Otto Becker: „Ob Männlein oder Weiblein ist mir egal”

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Traut keiner Statistik, sondern lieber seinen eigenen Erfahrungen und Urteilen: Otto Becker, Bundestrainer der deutschen Springreiter. Foto: imago/Simon

Aachen. Die Weltmeisterschaft in Kentucky steht (fast) vor der Tür. Doch der Preis der Nationen am Donnerstag in der Aachener Soers hat einen eigenen Stellenwert und wird von Otto Becker keineswegs als Experimentierwiese missbraucht. „Wir wollen unbedingt gewinnen”, sagt der Bundestrainer der deutschen Springreiter.

Mit dem 51-Jährigen, der Frankreich, die USA und Deutschland zu den Favoriten zählen, sprach Bernd Schneiders.

Nach dem Gesetz der Serie müssen Sie mit Ihrem Team den Nationenpreis gewinnen.

Becker: Warum?

Deutschland hat 2004 gewonnen, 2006, 2008 - also ist der nächste Erfolg dieses Jahr fällig!

Becker: Ich befasse mich nicht mit Statistiken, für mich zählt nur die Realität.

Und die sieht so aus, dass Sie partout ein Frau in der Equipe haben wollen?

Becker: Es ist mir völlig egal ob Männlein oder Weiblein: Die Leistung muss stimmen und die Akteure müssen sich ins Team einbringen.

Janne-Friederike Meyer startet statt Carsten-Otto Nagel. Warum

Becker: Ich weiß, was Carsten-Otto kann. Und es hat sich die Situation ergeben, dass er bereits für den Großen Preis am Sonntag vorqualifiziert ist. Da haben wir uns entschieden, Janne-Friederike Meyer Erfahrung sammeln zu lassen. Sie ist schon öfter für uns gesprungen, aber noch nicht in Aachen.

Haben Sie damit den Nagel auf den Kopf getroffen?

Becker: Nein, es ist alles abgesprochen. Es heißt absolut nicht, dass er nun die Nummer 5 ist.

Sie nominieren eine Reiterin aus dem B-Kader für die Equipe?

Becker: Das ist noch die alte Berechnung aus dem Winter. Nach Aachen wird es eine neue geben. Janne-Friederike hat zuletzt konstant gute Leistungen gebracht. Und es war abgesprochen, dass sie nicht am Weltcup teilnimmt, sondern sich ganz auf die grüne Saison konzentriert.

Es geht also vor allem darum, Erfahrungen sammeln?

Becker: Eins möchte ich klar stellen: Wir machen hier keine Experimente, wir probieren hier nichts aus. Wir wollen Erfolg. Wir wollen unbedingt den Nationenpreis gewinnen. Janne-Friederike ist eine Kämpferin, sie war letztes Jahr schon gut und hat jetzt den nächsten Schritt gemacht.

Wie sieht´s denn mit Meredith Michaels-Beerbaum aus?

Becker: Sie ist noch nicht im Rhythmus. Das ist ganz normal nach der Geburt. Zudem hatte sich Checkmate leicht verletzt. Deshalb ist abgesprochen: Sie soll erstmal ihre Form finden. Sie hat in Estoril gewonnen und startet in Aachen als Einzelreiterin.

Also hat Sie noch alle Chancen für die WM in Kentucky?

Becker: Die Tür ist nicht zu. Sie steht für alle noch offen. Es sind noch zwei Monate bis zur WM, da kann noch vieles passieren.

Auch, dass Sie zwei Frauen nominieren? Michaels-Beerbaum und Meyer?

Becker: Zwei Frauen? Vorstellen kann ich mir alles.

Wie sieht´s denn ansonsten mit dem Nachwuchs aus? Hat er eine Chance gegen die Etablierten um nicht zu sagen Oldies wie Beerbaum und Ehning?

Becker: Wir haben einige gute, junge Kandidaten. Sie alle aber müssen Leistung bringen. Und wer hätte letztes Jahr erwartet, dass Philipp Weishaupt knapp dran und Thomas Mühlbauer drin sein würden. Wir wissen, was wir an den Etablierten haben. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft.

Haben die Etablierten denn ein Mitspracherecht bei der Nominierung?

Becker: Natürlich beziehen wir sie mit ein. Ich wäre ja dumm, mir nicht die Meinung von Weltklasseleuten anzuhören. Entscheiden aber tun nur wir.

Wer zählt denn zu den Favoriten für den Nationenpreis?

Becker: Frankreich ist gut drauf, die Amerikaner sind gut drauf - und wir auch. Es wird sehr, sehr eng werden. Denn zum ersten Mal steigen in der Super-League von zehn Teams vier ab. Wir liegen im Mittelfeld, müssen aber hellwach bleiben. Und die Niederlande und die Schweiz stehen auf einem Abstiegsplatz. Die werden voll motiviert an den Start gehen.
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