Der 1. FC Köln genießt weiter seine gute Laune

Von: Lukas Weinberger
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Kollision mit Folgen: Kölns Anthony Modeste hat Kontakt mit Keeper Benaglio und erhält einen Strafstoß. Foto: dpa
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Intensiv beobachtet wurde das Spiel von Heimkehrer Wolfgang Overath. Foto: dpa

Köln. Es hatte nicht viele echte Höhepunkte während dieses Fußballspiels zwischen dem 1. FC Köln und dem VfL Wolfsburg gegeben, im Grunde waren es nur zwei in mehr als 90 eher langweiligen Minuten, und diese fanden auch noch innerhalb weniger Sekunden statt.

Erst pfiff Schiedsrichter Patrick Ittrich einen umstrittenen Elfmeter für den FC, den Kölns Torjäger Anthony Modeste verwandelte, es war der Siegtreffer. Diese beiden entscheidenden Szenen wären das Einzige gewesen, was von diesem Bundesligaduell in Erinnerung geblieben wäre, wenn es nicht nach dem Abpfiff noch einen weiteren Höhepunkt gegeben hätte, in den Katakomben des RheinEnergie-Stadions, bei der Pressekonferenz.

„Herr Stöger, haben Sie eigentlich eine Europapokalprämie ausgehandelt?“, fragte ein Journalist. Kölns Trainer überlegte ein bisschen, reckte den Kopf, schaute umher, und als er am anderen Ende des Raumes Jörg Schmadtke erblickte, rief Stöger: „Hab‘ ich eine, Schmaddi?“ Der Geschäftsführer des FC grinste, Schmadtke antwortete: „Ja, hast Du.“ Also wandte sich Stöger wieder dem Journalisten zu, er sagte: „Hab‘ ich.“ Dann lachte Kölns Trainer sein typisches Stöger-Lachen, laut, den Mund weit geöffnet, und mit ihm lachten alle anderen im Raum.

Es ist eine Szene, die ganz gut zeigt, wie sie beim 1. FC Köln mit dem Erfolg umgehen; damit, dass der Klub weiterhin vom Einzug in den Europapokal träumen darf, dass er nur zwei Punkte hinter einem Champions-League-Platz liegt. Stöger sagte: „Wir haben eine einmalige Chance.“ Natürlich sind sie stolz darauf, der Trainer, seine Spieler und auch die anderen Verantwortlichen, und natürlich wollen sie auch am Ende der Saison dort oben in der Tabelle stehen, das geben sie nun offen zu. Und die Fans singen ja schon seit Wochen vom Europapokal. Beim FC bleiben sie dennoch gelassen, Verbissenheit gibt es nicht. Warum auch? Mit Leichtigkeit fahren sie ja ganz gut.

Diese Lockerheit hatte auch ihren Anteil daran, dass Köln dieses enge Spiel gegen durchaus gute Wolfsburger überhaupt gewinnen konnte. Nach 75 Minuten schienen sich beide Mannschaften mit einem torlosen Remis abgefunden zu haben; vorher hatten nur Konstantin Rausch mit einem Eckball an die Latte (47. Minute) und Modeste mit einem Drehschuss (54.) auf Kölner Seite sowie Maximilian Arnold mit einem Volley, den FC-Torwart Thomas Kessler stark abwehrte (71.), auf der anderen Seite für Gefahr gesorgt.

Dass Köln doch noch zum ersten Heimsieg seit Ende Oktober kam, hatte viel mit Modestes Cleverness und ein bisschen mit den Unparteiischen zu tun. Dass Diego Benaglio den Stürmer im Strafraum leicht am Fuß berührt hatte, nachdem der Franzose einen abgefälschten Schuss zuerst erreicht hatte, war unzweifelhaft; dass Modeste zuvor hauchdünn im Abseits gestanden hatte aber auch. „Eine klare Fehlentscheidung“, befand Valerién Ismael, Trainer der Wolfsburger; „es ist nicht so, dass so ein Elfmeter noch nie gepfiffen wurde“, sagte Stöger. Einig waren sich beide aber darin, dass du so ein Spiel nur gewinnst, „wenn es rundläuft, wenn du gut drauf bist“. Das ist der FC nun einmal. Und vor allem Modeste, der jetzt schon genauso oft getroffen hat wie in der Vorsaison, 15 Mal nämlich.

Dieses knappe 1:0 war ein Sieg, wie ihn vor allem große Mannschaften einfahren, auch an den Tagen, an denen nicht alles perfekt läuft. „In der Kabine war heute viel mehr Freude und Ausgelassenheit als nach dem 6:1 am vergangenen Wochenende“, berichtete Stöger – weil Wolfsburg wesentlich besser spielte als zuletzt, weil Köln mit viel Aufwand dagegenhielt, weil die sattelfeste Defensive um den überragenden Frederik Sörensen die mangelnde Kreativität im Mittelfeld wettmachte. „Alles in allem war das eine außergewöhnliche Leistung von uns“, befand Stöger. Und auch Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt sagte: „Es war kein leichtes Spiel gegen keinen leichten Gegner, und darum ist es noch schöner, dass wir am Ende noch gewonnen haben.“

Risse schießt „Tor des Jahres“

Und wer ganz genau hingesehen hatte, der konnte am Rande dieses Spiels noch zwei weitere Höhepunkte entdecken, einen an der Seitenlinie, einen auf der Tribüne: Marcel Risse wurde für seinen Freistoßtreffer gegen Borussia Mönchengladbach mit der Plakette für das „Tor des Jahres“ ausgezeichnet, und auf der Tribüne klatschte Ex-Präsident Wolfgang Overath, der erstmals seit 2011 wieder ein Spiel seines FC besucht hatte. Es war ein guter Tag für seinen Klub.

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