch nicht das rigide Einsteigen im Strafraum von Dominique Heintz gegen Mathew Leckie.

Und unbestraft blieb natürlich auch, dass der FC im zweiten Durchgang, als Ingolstadt notgedrungen aufmachen musste, beste Chancen liegen ließ (Rausch 53., Modeste 64./ 86.), und es für Ingolstadt nach dem Lattenschuss von Almog Cohen im ersten Durchgang nur noch zum Anschlusstreffer per Elfmeter durch Hinterseer in der Nachspielzeit reichte.

„Im ersten Durchgang war das sehr souverän von uns“, kam dann das verdiente (Teil-)Lob von Sportdirektor Jörg Schmadtke. „Wir haben gezeigt, dass wir mit dem Druck umgehen können.“ Doch wie gewohnt bleibt der 52-Jährige auch im Erfolg kritisch und verkündet, „wir werden die letzte Viertelstunde, wo ein bereits gefühlt feststehender Sieg noch einmal wackelte, natürlich genau analysieren. Auch das gehört zum Entwicklungsprozess einer Mannschaft, nicht zu früh in Lockerheit zu verfallen.“

So hat sich der FC am kommenden Spieltag die Toppartie gegen den Dritten Hertha BSC selbst beschert – und spottet weiter über sich selbst. „Die sind reif, die haben uns in der vergangenen Saison zweimal geschlagen“, verkündet Sörensen grinsend kampfbereit. Und sein Sportdirektor verrät sogar den Matchplan: „Man glaubt es nicht, aber wir wollen da tatsächlich Punkte holen. Das ist unser Plan“, erklärt Schmadtke ebenso ernsthaft. Beim FC ist der Erfolg wie selbstverständlich nicht selbstverständlich – und das ist vielleicht tatsächlich der Schlüssel.

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