Aachen - Voltigieren: Ein Lob für das Nesthäkchen

Voltigieren: Ein Lob für das Nesthäkchen

Von: ust
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Aachen. Ursula Ramge ist eine freundliche Frau, die ihre Worte wohl überlegt. Meist sucht sie nach den positiven Seiten der Medaille, selten lässt sie öffentlich Kritik verlauten. Das war am Wochenende nach den Voltigierwettbewerben anders.

„Mit den Teams bin ich sehr zufrieden, auch die Männer waren gut, mit Luft nach oben. Allerdings waren mir unsere weiblichen Einzelvoltigierer viel zu zurückhaltend und zögerlich. Das kann man sich auf dem Niveau nicht erlauben.“ Die Kritik richtete sich an Kristina Boe, Regina Burgmayr und Sarah Kay, die auf die Plätze vier, sieben und neun kamen.

Nur das Nesthäkchen, die Kölnerin Corinna Knauf, 20, demonstrierte den größten Leistungsfortschritt und ihren unbändigen Willen. Da runzelte selbst die Bundestrainerin die Stirn. „Wenn man bedenkt, dass wir sie Anfang des Jahres überhaupt noch nicht auf der Rechnung hatten... Sie hat zum ersten Mal als Einzelstarterin in Aachen voltigiert.“

Knauf erhielt für ihre wunderschöne Kür zum Welthit von Whitney Houston, „I will always love you“, die Bestnote der deutschen Voltigiererinnen von 8,517 und wurde Fünfte. Im Nationenpreis, in dem sie mit Erik Oese und dem Team Neuss startete, erhielt Knauf sogar die Höchstnote aller Teilnehmer – und schlug damit unter anderem die unangefochtene Weltmeisterin Joanne Eccles aus Großbritannien. Nun darf sie die Koffer packen, mit ihrem überzeugenden Auftritt in Aachen hat sie sich das Ticket für die Europameisterschaft Ende Juli bei Wien gesichert.

Feuerwerke

Unter den weiblichen Starterinnen setzte sich erwartungsgemäß Eccles durch. „Joanne und auch der amtierende Weltmeister Nicolas Andreani aus Frankreich haben wieder wirklich starke Kürprogramme, das sind Feuerwerke von Schwierigkeiten. Beide sind aber in Pflicht und Technik zu schlagen“, analysierte Ramge.

Unverblümte Arbeitsaufträge für ihre Schützlinge, von denen zumindest die Frauen nach diesem Wochenende etwas gutzumachen haben. Über einen Aspekt ist die Bundestrainerin froh, der oft im Hintergrund steht. „Wir haben diesmal ein sehr gutes Niveau unserer Pferde, besser als in den Vorjahren.“ Das ist bedeutsam, da die Pferdenote Teil des Gesamtergebnisses jedes Starts ist. Ein im gleichmäßigen Takt galoppierendes Pferd ist wichtig, damit Pferd und Sportler eine Einheit bilden können.

Ein bisschen Verletzungspech klebte den deutschen Voltigierern an den Fersen. Pia Engelberty landete nach einem Sturz beim Pas de Deux mit Torben Jacobs ebenso im Krankenhaus wie Thomas Brüsewitz nach seinem Schraubensalto beim Absprung aus der Nationenpreis-Kür. Für Engelberty konnte schnell Entwarnung gegeben werden. „Wir werden sie trotzdem für die EM nominieren, der Sturz war einfach Pech.“ Ob sich ein solcher Sturz nicht nachhaltig bei der Voltigiererin im Kopf festsetzt? „Berechtigte Frage“, sagt die Bundestrainerin, „aber nicht bei Pia.“

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