Anthony Modeste und die Angst vor dem Personenkult

Von: Lukas Weinberger
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„Everybody was Kung-Fu Fighting“: Kölns kongeniales Sturmduo Anthony Modeste (l.) und Yuya Osako feiern das 1:0. Foto: imago/Chai v.d. Laage

Köln. Es war nach diesem sehenswerten und verdienten 4:2-Sieg des 1. FC Köln gegen Hertha BSC schon eine Menge über Anthony Modeste gesprochen worden, das kam auch nicht überraschend, der Torjäger war mit drei Toren ja der Mann dieses Spiels gewesen, wieder mal.

„Weltklasse“, hatte Kölns Torwart Timo Horn geurteilt, Manager Jörg Schmadtke befunden, ein Stürmer könne das „nicht besser machen“; und sogar Pal Dardai, Berlins Trainer, war bei der Pressekonferenz ins Schwärmen geraten, Modeste, 28, sei „eine andere Dimension“. Nun musste sich also nur noch Peter Stöger in die Lobhudelei einreihen, und ein Journalist lieferte Kölns Trainer eine hübsche Vorlage: Ob Stöger schon einmal mit so einem großartigen Stürmer zusammengearbeitet habe, wollte er wissen. Der Trainer antwortete schnell: „Ja.“ Und dann war erst mal Stille.

Als die erste Verwunderung vorbei war, hakte der Reporter nach, er wollte natürlich wissen, wer dieser Angreifer sei. Wieder musste Stöger nicht lange überlegen: „Philipp Hosiner“, sagte er. Was das allgemeine Stirnrunzeln schlagartig wieder aufkommen ließ. Hosiner habe unter Stöger bei Austria Wien in Österreich über 30 Mal getroffen, erläuterte Stöger, „und da sind die Tore genau so groß“.

Hosiner, 27, hat vergangene Saison auch für den FC gespielt, er hat sich nicht durchsetzen können, nur ein Tor geschossen; nun läuft er für Union Berlin in der Zweiten Liga auf. Ein Vergleich mit Modeste wirkt tatsächlich ein bisschen bizarr, vor allem nach einem Spiel, in dem der Franzose seine Saisontreffer 20, 21 und 22 geschossen hat, aber Stögers Botschaft war dennoch klar. Der Trainer hält nichts von ausschweifendem Personenkult, der ja früher gerade in Köln gerne praktiziert wurde; der Trainer mag es nicht, jemanden ständig aus dem Kollektiv herausheben soll. Modeste sei „ein Spieler wie jeder andere“, der seine Aufgabe erfülle, erläuterte Stöger also; einer, „der sehr von dieser Gruppe profitiert“. Immerhin fügte er noch schnell hinzu: „Tony gibt natürlich auch viel zurück.“

Modeste trifft so oft wie kein anderer Stürmer des FC in der jüngeren Vergangenheit, am Samstag hat er Toni Polster überholt, der vor 20 Jahren immerhin 21 Mal getroffen hatte. Mehr als 22 Tore gelangen für die Kölner zuletzt Klaus Allofs mit 26 Treffern in der Saison 1984/1985. Matthias Lehmann betonte sogar, er schätze Modestes Leistungen höher ein als die eines Pierre-Emerick Aubameyang oder eines Robert Lewandowski. „Tony muss sich das alles erst erarbeiten“, sagte der Kapitän, „die anderen beiden bekommen ihre Tore auf dem Silbertablett serviert“.

Es ist schon ein bisschen verwunderlich, dass Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps immer noch der Meinung ist, er bräuchte Modeste in der Équipe tricolore nicht; Deschamps hat ihn wieder nicht nominiert. Nicht verwunderlich wäre es, wenn im Sommer Interessenten bei Schmadtke anrufen und eine stattliche Ablöse für Modeste bieten – ob von neureichen Vereinen aus China oder wohlhabenden europäischen Großklubs.

Ein Dank an die Kollegen

Der Franzose selbst gab sich ganz bescheiden, er hatte den Spielball als Erinnerung an seine großartige Leistung und seine drei Tore eingesackt; aber zu hoch wollte er das alles nicht hängen, Modeste ist keiner der viele Worte macht. Er gratuliere der gesamten Mannschaft, sagte er, sie sei wichtig, „denn ohne sie hätte ich keine 22 Tore“. Was natürlich stimmt. Als Dank hat Modeste von Physiotherapeut Klaus Maierstein eingefordert, nicht nur ihn, sondern das gesamte Team zum Essen einzuladen. Der Stürmer hatte vor der Saison mit Maierstein gewettet, er werde mehr als 20 Tore machen.

Wie gut die Kölner Mannschaft funktioniert, war gegen Berlin nach zuvor fünf Spielen ohne Sieg wieder zu sehen; vor allem das Zusammenspiel zwischen Modeste und dem ebenfalls starken Yuya Osako lief wieder großartig. Die beiden Angreifer verstehen sich prächtig, was auch beim gemeinsamen Kung-Fu-Jubel nach Osakos Führungstreffer zu sehen war (6. Minute); für Modestes ersten Treffer an diesem Nachmittag lieferte der Japaner die direkte Vorarbeit (35.).

Dass der FC dieses Spiel am Ende gegen eine in der zweiten Halbzeit durchaus ordentliche Hertha gewann, lag natürlich an den beiden weiteren Treffern des Franzosen (38./63.), aber auch an Horns großartigen Paraden gegen Vedad Ibisevic (31./82.) und John Anthony Brooks (89.). Und so konnte Stöger am Ende sein eigenes Fazit ziehen: „Ich bin sehr, sehr zufrieden, das war eine tolle Mannschaftsleistung.“

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