Yana Goddard: „Komme nicht weg von Pferden”

Von: Stephan Mohne und Thorsten Karbach
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Immer für die Pferde da: Yana Goddard ist die Stallmeisterin des CHIO. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Diese Frau kann sehen, auch fühlen, wenn sich ein Pferd nicht wohl fühlt. Und sie weiß, was Pfleger, Reiter und Veranstalter wollen - gerade deswegen ist Yana Goddard die Stallmeisterin des weltgrößten Reitturniers. Diese Aufgabe ist nicht etwa ihr Beruf, sondern ihr Hobby.

Wie wird man Stallmeisterin?

Goddard: Ich war früher Pferdepflegerin. Man hat mich dann gefragt, ob ich diesen Job machen würde, weil ich weiß, wie es hinter den Kulissen abläuft. Als Waliserin spreche ich natürlich Englisch, aber auch Deutsch und ein bisschen Französisch. Sprache ist hier sehr wichtig, deswegen ist das eine gute Voraussetzung gewesen.

Wann sind denn eigentlich die Pferde in Ihr Leben getreten - und wie sind sie Pferdepflegerin geworden?

Goddard: Die Verbindung zu Pferden geht in unserer Familie weit zurück, bis zu meinem Urgroßvater. Mein Vater war ein Springreiter. Ich selbst bin 1973 als Tierpflegerin nach Frankreich gegangen. Später bin ich nach Deutschland gekommen. Schließlich bin ich bei Willibert Mehlkopf gelandet und bin dort fünf Jahre geblieben, weil ich etwas zur Ruhe kommen und sesshafter werden wollte. Dann bin ich angerufen worden, ob ich Stallmeisterin beim CHIO werden wollte. Das war 1991.

Warum sind Sie nicht wie Ihr Vater Reiterin geworden?

Goddard: Ich bin geritten. Aber letztlich muss man dafür Zeit und vor allem das Geld haben.

Aber hobbymäßig steigen Sie noch ab und zu aufs Pferd?

Goddard: Ja, natürlich. Man kommt nicht weg von den Pferden.

Sind Sie hier schon einmal ins Stadion eingeritten? Wissen Sie, wie sich das anfühlt?

Goddard: Nein, das nicht. Aber ich habe natürlich die Pferde, die ich betreut habe oft ins Stadion reiten sehen und unzählige Male am Abreiteplatz gestanden. Schon früher war das wie eine Familie für mich. Von damals sind nicht mehr viele da, ich bin eine der wenigen, die noch geblieben sind.

Ist es denn für Sie eine Art unerfüllter Traum, einmal ins ausverkaufte Springstadion einzureiten?

Goddard: Och, ich weiß nicht. Für mich war es immer schon das Größte, wenn âmeineÔ Pferde eingeritten sind, platziert und vor allem gesund zurückkamen. Das fand ich immer besonders wichtig.

Wieviel Personal haben Sie in Ihrem Bereich?

Goddard: Wir sind sieben.

Und was gehört alles zu ihren Aufgaben?

Goddard: Wenn die Pferdetransporter ankommen, dann kommen sie zu uns. Zuerst gibt es ein großes ,Hallo und viele freuen sich, dass ich immer noch dabei bin (lacht). Es werden dann die Boxen zugeteilt, Details besprochen und die Lastwagen schön eng an eng geparkt.

Sie kennen die Bedürfnisse der Reiter, der Pfleger, der Pferde - und Sie kennen die Maßgaben des Veranstalters. Passt das immer alles zusammen?

Goddard: Doch, das passt schon. Man muss das auch immer ein bisschen menschlich sehen. Ohne Pferde gibt es eben kein CHIO. Alles wird abgeklärt wie in einer Familie. Das klappt normalerweise sehr gut.

Gibt es manchmal auch Kritik?

Goddard: Ach, Kritik würde ich nicht sagen. Es kommt schon Mal vor, dass jemand ein Pferd zuviel mitgebracht hat oder das bei der Planung versehentlich ein Hengst in einer Box neben einer Stute platziert wurde. Aber das regeln die Betreuer meist schon unter sich.

Aber Schnarchen ist bei Pferden kein Problem, oder?

Goddard: (lacht) Nein, das ist kein Problem. Ein wunderschönes Bild finde ich persönlich immer, wenn die Pferde ausgestreckt in ihrer Box liegen, es sich gemütlich machen und tief schlafen. Das bedeutet, dass sie sich wohlfühlen.

Wie lang ist Ihr Arbeitstag hier beim Turnier?

Goddard: Wir sind 24 Stunden rund um die Uhr im Einsatz. Wir teilen uns das untereinander auf.

Wir bekommen mit, dass im Stallbereich alles viel sicherer und unzugänglicher geworden ist. Was hat sich seit 1991 aus Ihrer Sicht verändert?

Goddard: Es hat sich viel geändert. Aktuell haben die Ställe 7 und 9 neue Boxen bekommen - wir haben sehr schöne Stallungen. Die Security ist in den vergangenen Jahren strenger geworden, seit mehreren Jahren sind auch die Stewards dabei. Unseren Pflegertreff, wo wir uns wie eine Familie getroffen haben, gibt es leider nicht mehr.

Im vergangenen Jahr gab es die große Dopingdebatte. Hat sich dadurch etwas verändert - und haben Sie viel davon im Stallbereich mitbekommen?

Goddard: Von der Dopinggeschichte haben wir nicht soviel mitbekommen, dafür sind ja die Stewards voll im Einsatz.

Sie sagen, dass man Tiere immer gut behandeln muss, dass das Tier immer im Vordergrund stehen muss. Ärgert es Sie persönlich denn, wenn man Pferden zum Beispiel schmerzstillende Mittel gibt, damit sie noch durch den Parcours kommen?

Goddard: Ich sage es mal so: Man hört viel und man liest viel. Aber wenn man selbst nicht dabei ist, muss man immer vorsichtig sein, was denn an diesen Geschichten überhaupt wahr ist.

Wie lang ist Ihre „Turnierwoche” insgesamt tatsächlich?

Goddard: Es ist tatsächlich eine Woche. Normalerweise fange ich sonntags an und höre auch sonntags wieder auf. Ansonsten habe ich ja meinen Beruf - das hier ist mein Hobby. Für diese Zeit nehme ich Urlaub.

Hat Ihr Beruf auch mit Pferden zu tun?

Goddard: Nein, ich arbeite als Maschinenführerin in der Schokoladenproduktion.

Auf anderen großen Turnieren sind Sie also nicht unterwegs?

Goddard: Nein. Aber es hat schon Anfragen gegeben, ob ich das auch anderswo machen würde. Irgendwie bin ich wohl für viele hier wie so eine Art Mutter.

Schaffen Sie es, ab und zu ein Springen oder eine Dressur zu sehen?

Goddard: Ja, da bin ich gut versorgt. Ich habe im Büro einen Bildschirm, wo ich die Wettbewerbe verfolgen kann. Im Stadion selbst bin ich eher selten, denn wenn mich jemand braucht, muss ich hier im Stallbereich sein.

Haben Sie einen persönlichen Favoriten, einen Lieblingsreiter oder ein Lieblingspferd?

Goddard: Ich gönne jedem, dass er gewinnt nach dem Motto „Möge der Beste gewinnen”.
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