Nach CHIO: Reiter zwischen Aufruhr und Anhörung

Von: Michael Rossmann, dpa
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Chio Aachen - Penelope Leprevost
Die französische Springreiterin Penelope Leprevost überspringt auf ihrem Pferd Jubilee dOuilly ein Hindernis. Foto: dpa

Aachen. Das furiose Finale des CHIO kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der deutsche Pferdesport ist noch immer in Aufruhr. Zur Doping-Diskussion von Aachen gehörte vor allem auch die Befragung von mehr als 70 Reitern und Funktionären, die bereits am kommenden Montag beginnt. Vor der unabhängigen Untersuchungskommission sollen sie über Doping, Medikation und Manipulation aussagen.

„Sie werden keinen austricksen”, sagte Verbandspräsident Breido Graf zu Rantzau, der sich als Erster stellen wird. Kurz danach ist Ludger Beerbaum an der Reihe, der mit seinem Geständnis die außergewöhnliche Anhörung und Auflösung der Kader ausgelöst hatte.

Ist es eine Aufklärungs- oder eher eine PR-Aktion? „Wir machen es in erster Linie für uns, um mit der Situation vorwärts zu kommen”, erklärte Generalsekretär Soenke Lauterbach: „Aber natürlich spielt auch die öffentliche Wahrnehmung ein Rolle. Die Öffentlichkeit, das sind ja auch unsere 1,8 Millionen Reiter.” Negative Stimmen gebe es immer, sagte Lauterbach: „Man kann alles schlecht reden.”

Beerbaum unterstützt die Aktion und sieht der Befragung „sehr gelassen” entgegen. Juristisch sind seine Aussagen, dass er bis vor kurzem beim Umgang mit Medikamenten ausgeschöpft habe, was möglich und nicht nachweisbar war, ohnehin kaum verwertbar. Außerdem hat der viermalige Olympiasieger nicht Doping gestanden, sondern über die medizinische Behandlung seiner Pferde gesprochen - ein entscheidender Unterschied im Reitsport.

Klar ist, dass die Kommission mit drei unanhängigen Mitgliedern keine Urteile fällen, sondern nur Empfehlungen aussprechen kann. „Wenn ein Reiter der Kommission glaubhaft versichert hat, dass er nichts zu verbergen hat, dann darf er wieder in den Kader”, erläuterte Generalsekretär Lauterbach. Andernfalls tritt die Gerichtsbarkeit des Verbandes in Aktion, die Disziplinarkommission.

Ob die erhoffte Aufklärung und Läuterung gelingen kann, ist fraglich. Genauso wie der Wunsch nach „klareren Regeln”, wie nicht nur Beerbaum sie sich erhofft. Zum einen kann sich der deutsche Verband auf Dauer kein anderes Regelwerk als der internationale leisten. Zum anderen ist ja weniger das Problem, dass die Vorschriften unklar sind, sondern dass sich zu viele Reiter nicht daran gehalten haben. Besonders der jüngste Fall der Dressurreiterin Isabell Werth lässt an Klarheit nicht zu wünschen übrig: Die gefundene Substanz ist nicht zugelassen und steht auf der Dopingliste. Viele Reiter sprechen von klareren Regeln, scheinen aber weniger strenge zu meinen.

Dass das Problem nicht nur ein deutsches ist, wurde auch beim Abschluss des CHIO mit dem Sieger Dennis Lynch deutlich. Der Ire gehörte zu jenen vier Reitern, bei deren Olympia-Pferden das verbotene Mittel Capsaicin gefunden wurde. Der 33-Jährige hat seine dreimonatige Sperre abgesessen und gewann mit Lantinus den Großen Preis, weil Marcus Ehning (Borken) mit Küchengirl am letzten Hindernis patzte. Vor einer Kommission aussagen muss Lynch nicht.
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