Aachen - Pferdeäpfel im Wohnzimmer

Pferdeäpfel im Wohnzimmer

Von: Thorsten Karbach und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Sein zweites Wohnzimmer: Mit roter Kordel und guter Laune sorgt Uwe Kuckelmanns dafür, dass die Pferde auf dem Turnierplatz immer Vorfahrt haben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Uwe Kuckelmanns Wohnzimmer hat einen Kiesboden. Und mitten drauf liegt ein Pferdeapfel. Doch das gehört für Uwe Kuckelmann dazu, das muss sogar so sein, so ist es beim CHIO. 16 Tage im Jahr - mit Auf- und Abbau - fährt der Aachener Kuckelmann eben jeden Morgen aus seiner Wohnung in sein „Wohnzimmer Turniergelände”.

Als Teil des ALRV-Ordnungsdienstes steht er mit einer roten Kordel am sogenannten Rondell und sperrt die Wege für die Besucher, wenn Pferde nahen. Pferde haben beim CHIO immer Vorfahrt - dafür sorgen Kuckelmann und seine Kollegen. „Zumachen bitte”, ruft er denen zu. „Man muss dabei immer relaxt bleiben”, sagt er.

Die Soers wirkt klein dagegen

Kuckelmann ist einer von rund 300 Ordnern. Insgesamt zählt der Veranstalter rund 1100 Mitarbeiter - darunter 72 Richter und Offizielle, 42 Stewards, 47 Fahrer, 36 Mediziner, 140 Mitarbeiter des DRK, des Malteser Hilfsdienstes und der Johanniter, 70 Hostessen, und, und, und.

Addiert man die 300 Reiter mit ihren 300 Pflegern, die 500 Journalisten aus aller Welt, die Mitarbeiter der 190 Aussteller - mindestens drei pro Händler oder Gastronom -, kommt man auf rund 3000 Menschen, die das Reitturnier nicht als Besucher genießen, sondern einer Arbeit nachgehen.

Zum Vergleich: Im Stadtbezirk Soers wohnen gerade einmal 2380 Menschen, in Rothe Erde oder Oberforstbach kaum mehr als 2600, in Verlautenheide rund 3500.

Sigrid Niebach leistet das, was man saubere Arbeit nennt. Sie putzt Schuhe. Im Ladendorf sind 190 Aussteller in 200 Zelten versammelt. Eines hat Jochen Ocklenburg für seine Lederpflegekonzentrate angemietet. „Aachen ist eine sehr gute Werbung”, sagt er. Deswegen ist er hier, deswegen putzen Niebach, Carola Reiser, Sylvia Dürrmann und Sonja Schmitz Schuhe.

Lotte van den Broms Schuhe sind sauber. Darauf wird geachtet. Genauso wie auf das strahlende Weiß ihrer Bluse. Wer Lotte van den Brom sucht, der bekommt bei ihr ein Glas Sekt oder auch mal einen Mojito.

Und wer der 22-jährigen Niederländerin ein Glas vom Tablett nimmt, der ist wichtig - sie serviert den Ehrengästen im „Champions Circle”, dem zweistöckigen VIP-Zelt hinter der Reitertribüne.

Luxus-Caterer Do&Co ist mit 300 Mitarbeitern (50 Köche) vor Ort, 1200 Ehrengäste haben Platz. Über den Köpfen drehen sich die Ventilatoren, kämpfen erfolgreich gegen die Hitze.

Lotte van den Broms Platz ist rund um die Bar im Eingangsbereich. Pferde kann sie von hier nur auf den TV-Schirmen sehen, dabei ist sie früher selbst geritten und schon ein wenig neugierig. Nächste Woche serviert sie mit Do&Co bei der Formel 1. Dort sind mehr Pferdestärken unterwegs und es wird garantiert lauter.

Michael Brauchle kann sich das nicht vorstellen. „Es gibt nichts Besseres, als hier zu fahren”, sagt er. Der Mann braucht vier PS um seiner Arbeit nachzugehen, keine 700 wie die Formel-1-Stars. Brauchle ist Gespannfahrer, der Überraschungsmann des Vorjahres. „Es ist großartig hier”, sagt er.

Aber auch anstrengend - für die fast 3000 Turnierarbeiter ist der CHIO unabhängig von den Temperaturen mit Schweiß verbunden. In diesen 30-Grad-Tagen sind die schattigen Nischen zwischen den Zelten und hinter den Tribünen ihre Ruhezonen. Jessica, Martina und Marina haben sich hier zurückgezogen. Sie haben im Wortsinne heiße Jobs, arbeiten in einem der Imbisszelte. Auch sie hören die Pferde mehr, als dass sie sie sehen.

Uwe Kuckelmann zuckt mit den Achseln, wenn man ihn fragt, ob er nicht auch mal einen Wettbewerb sehen möchte. Von seinem Platz am Rondell kann der Ordner nur am Applaus der Menschen erahnen, ob ein Ritt erfolgreich oder eben nicht über die Hindernisse ging. „Aber bei mir sind die meisten Reiter fehlerfrei”, sagt er.
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