Mit neuer Lockerheit in die Dressurequipe

Von: Helga Raue
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Und im Mittelpunkt das Pferd: Anabel und Klaus Balkenhol Foto: Thomas Rubel

Aachen. Manchmal können auch unerfreuliche Erlebnisse das Leben positiv beeinflussen. Im Winter wurde Anabel Balkenhol in einer Operation ein Abzess aus dem Bauch entfernt. Da die Wunde nicht verheilte, wurde aus acht Wochen gleich sechs Monate Zwangspause. „Seither hat sich meine Einstellung verändert. Man macht sich wieder bewusst, dass es auch andere Dinge gibt, die wichtiger im Leben sind als die Reiterei”, sagt Anabel Balkenhol.

Damit einhergehend hat die 38-Jährige zu einer neuen Lockerheit gefunden, die vielleicht das letzte Quäntchen an Qualität ist, das ihren derzeitigen Erfolg möglich macht. Sie wurde mit Dablino erstmals in die deutsche Dressur-Equipe berufen - und das gleich beim CHIO Aachen.

„Damit hatte ich nicht gerechnet. Zwar war Dablino 2009 schon sehr erfolgreich, aber er ist noch nicht so gefestigt”, sagt Anabel Balkenhol. Vierjährig hatte Klaus Balkenhol, Olympiasieger 1992 und 1996, den De-Niro-Sohn gekauft. „Als Investition, um ihn weiterzuverkaufen”, sagt Anabel mit Seitenblick auf ihren Vater und Trainer.

Balkenhol hatte das ungeheure Potential des jungen Pferdes gleich gesehen. Aus dem Verkauf wurde nichts: „Ich habe gleich zwei Frauen zu Hause, die Pferde nur verkaufen, wenn das Umfeld und die Person passen.” Seine Tochter grinst: „Leicht zu überreden, war mein Vater nicht, aber ich bin zäh. Jeder Reiter träumt davon, einmal im Leben so ein Pferd zu haben.” Und der Familienrat beschloss, dass Dablino für „Belli” sein sollte.

Dablino begeistert mit tollen Grundgangarten und Eleganz, und „wenn ich ganz ruhig bleibe, dann macht er auch keine Fehler”, schwärmt seine Reiterin. Dabei hilft die neue Lockerheit, denn „früher war ich nervöser”. Dablino und Donnperignon unter Christoph Koschel sind die Hoffnungsträger im deutschen Team neben den etablierten Satchmo (Isabell Werth) und Sterntaler (Matthias-Alexander Rath). „Man muss die Gesamtsituation in Deutschland sehen, die sieht ja nicht so rosig aus”, legt Klaus Balkenhol den Finger in die Wunde. Die Vormachtstellung der deutschen Dressur ist gebrochen, derzeit sind die Niederländer - allen voran Edward Gal - favorisiert. Da ist der Aufbau neuer Paare wichtig.

„Viele Talente kommen nach”

„Wir müssen neue Reiter und Pferde hervorbringen, jetzt ist dazu der beste Zeitpunkt, denn sie stehen nicht so unter dem Druck, wie wenn Deutschland die Nummer 1 ist”, weiß der Ex-Nationalcoach der deutschen und US-amerikanischen Dressurreiter. „Im Junioren- und Junge-Reiter-Bereich kommen wir viele Talent nach. Es ist immer so gewesen, dass man mal absackt und sich dann wieder bekrabbelt. Und man hat gerade aktuell im Fußball gesehen, wie es mit neuen jungen Leuten wieder aufwärts geht.” Die Talsohle sei, so Balkenhol, durchschritten. „Ich denke, der Anfang ist wieder geschafft, aber es braucht sicher noch zwei Jahre, bis wir wieder top sind.”

Einen Zwei-Jahres-Plan hat auch seine Tochter. „Die Weltreiterspiele wären schön, aber Dablino und sein Wohl stehen an erster Stelle, wir haben alle Zeit der Welt”, sagt „Belli” und verrät ihren Traum: „Das sind die Olympischen Spiele 2012 in London. Erst einmal bin ich aber dankbar, dass ich in Aachen reiten darf.”
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