Totilas-Reiter Rath in London nicht dabei

Von: dpa
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Für Totilas-Reiter Matthias Rath ist der Traum vom Start bei den Olympischen Spielen in London geplatzt. Foto: dpa

Aachen. Der zehn Millionen Euro teure Traum vom Olympia-Gold ist endgültig geplatzt. Das teuerste Dressurpferd der Welt kann nicht bei den Olympischen Spielen starten, weil der Reiter Matthias Rath krank ist. „So traurig es ist.

Das entspricht den Tatsachen”, bestätigte am Donnerstag der Dressurausschuss-Vorsitzende Klaus Roeser beim CHIO in Aachen Raths Aus für den Jahreshöhepunkt in London. „Matthias hat einen Rückfall erlitten. Er ist weiter in ärztlicher Behandlung und darf keinen Sport treiben.”

Bis zuletzt hatte der Reiter gehofft. „Es war mein großer Traum, mit diesem einmaligen Pferd und dieser tollen jungen Mannschaft für Deutschland bei den Olympischen Spielen an den Start zu gehen”, sagte Rath in einer Pressemitteilung des Verbandes: „Es wäre aber für meine eigene Gesundheit und auch meinen Teamkollegen gegenüber unverantwortlich, wenn ich in diesem Gesundheitszustand nominiert würde.”

Der 27 Jahre Kronberger Rath leidet an Pfeifferschem Drüsenfieber und wurde am Donnerstag erneut untersucht. Das Ergebnis war niederschmetternd. Der für den (morgigen) Freitag angesetzte Fitnesstest, für den eine sechsköpfige Delegation zu Rath fahren wollte, wurde abgesagt.

„Die heutige Auswertung seiner Blutwerte lassen auch in absehbarer Zeit keine körperliche Belastung zu”, erklärte der deutsche Mannschaftsarzt Manfred Giensch: „Eine weitere Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und ein möglicher Start in London wären mit einem zu hohen gesundheitlichen Risiko verbunden.”

Damit ist für Rath, aber auch für Paul Schockemöhle der Traum von goldenen Medaillen in London geplatzt. Der Pferdehändler hatte vor zwei Jahren in einer spektakulären Aktion das schwarze Pferd für geschätzte zehn Millionen Euro in den Niederlanden gekauft. Zuvor hatte Totilas den Niederländer Edward Gal zu drei goldenen WM-Medaillen getragen. Dieses Niveau erreichte Rath mit dem Hengst, der als Wunderpferd bezeichnet wurde, höchstens in Ansätzen.

Vor der niederschmetternden Analyse der Ärzte musste der Totilas-Reiter noch verbale Prügel einstecken. Der Springreiter Ludger Beerbaum sprach dem Dressurreiter die Klasse für das teuerste Dressurpferd der Welt ab und übte zudem ungewohnt heftige Kritik am Wirbel um Totilas. „Ehrlich gesagt ist das komplette Effekthascherei”, sagte der 48-Jährige in einem Interview der Zeitung „Tagesspiegel” (Donnerstag). „Da sollte erst einmal sportliche Leistung kommen, danach kann man über Favoritenrollen sprechen. Aber die sportliche Leistung sehe ich im Moment nicht.”

Pferdebesitzer Paul Schockemöhle sagte: „Kein Kommentar, auf dieses Niveau begebe ich mich nicht.” Michael Mronz, der für die Vermarktung von Totilas zuständig ist, kommentierte: „Da wird sich Ludger wohl missverständlich ausgedrückt haben, er wollte Matthias wahrscheinlich gute Besserung wünschen.” Beerbaums Äußerungen waren indes völlig unmissverständlich. Er selber hätte bei einem solchen Pferd den „Ball flach gehalten und nicht mit PR-Nummern aufgewartet”, sagte Beerbaum: „Ich hätte gewartet, bis ich meine Piaffen und Passagen hinbekomme, dann hätte ich über das Drucken von Totilas-Shirts nachgedacht.”

Der Springreiter sprach dem 27-Jährigen aus Kronberg die Klasse ab, Totilas erfolgreich zu reiten. „Unter Edward Gal war das eine perfekte Symbiose aus Pferd und Reiter. Jetzt ist nur ein Teil des vermeintlichen Wunders in Deutschland”, sagte der viermalige Olympiasieger im Springreiten. Gal hatte mit dem Hengst dreimal WM-Gold gewonnen. Nach dem Wechsel des Hengstes vom Niederländer zu Rath hatte der deutsche Reiter bei der EM vor einem Jahr eine Einzelmedaille klar verpasst.

Beerbaum zweifelt, ob Rath die Fähigkeit hat, solche Erfolge wie Gal zu erreichen: „Wenn Totilas von den ganz großen Experten mit dem größten Talent und der größten Abgeklärtheit geritten wird, vielleicht. Isabell Werth oder Anky van Grunsven, die würden das vielleicht schaffen. Aber nur die.”

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