Aachen - Mit einem Freund zur Weltspitze?

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Mit einem Freund zur Weltspitze?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Christian Plücker streichelt
Christian Plücker streichelt nach einer aufregenden Hindernisfahrt im Zentis-Preis das Führungspferd von Christoph Sandmann, der noch ins Stechen musste. Sandmann wurde zweiter bei Jump & Drive. Foto: H. Krömer

Aachen. Christian Plücker (29) ist die Zukunft im deutschen Gespannfahren. Nicht deshalb, weil der aus dem hessischen Waldeck stammende Bäckermeister mit ganzem Herzblut bei der Sache ist. Das sind die anderen auch, ob sie Sandmann, von Stein oder Duen heißen.

Die Gespannfahrer sind schließlich die Bodenständigsten im bunten Reitervolk auf dem Aachener CHIO, in ihnen steckt pure Leidenschaft, wenn sie in höllischer Fahrt durch die Hindernisse donnern.

In diesem Jahr werden sie und die anderen großen Internationalen bei der Königsdisziplin der Gespannfahrer, der Marathonfahrt der Vierspänner (Start 13.30 Uhr), keine Angst vor dem Fahrer aus dem kleinen Dorf Alraft nahe dem Edersee haben müssen. Denn Plücker hat einen Plan, der für die Zukunft ist. Seine fünf Pferde Endro, Lerry, Lucky, Vagabund und Wir sind alle in einem noch sehr jugendlichen Pferdealter, sie sind zwischen sechs und acht Jahre alt.

„Nimm deine ältesten Pferde!”

Endro ist dabei der Jüngste und manches Mal ein kleiner Pflegel im Gespann. „Gestern hat mir Endro die Wertung versaut”, erzählte Plücker ernst, doch sogleich lachte er wieder. „Willst du Aachen gewinnen, nimm die ältesten Pferde mit” gibt Plücker den guten Rat der erfahrenen Meisterfahrer wieder. Er nimmt aber bewusst die Jungen, weil er sie an die spezielle Atmosphäre im Wimbledon des Pferdesports gewöhnen will. Am Morgen des Interviews ließ er Endro allerdings im Stall, Fehlervermeidung war angesagt.

Bei der heutigen Marathonfahrt ist der Youngster aber wieder im Geschirr, das Gespann steht als Neunter ab 14.10 Uhr in der Starterliste. Das alles hat in dem reinen Familienunternehmen Plücker seinen Sinn. „Ich will mit den jungen Pferden gemeinsam Lernen”, meinte der Alrafter eher bescheiden. Und das, obwohl er bereits seit 2006 - da war er gerade 24 - regelmäßig im internationalen Championat fährt und 2009 bereits die Hindernisfahrt des Aachener CHIO mit seinem Vierspänner für sich entschied. Gleichzeitig wurde er damals mit der deutschen Mannschaft Zweiter.

Der sympathische junge Mann hat sicherlich vor allem auch deshalb eine glänzende Zukunft vor sich, weil er mit dem Meisterfahrer Michael Freund aus Neuisenburg eng befreundet ist. Die Aachener lieben ihren Michael Freund seit Jahrzehnten, seine Showeinlagen trotz harter Wettbewerbsbedingungen sind Legende. Freund, der seit zwei Jahren die US-amerikanische Mannschaft im Gespannfahren mit Chester Weber an der Spitze trainiert, coacht daneben seinen „kleinen Freund” Christian Plücker. Letztes Jahr, 2010, hatte sich der Gespannfahrer den kleinen Finger gebrochen, das war der Gau. Denn gerade der Kleine ist unabdingbar notwendig für die Führung der langen Leinen.

Plücker, der mit seiner Mutter, seiner Pferdewirtschafterin und einem Bekannten den Wagen durch den Parcours steuert, liebt eher die technischen Hindernisse. Dieses Mal, erklärt er den Geländeparcours, gemacht von Wolfgang Asendorf, „gibt es lange Hindernisse, die erfordern viel Kondition.” Die hat der Bäckermeister sicherlich, er steht heute noch regelmäßig nachts am Ofen und backt dort „kleine” Brötchen. Alsbald im Oktober wird er Vater, dann ist die Nachtruhe sowieso perdu.
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