Paul Schockemöhles „Geheimtipp“: McLain Ward

Von: Helga Raue
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Grandseigneur des Pferdesports: Paul Schockemöhle. Foto: imago

Aachen. „McLain Ward.“ Fragt man Paul Schockemöhle nach seinem Favoriten für den „Großen Preis von Aachen“ oder die Olympischen Spiele, kommt wie aus der Pistole der Name des Amerikaners.

„Er ist selbstbewusst, sehr konzentriert, kann sich auch auf verschiedene Pferde einstellen und macht im Parcours praktisch nie einen Reiterfehler“, lobt der erfahrene Pferdemann den Springreiter, der sein gar nicht so geheimer „Geheimtipp“ für Aachen und für Rio ist.

Eine Beschreibung, die sehr gut auch auf den jungen Paul Schockemöhle zu seiner aktiven Zeit gepasst hätte: ehrgeizig, selbstbewusst, akribisch arbeitend. „Ich würde mich nie selbst so beschreiben“, sagt der 71-Jährige lachend, „aber, ja, mein Ehrgeiz hat mich ziemlich weit gebracht.“

Drei Mal in Folge wurde Schockemöhle Europameister auf dem legendären Deister, drei Mal gewann er den „Großen Preis von Aachen“ – auf drei verschiedenen Pferden: 1994 mit Talisman, 1979 mit El Paso und 1984 mit Deister. „Na, ich habe es ja auch häufig genug versucht, und es lagen ja auch viele Jahre zwischen den Erfolgen“, spielt Schockemöhle die Erfolge ein wenig herunter, schiebt aber schelmisch hinterher: „Dass man auf verschiedenen Pferden Erfolg hat, macht einen besseren Reiter schon aus.“

Lange hatte Paul Schockemöhle im Schatten seines acht Jahre älteren Bruders Alwin gestanden. „Alwin, der Künstler – Paul, der Arbeiter“, hatte man immer wieder über die beiden Springreiter gesagt. „Das traf ja auch zu, nachher hat mich das nicht mehr gestört. Und zudem: Wenn man durch harte Arbeit besser werden kann, ist das ein Zeichen, dass einen langfristig gutes Arbeiten weiter bringt als nur Talent“, sagt der Mühlener, der 1988 seine aktive Karriere beendete, selbstbewusst.

Dem Sport blieb er immer verbunden, nach der Karriere zeitweise als Teamchef der deutschen Springreiter, Equipechef verschiedener Exoten-Teams bei verschiedenen Championaten, Züchter oder auch Pferdebesitzer, darunter von „Wunderhengst“ Totilas. Zuletzt machte er Schlagzeilen, weil er 44 Springpferde des ukrainischen Milliardärs Alexandr Onischenko aufkaufte.

Seit über 40 Jahren verfolgt er den „Großen Preis von Aachen“, kennt die Tücken des Platzes ebenso wie die Reiter, die am Sonntag im Rolex-Preis antreten. Und da ist er wieder – McLain Ward. „Er ist einer der Top-Favoriten, aber auch seine Landsfrau Bezzie Madden. Ich denke, die US-Reiter sind die härteste Konkurrenz für den Rest“, so Schockemöhle. „Dazu kommen die deutschen Springreiter, die top im Nationenpreis unterwegs waren. Auch wenn sie am Sonntag teilweise andere Pferde reiten, gehören sie zum Favoritenkreis.“

Der aber ohnehin groß ist. „Alle 40 Reiter, die für Sonntag qualifiziert sind, haben hier oder auf anderen Turnieren schon Große Preise gewonnen – sie alle können gewinnen.“ Wie etwa Vorjahressieger Scott Brash, dessen Siegerpferd Hello Sanctos allerdings verletzt ist. „Er ist schon gehandicapt, weil sein Top-Pferd nicht dabei ist, aber es zeichnet einen guten Reiter aus, dass er auch mit einem anderen Pferd erfolgreich sein kann.“ Ein interessanter Reiter ist auch der erst 20-jährige Ire Bertram Allen, der im niederrheinischen Hünxe lebt und von Erfolg zu Erfolg reitet. „Er hat bewiesen, dass er trotz seiner jungen Jahre mit der Elite mithalten kann“, ist für Schockemöhle der Youngster einer von 40 Favoriten.

Auch wenn die Hindernisse heute moderner sind, haben sich die Parcours in Aachen im Vergleich zu seiner aktiven Zeit kaum verändert. „Da der Platz so groß ist, waren die technischen Distanzen hier nie so das Problem, aber der Aufbau und die Abfolge der Hindernisse. Und die Abmessungen, immer Höchstmaß, damals wie heute“, sagt der 71-Jährige. „Das Niveau im Springsport hat sich sehr weiterentwickelt, die Spitze ist viel breiter und globaler. Konnten damals 20 Reiter gewinnen, kann es heute jeder Starter.“

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