Schwere Zeiten für Brauchle: Wenn das Pferd einfach „Nein“ sagt

Von: Tyrone Schwark
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Nicht alles läuft rund: Beim ersten Test der Gespannfahrer überzeugt Michael Brauchle nicht, hofft aber auf bessere Ergebnisse in den kommenden Tagen. Foto: Michael von Fisenne

Aachen. Dreimal hat Gespannfahrer Michael Brauchle bereits den Marathon beim CHIO gewonnen, er ist außerdem amtierender Europameister – auch den Titel hat er sich 2015 in Aachen gesichert. Die Liste der Erfolge ist also durchaus lang – aber im Moment sieht er sich eher im Mittelfeld unter den Fahrern. Und das ausgerechnet kurz vor der EM im schwedischen Göteborg.

Das größte Problem hat Brauchle „pferdetechnisch“, wie er sagt. Im Winter ist sein Führpferd Jamaica gestorben; die Lücke konnte bis jetzt nicht geschlossen werden. „Kann sie auch gar nicht“, sagt der Mann aus Baden-Württemberg. „Sie war eine große Hilfe, hat immer 150 Prozent gegeben. Man kann es ein bisschen so vergleichen, als würde man einen Ferrari mit einem Polo austauschen.“

Am Mittwoch ging es für Brauchle mit seinem neuformierten Gespann das erste Mal auf den CHIO-Rasen. Bei der ersten Dressur-Prüfung, die für die Fahrer ein erster Test in Aachen ist, sollte es gleich holprig werden. Beim Rückwärtsgang wollten seine Tiere nicht so, wie Brauchle es gern gehabt hätte. „Ich war etwas zu spät in der Parade, habe kurz gestoppt“, erklärte er. Und danach habe sein Pferd dann „einfach ‚Nein‘ gesagt“. Den Fehler suchte Brauchle aber nicht bei seinem Pferd Carola, sondern bei sich selbst. „Das muss ich besser machen.“

Generell ist Brauchle ein selbstkritischer Mensch. „Ich bin der Kopf . Wenn es nicht klappt, dann bin ich es schuld.“ Auch im Bezug auf die EM im August macht der Fahrer keinen Hehl aus seiner momentan schwierigen Situation. Der CHIO dient für Bundestrainer Karl-Heinz Geiger als letzte Entscheidungshilfe, wer für die deutschen Farben in Schweden an den Start gehen darf – das wissen auch die Fahrer.

Brauchle möchte als amtierender Titelträger auch gar keine Sonderbehandlung bekommen. „Es gehen immer die Besten mit“, sagt er – auch wenn er vielleicht nicht dazugehören sollte. In dieser Hinsicht ist Brauchle ein echter Sportsmann. Seinen Platz einfach so hergeben möchte er aber natürlich nicht. Schließlich ist die wichtigste Eigenschaft eines Fahrers, „dass er richtig beißen kann und nicht zimperlich ist“.

Dafür ist Michael Brauchle bekannt. Er gilt als rasanter Hindernis- und Marathonfahrer, der kein Pardon kennt. Dabei schlägt er privat momentan eher den ruhigen Weg ein: Er zieht mit seiner Freundin zusammen. „Ich bin sehr froh, dass sie mich so unterstützt. Das ist mir sehr wichtig.“Das ist keine Selbstverständlichkeit, weiß Brauchle. Pferdesport ist schließlich ein Full-Time-Job.

Die Fehler kaschieren

Gut, wenn man seinen Hauptjob direkt mit seinem „ausgeweiteten Hobby“ verbinden kann: Nach seiner Schlosserausbildung war er dreieinhalb Jahre bei der Bundeswehr, bevor er sich zum Hufschmied weiterbildete. Auf seinem Grundstück pflegt er mit seiner Freundin und weiteren Helfern insgesamt 15 Pferde. Viel Zeit für andere private Aktivitäten bleibt da nicht. Erst recht nicht, wenn man jährlich zu mindestens zehn Turnieren fährt. Von denen Aachen mit 600 Kilometern Entfernung pro Strecke nicht mal das weiteste ist. „Mit 1600 Kilometern pro Strecke kann man ab und zu schon rechnen – nach Frankreich oder Schweden zum Beispiel.“

Gegen eine weitere Strecke von mehr als 1200 Kilometern würde Brauchle in diesem Jahr aber nichts haben – nach Göteborg zur EM. Um ein Ticket zu bekommen, müssen ab die Prüfungen besser klappen als der gestrige Test. Oder wie Brauchle es sagt: „Meine Problematik bleibt bestehen. Ich muss nur versuchen, die Fehler besser zu kaschieren.“

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