Favre drei Jahre in Gladbach: „Das ist nicht irgendein Club”

Von: dpa
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Drei Jahre Trainer bei der Borussia: Lucien Favre feierte im Februar ein kleines Jubiläum. Foto: dpa

Mönchengladbach. Nach der Hinrunde gab es viel Lob für den Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und Trainer Lucien Favre, der im Februar drei Jahre im Amt ist. Der Rückrundenauftakt gegen Bayern ging allerdings verloren. Favre versucht, die hohe Erwartungshaltung zu relativieren. So schnell könne man gar nicht wachsen, sagte der Coach im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Ist es nach der Bayern-Niederlage wenigstens ein Trost, dass die unmittelbaren Konkurrenten auch nicht gewonnen haben?

Favre: Nein, darüber habe ich nicht nachgedacht. Meine Analyse galt dem Spiel, wir müssen auf uns schauen. Es war durchaus etwas möglich. Wir hatten unsere Torchancen, haben aber bei den Gegentoren auch unnötige Fehler gemacht. Die Bayern waren vor allem am Anfang spielerisch besser. Aber ohne Robben und Ribéry wäre es möglich gewesen, einen Punkt zu holen. Doch wir haben nicht unsere beste Leistung gezeigt.

Gibt es denn in der Liga eine Mannschaft, die da auf Dauer herankommen kann?

Favre: Ja, das wird kommen. Man muss alles richtig machen und gut investieren. Zwei oder drei Jahre wird es dauern, bis eine andere Mannschaft da herankommt, denn die Bayern werden lange oben stehen. Aber ich spreche dabei nicht über Borussia Mönchengladbach. Wir sind im Moment nicht in dieser Kategorie.

Sie sind im Februar drei Jahre im Amt. Das ist weitaus länger als die durchschnittliche Verweildauer eines Trainers bei einem Club. Dafür ging es relativ schnell, dass Sie eine mausetote Mannschaft nach oben geführt haben. Überrascht Sie dieses Tempo manchmal selbst?

Favre: Das überrascht mich nicht. Ich mache meinen Job und muss mich an den Spielern orientieren, die zur Verfügung stehen. Daraus versuche ich, das Beste zu machen. Wir dürfen aber nicht übertreiben, so schnell kann man gar nicht wachsen. Wir müssen sehen, wo der Club 2009 und 2011 stand. In der Etat-Tabelle sind wir an neunter oder zehnter Stelle. Auch wir waren an de Bruyne interessiert. Aber da haben wir keine Chance.

Was macht den Standort Mönchengladbach so attraktiv?

Favre: Borussia ist eine sehr, sehr gute Adresse. Das ist ein Club, der sich verbessern will und Fortschritte machen möchte. Der Verein ist gut strukturiert und organisiert, hat keine Schulden. Das ist ein Top-Verein. Die Tradition ist gewaltig, das ist nicht irgendein Club.

Sie gelten als Trainer - das sagen ihre Profis immer - der Spieler besser macht. Ist das ein Stück des Erfolgsgeheimnisses?

Favre: Ich denke, das ist mein Job. Das ist ganz normal für mich. Wenn ich einen Spieler sehe, der etwas falsch macht, muss ich ihm einen Vorschlag machen: eine Bewegung oder wie er besser verteidigen kann oder wie er technische Defizite behebt. Aber ich versuche, die Spieler davon zu überzeugen und sage nicht, du musst, du musst. Die Spieler brauchen Vertrauen, müssen spüren, dass man vielleicht eine gute Idee hat. Details sind wichtig. Wenn wir jeden Spieler besser machen, haben wir am Ende auch eine bessere Mannschaft.

Die intensive Trainingsarbeit ist die Grundlage. Spielt man international, fehlen viele Einheiten. Ist das ein Problem?

Favre: Wir haben das im vergangenen Jahr gut geschafft. Am Anfang hatten wir Probleme, so bis Oktober. Aber dann haben wir die Kurve gekriegt. Wir haben anders trainiert. Das war kein Problem für uns. Wir waren auch nach 48 Stunden fit für das nächste Spiel. Auch in Berlin mit Hertha war das keine Belastung.

Nach der tollen Hinrunde stehen nun aber auch drei Spiele ohne Sieg. Die Tendenz kann schnell kippen, oder?

Favre: Es kann passieren. Aber wir sind zu Beginn der Saison mit zwei Niederlagen aus den ersten drei Spielen gestartet. Das war schwierig. Natürlich kann man in eine solche Situation geraten. Das ist klar und gehört dazu. Wir wissen, dass die Rückrunde sehr schwer wird.

Ihre Spieler sind derzeit sehr begehrt. Gegen Bayern war ManU-Trainer David Moyes im Stadion. Müssen Sie mit weiteren Verlusten rechnen?

Favre: Es gibt bislang einen Spieler, der gehen will, das ist Marc-Andre ter Stegen. Sonst habe ich keine Sorge.

Sie haben ter Stegen zum Bundesliga-Torwart gemacht. Hat er Sie vor seiner Entscheidung um Rat gefragt?

Favre: Ja, wir haben darüber gesprochen. Aber ich kann ihm ja nicht ernsthaft vorwerfen, dass er sich Gedanken macht, wenn ein Club wie Barca kommt. Wir wissen, dass er im Sommer geht. Das ist ein großer Verlust, aber bis Mai ist er da und fertig.

Ist ein Torwart leichter zu ersetzen?

Favre: Es ist anders. In diesem Fall können wir die Situation mit ter Stegen vielleicht mit der von Reus vor zwei Jahren vergleichen. Es wird schwer. Sogar Pep Guardiola hat gesagt, ter Stegen ist einer der besten Torhüter. Mehr will ich dazu nicht sagen.

Zwölf-Millionen-Einkauf de Jong wechselt auf Leihbasis zu Newcastle United. Warum hat es mit ihm nicht geklappt?

Favre: So kann man das nicht sagen. Wir spielen im Moment mit Kruse und Raffael. Das ist schwer zu ändern. Aber de Jong muss spielen. Wir müssen an uns denken, aber auch an ihn. Er kann bei einem anderen Verein vielleicht spielen und seine Qualitäten zeigen. Er hat Qualität und ist auch als Mensch top. Wir hoffen, dass er spielt. Ich würde mich freuen, wenn er Erfolg hat.

Gladbach möchte Ihren bis 2015 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern. Wie ist der Stand?

Favre: Es gefällt mir, hier zu arbeiten. Aber ich bin sehr konzentriert auf meinen Job, die Rückrunde wird ein Sprint. In drei Monaten ist alles vorbei. Wir müssen uns optimal konzentrieren und haben keine Zeit zu verlieren. Ich habe momentan keinen anderen Gedanken.

Sie haben jüngst erzählt, dass es Sie reizen würde, später mal mit jungen Fußballern zu arbeiten? In welcher Altersklasse sehen wir Sie dann als Trainer?

Favre: Das ist etwas, was vielleicht in 15 Jahren mal kommen könnte. Es gibt viel zu tun in der Ausbildung. Da muss man sehr früh anfangen, mit Jugendlichen von zehn, elf oder zwölf Jahren. Das wäre eine interessante Aufgabe bei einem Club. Aber momentan ist das kein Thema.

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