Ulla Salzgeber: „Ich habe in sein Gesicht gesehen”

Von: Helga Raue
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Mit Herzruf´s Erbe gelang nach Jahren die Rückkehr an die nationale Spitze: Ulla Salzgeber. Foto: Frieler

Aachen. Aachen ist sozusagen ihr Schicksal. Vor sieben Jahren saß Ulla Salzgeber nach ihrem Ritt noch im Dressurstadion auf der Bühne und sah ein dreijähriges Nachwuchspferd, das im Rahmen der CHIO-Sales zum Verkauf angeboten und vorgestellt wurde. „Ich habe nur sein Gesicht gesehen und gedacht, dass ist ein Pferd für dich”, erinnert sich die Dressurreiterin, die mit Kennerblick gleich auch die hervorragenden Grundgangarten des Youngsters gesehen hatte.

„Aber wenn ich morgens in den Stall komme, dann muss ich dem Pferd jeden Tag ins Gesicht sehen”, begründet Ulla Salzgeber schmunzelnd die etwas ungewöhnliche Reihenfolge der Auswahlkriterien.

Spitzenpferd der Kollektion

Der Fuchswallach von Herzruf galt als Spitzenpferd der Kollektion. Viele Interessenten hatten ihn während des Aachener Turniers probiert, und der Dreijährige begann unter dem Stress der CHIO-Tage plötzlich Spanischen Schritt - eine Schaulektion, die beispielsweise Andalusier zeigen - zu gehen.

„Ich habe mich mit einem Trainer beraten, mit den Züchtern besprochen. Und schließlich haben wir das Risiko zusammen übernommen”, erinnert sich Salzgeber. Zusammen übernommen bedeutete, der Kaufpreis wurde gemindert, aber eine Erfolgsprämie fällig, wenn der Fuchs, der seither Herzruf´s Erbe heißt, ohne Spanischen Schritt erfolgreich im Sport sein würde.

Eine ordentliche Nachzahlung hat Ulla Salzgeber längst leisten müssen, allerdings in dem Fall liebend gerne. Denn mit dem bewegungsstarken Youngster feierte die zweifache Team-Olympia-Siegerin von Sydney 2000 und Athen 2004, wo sie zudem mit Rusty Einzel-Bronze bzw. Silber gewann, vor zwei Wochen nach der DM in Balve mit zwei Bronze-Medaillen ein glanzvolles Comeback nach fünf Jahren Abstinenz von der großen Dressur-Bühne.

Mit Rusty, der heute 22-jährig sein Gnadenbrot zusammen mit Pony Motte auf einer Wiese in Ungarn verlebt, war die heute 50-Jährige hoch erfolgreich, sammelte neben den olympischen Medaillen unter anderem zweimal WM- und viermal EM-Gold mit dem Team und wurde Europameisterin 2001 und 2003.

Doch nach dem sportlichen Abschied des Wallachs und dem Kolik-Tod ihres Zweitpferdes Wall Street fiel sie sportlich gesehen in ein Loch. „Es hat nicht weh getan, mir hat in der Zeit nichts gefehlt. Denn ich bilde gerne junge Pferde aus. Und habe immer gesagt, ich komme zurück, wenn ich wieder ein Pferd für internationale Championate habe”, sagt Salzgeber fröhlich.

Da hatte sie „Herzi”, wie sie den Wallach liebevoll nennt, natürlich im Hinterkopf. „Ich habe ,Herzi´ ganz vorsichtig aufgebaut - Spanischen Schritt geht er nicht mehr.” Dafür schon im vergangenen Jahr neunjährig hoch erfolgreich in Grand Prix - zehn Siege standen zu Buche. Der Wallach hat eine tolle Veranlagung für Piaffe und Passage, nur die Einer-Wechsel macht er noch „gegen die Uhr”.

„Bei den Wechseln hatte Herzi von Beginn an einen Knoten im Kopf. Ich habe keine Erklärung dafür, warum er so hektisch wird. Aber es wird besser”, ist Salzgeber zuversichtlich. Bei der DM in Balve traf das Paar erstmals auf die versammelte nationale Elite. „Ich hoffte, unter den ersten Fünf zu landen, dass ich Dritte geworden bin, ist ein absoluter Traum”, so die Juristin, die aus Oberhausen stammt aber im bayerischen Bad Wörishofen beheimatet ist.

Fünf Jahre Abstinenz

Nach fünf Jahren CHIO-Abstinenz schließt sich der Kreis wieder: Ulla Salzgeber kehrt mit Herzruf´s Erbe nach Aachen zurück. Und das als Mitglied der deutschen Dressur-Equipe. „Erst einmal möchte ich mich für die Kür qualifizieren”, dämpft die Reiterin die Erwartungen an sie ein wenig. Doch jeder weiß, wenn Herzi in Aachen so auftritt wie in Balve, dann ist ihr auch das EM-Ticket sicher.
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