Scott Brash: „40 Top-Reiter – und alle können siegen“

Von: Helga Raue
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Scott Brash: Knackt er mit Hello Sanctos den Jackpot? Foto: sport/Rau

Aachen. Man stelle sich vor, das Telefon klingelt: Am anderen Ende meldet sich Lord Harris und kündigt an, seine Geldbörse öffnen und ein Spitzenpferd kaufen zu wollen. „Der Anruf 2011 war einer der wichtigsten Momente meines Lebens“, blickt Scott Brash zurück.

Lord und Lady Harris kauften für ihn gemeinsam mit Lord und Lady Kirkham Hello Sanctos – und mit dem jetzt 13-jährigen Wallach katapultierte sich das Top-Talent an die Spitze der internationalen Springreiterelite.

Scott Brash ist überall der Favorit – auch beim „Weltfest des Pferdesports“, wenn es am Sonntag um den Sieg im „Großen Preis“ geht. „Es sind 40 Top-Reiter am Start, und alle 40 können gewinnen“, relativiert der smarte Schotte und sieht die US-Amerikaner Kent Farrington und Beezie Maden als Mitfavoriten. „Und die starken deutschen Reiter, die in ihrer Heimat unbedingt gewinnen wollen.“ Dass er der Gejagte sein wird, belastet den 29-Jährigen nicht weiter. Achselzuckend sagt er: „Es stört mich nicht, ich mache so oder so einfach meinen Job.“ Und den macht er verdammt gut. Im Dezember in Genf hatte der Mannschafts-Olympiasieger und -Europameister den Rolex-Grand-Prix gewonnen, nun peilt Brash den Hattrick an, müsste dazu am Sonntag in Aachen und im September in Calgary gewinnen. Das hat noch kein Reiter vor ihm geschafft. Eine Million Euro könnte der Schotte zusätzlich einstreichen, doch trotz der pekuniären Verlockungen – im „Großen Preis von Aachen“ gibt es für den Sieger zudem 330.000 Euro – steht für Brash der Sport an erster Stelle. „Jeder Reiter träumt davon, in Aachen zu gewinnen. Hier vorne zu stehen, ist eine große Ehre. In dem Moment ist selbst das Geld zweitrangig. Bei meinem bisher drei Starts habe ich aber noch nie das Stechen erreicht.“

Auf Aachen hat er sich akribisch vorbereitet, denn „Hello Sanctos hat sich 2014 im großen Stadion nicht wohlgefühlt“, kann Brash sich selbst nicht so recht erklären, warum. „Vielleicht war es allein die Größe des Platzes, vielleicht der Boden.“ Zur Vorbereitung ritt er zwei Turniere auf Rasenplätzen, zuletzt in Hamburg. „Ich bin wesentlich besser vorbereitet als im vergangenen Jahr.“ Das Turnier ist für ihn quasi die EM-Generalprobe. „Wenn sich Hello Sanctos hier wieder nicht wohlfühlt, muss ich überlegen, ob ich ihn bei der EM überhaupt einsetze.“

Der Reitsport wurde Brash nicht in die Wiege gelegt. „Mein Vater, ein Bauunternehmer, hat sich aber überreden lassen, mir und meiner Schwester ein Pony zu kaufen.“ Sieben Jahre war der Schotte aus Peebles, südlich von Glasgow, damals jung. Mit zehn ritt er sein erstes Turnier, und mit „zwölf Jahren wusste ich, dass ich nichts anderes als reiten wollte“, sagt Brash und schiebt feixend hinterher, „meine Schwester hat Hirn, sie ist Direktorin in der Firma.“ Mit 19 Jahren besaß er bereits seinen eigenen Stall, ritt ein Jahr später auf internationalem Level und startete 2010 erstmals bei einem Championat, den Weltreiterspielen in Kentucky (Team-Platz 9, Einzel Rang 37).

2011 – nach besagtem Anruf – kam Hello Sanctos, der erste Schritte im Parcours u. a. unter Peter Wylde (USA) und Katharina Offel (Ukraine) gemacht hatte, in seinen Stall. Sieben Pferde reitet Brash inzwischen für seine adelige Besitzergemeinschaft, die ihren Vierbeinern das Präfix „Hello“ gibt, die weiteren Pferde, darunter auch Zuchtstuten, gehören dem Springreiter und seinem Vater. Um nicht immer zehn Stunden von Schottland alleine bis zur Fähre nach Dover auf dem Weg Richtung Festland zurücklegen zu müssen, ist der 29-Jährige vor zwei Monaten mit seinem Stall in die Nähe von Hickstead umgezogen. „Jetzt benötige ich nur noch eineinhalb Stunden“, sagt er grinsend.

Mit Hello Sanctos („ich hatte noch nie so ein fantastisches Pferd“) reiht Brash seither Erfolg an Erfolg: 2012 Team-Olympiasieger, 2013 Team-Europameister und Einzel-Dritter, 2014 u. a. Gesamtsieger der Global-Champions-Tour, 16 Monate am Stück Weltranglisten-Erster, einen „Titel“, den er sich schon Ende April nach nur einem Monat Unterbrechung durch Daniel Deußer zurückholte.

„Olympia – das war ein ganz besonderer Sieg, vor eigenem Publikum ins London“, gerät Brash ins Schwärmen. Seither darf er sich sogar „Member of the British Empire“ nennen, wurde von der Queen persönlich ausgezeichnet. „Das war absolut fantastisch, eine große Ehre“, strahlt der 29-Jährige, der im vergangenen Jahr in Großbritannien zum drittbegehrtesten Junggesellen ernannt wurde. Brash grinst breit ob dieser Ehre, die er wohl selbst ein wenig befeuert hatte. „Bei der Olympia-Feier habe ich gesagt, ich würde hoffen, dass ich künftig ein wenig begehrter bei den Frauen sei“, gibt er grinsend zu, – ein Scherz, denn eine Freundin hat der smarte Schotte längst.

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