Der 1. FC Köln ist hochzufrieden trotz der Niederlage

Von: Roman Sobierajski
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Der Kiebitz an der Bande jubelt zu früh: FC-Stürmer Anthony Modeste (Mitte) scheitert an Bayerns Torwart Manuel Neuer. Foto: sport/Hübner

Köln. Üblicherweise sind Niederlagen in der Fußball-Bundesliga Arbeitsaufträge an das Trainerteam, und Spieler geloben in der Regel öffentlich, zukünftig konzentriert zu arbeiten; wobei man sich im Stillen fragt, wie sie ihre Arbeit denn wohl ansonsten angehen. Aber dass ein 0:1 auch ein Fingerzeig für die Zukunft ist und ein Beweis, auf dem richtigen Weg schon weit zu sein, findet man nicht allzu häufig.

So zog Kölns Trainer Peter Stöger nach dem Auftritt seiner Spieler gegen den großen FC Bayern ein so zufriedenes Fazit wie nur möglich, wenn man im Ergebnissport Fußball nichts Zählbares geholt hat. „Die Spieler sehen, dass sie es sich zutrauen können, außergewöhnliche Spiele gegen große Mannschaften abzuliefern. Das haben wir drauf“, verkündete der 49-Jährige selbstbewusst, jetzt müssen „wir dieses Selbstbewusstsein in die Köpfe der Spieler kriegen“.

Dabei starteten die Kölner vor 49.600 Zuschauern mit noch mehr als dem „gehörigen Respekt, den sich die Bayern in den letzten Jahren erarbeitet haben“ (Stöger): Viererkette vor der Fünferkette, viel zu nah am eigenen Strafraum. Und während auf den Rängen noch eifrig diskutiert wurde, wie lange das Angriffsrudel des Meisters brauchen würde, um zum Torerfolg zu kommen, zappelte der Ball nach zehn Minuten schon in den Maschen. Nach einer Chance, die fast keine war, vollstreckt mit einer Selbstverständlichkeit, die außer Robert Lewandowski nicht viele Bundesligaprofis aufbringen. „Der Ball springt von meinem Standfuß ab“, sah der unfreiwillige Vorlagengeber Dominique Heintz die Szene, „und Lewandowski schießt volley, hart und platziert“.

Dann verschoben die Hausherren Mitte der ersten Halbzeit das Abwehrbollwerk zehn Meter weiter Richtung Mittellinie – und es entwickelte sich ein Schlagabtausch auf Augenhöhe gegen einen Gegner, der 120 Minuten Champions League in den Knochen hatte und auf die Dienste von Thomas Müller und zunächst auch auf Franck Ribéry, Philipp Lahm und Arturo Vidal verzichtete. „Meine Vorderleute haben dann nichts mehr zugelassen“, stellte ein beschäftigungsloser FC-Keeper Timo Horn fest.

„Robust und abgebrüht“

In den zweiten Durchgang startete der FC mit noch mehr Risiko, stellte auf 4-4-2 um und erhöhte den Druck auf die Bayern. „Da war klar, dass wir auch Eins-gegen-eins-Situationen annehmen müssen, mit dem Wissen, dass jeder Ballverlust ein Tor sein kann“, analysierte Stöger. Dass es nicht so kam, lässt sich mühelos an FC-Verteidiger Frederik Sörensen aufzeigen, der souverän seine Zweikämpfe für sich entschied und in Strafraumnähe selbstbewusst das Spiel eröffnete. „Freddy ist ein Fixpunkt“, lobte der FC- Trainer, der Däne besitze „großes Potenzial“ und sei „robust und abgebrüht“.

So häuften sich die Kölner Chancen, während die Bayern auf Konter lauerten. Doch Manuel Neuer parierte gegen Leo Bittencourt nach Vorlage von Anthony Modeste (50.), der selbst erst verzog (69.) und sich fünf Minuten später in einem kernigen Aufeinandertreffen mit dem Bayern-Keeper durchsetzte und David Alaba anschoss (74.). Bittencourt vergab aus spitzem Winkel (77.), und Bayern-Trainer Pep Guardiola musste doch noch Ribéry, Lahm und Vidal bringen, was allein schon eine Botschaft ist, die durch den Anblick des heraushängenden Hemdzipfels aus dem ansonsten tadellos sitzenden Maßanzug des Spaniers noch verstärkt wurde.

Der FC hatte Blut geleckt, und da Horn gegen Lewandowski eindrucksvoll rettete (86.) und Kingsley Coman in der Nachspielzeit nach Doppelpass mit dem polnischen Stürmer am Winkel vorbeischoss, gehörte direkt im Gegenzug die letzte Aktion des Spiels wieder dem FC: Risse bediente Bittencourt, der aus kurzer Distanz nicht mehr den Fuß an den Ball bekam, Neuer warf seinen Körper rein – und Schiedsrichter Tobias Welz pfiff umgehend ab.

Die Südtribüne feierte, und Heintz brachte die Partie selbstbewusst auf einen spitzen Punkt: „Man kann nicht sagen, dass wir die bessere Mannschaft waren, aber wir hatten die klareren Chancen.“ Und sein Trainer nahm die Gewissheit mit, dass seine Spieler trotz der Niederlage ein höheres Level erreicht hatten.

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