Mit Glücksbringern im Rücken gibt der CHIO Gas

Von: Anja Klingbeil
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Waghalsige Sprünge - auch die
Waghalsige Sprünge - auch die gab es beim Soerser Sonntag: Das Programm war bunt, die Zuschauer kamen in Strömen und geregnet hat es nur kurz. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Plötzlich muss alles ganz schnell gehen. Keine zwei Sekunden, nachdem Gerd Lamberty das Telefonat beendet hat, sprintet er auch schon los. Direkt in die Stallungen. Denn dort gibt es einen Notfall. Bei einem der Pferde muss ein Hufeisen erneuert werden. Das ist Lambertys Job.

Seit sechs Jahren ist er einer der Schmiede in der Aachener Soers, betreut die Spring- und Dressurpferde. Er ist ein ganz besonderer Glücksbringer. Nicht nur, weil das Hufeisen ohnehin ein Glückssymbol ist, sondern auch, weil ohne den 50-Jährigen und seine Kollegen so manches edle Ross nicht mehr an den Start gehen könnte.

Gegen 7 Uhr morgens beginnt der Tag des Raereners. Auch gestern beim Soerser Sonntag, dem Tag der offenen Tür beim CHIO auf dem Gelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV). Der lockt wieder viele tausende Besucher an, die das Turniergelände begutachten wollen. 33.000 waren es insgesamt. Das sind fast 10.000 Besucher mehr als im vergangenen Jahr. „Da war es unheimlich heiß und schwül. Heute war ein toller Tag trotz kleinem Regenschauer”, sagt ALRV-Pressesprecher Niels Knippertz.

Lamberty betrachtet das bunte Treiben aus der Distanz. „Der CHIO hat ein ganz besonders Flair. Das ist eines der größten Turniere der Welt”, sagt er und grinst fast spitzbübisch, als an ihm vorbei die Zuschauer gen Dressurstadion flanieren, in dem der Ökumenische Gottesdienst zelebriert wird. Die Besucher sind gut ausgerüstet: Sonnenhut, Regenschirm und manch einer hat sich gar ein eigenes Stühlchen mitgebracht. So ist das eben in der Soers. Da sind nicht nur die besten Pferde und Reiter der Welt, sondern auch die am besten ausgerüsteten Fans.

Zu den besten gehört ebenso Wunderpferd Totilas. Und bei dem zittern selbst Gerd Lamberty die Hände: „Da wird einem schon ein wenig anders, wenn man dem ein neues Hufeisen machen muss. Da darf man einfach nicht dran denken, wie viele Millionen dieses Pferd wert ist”, sagt der 50-Jährige, der selbst begeisterter Reiter ist. Zum CHIO kam er wie die Jungfrau zum Kinde, sagt er selbst. Vor sechs Jahren wurde ein neuer Schmied gesucht. Die Wahl fiel auf Lamberty, der nur durch Zufall dieses Handwerk gelernt hat. „Eigentlich war ich mal Elektriker”, erzählt er.

Apropos Handwerk: Zum Soerser Sonntag präsentiert sich das wieder in Aktion. Regionale Betriebe bilden vor der Haupttribühne des Springstadions eine Handwerkerstraße. Da werden etwa die wildesten Frisuren live kreiert und bei Schweißfachmann Rouven Thome sprühen die Funken.

Zwar nicht um 7 Uhr morgens wie Gerd Lamberty, aber doch um 9 Uhr in der Früh stehen auch deswegen gestern bereits die ersten Besucher vor dem Haupteingang, auch wenn es erst um 10 Uhr offiziell los geht. Für die gute Laune am Tor sorgen Hubert Coonen und Manfred Heinrichsen. Sie sind für den Einlass zuständig und haben für jeden einen netten Spruch parat. „Man nennt uns die jungen Wilden”, sagt Coonen. Seit 34 Jahren sind die beiden 67-jährigen CHIO-Urgesteine als Glücksbringer beim Reitturnier mit von der Partie.

„Ich geh danach in Reha, er geht direkt in Kur”, scherzt Heinrichsen. Währenddessen kümmert sich Coonen um eine Dame, die gerne mal wissen möchte, was denn CHIO nun eigentlich bedeutet. „Concours Hippique International Officiel”, sagt Coonen und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Nur ein paar Meter weiter versammeln sich die Aachener Stadtreiter. Auf ihren Tieren warten sie auf ganz besondere Gäste. Mädchen und Jungen der Kinderkrebsstation des Aachener Klinikums. Die Stadtreiter sind am Soerser Sonntag ihre ganz persönlichen Glücksbringer. Für den Leiter der Station, Professor Rolf Mertens, gibt es einen Scheck, der den Kindern zugute kommt. Und für die kleinen Patienten geht es hoch hinaus. Sie dürfen mit den Stadtreitern den Tag verbringen und gleich auch auf den Rücken der wartenden Pferde.

Der CHIO hat also viele Glücksbringer. Die Aachener Stadtreiter, Hubert Coonen und Manfred Heinrichsen, die zahlreichen Reitsport-Fans und Gerd Lamberty. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Wie ist das denn nun mit dem Glück für den Schmied selbst? „Ich bin sehr zufrieden, immerhin kann ich jeden Tag mit Pferden arbeiten.” Die Turnierwoche kann beginnen.
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