Mit acht Galoppsprüngen zum großen Sieg

Von: Helga Raue
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Hugo Simon
Der Sieg im Großen Preis: Hugo Simon gewinnt 1998 auf ET in Aachen – und hofft am Samstag auf einen Coup seines Schützlings Sergio Alvarez Moya. Foto: imago/Uwe Kraft
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Der Sieg im Großen Preis: Hugo Simon gewinnt 1998 auf ET in Aachen – und hofft am Samstag auf einen Coup seines Schützlings Sergio Alvarez Moya. Foto: Thomas Rubel

Aachen. Es war eine Frage von Galoppsprüngen. Beim Springreiten ist es das ja eigentlich immer. In diesem Fall war die Frage aber nahezu existenziell. Gemeinsam hatten Ludger Beerbaum und Hugo Simon den Stechparcours angeschaut, diskutiert, ob man sechs oder sieben Galoppsprünge auf den letzten Sprung machen müsse.

„Ludger hat gesagt, wer hier gewinnen will, der muss die Distanz mit sechs Galoppsprüngen reiten“, ist die Erinnerung an diesen Nachmittag in Aachen bei Hugo Simon ganz lebendig. Und das, obwohl besagter Nachmittag 1998 war.

Zwei Jahre zuvor hatten sich Simon, der Pfälzer, der für Österreich an den Start ging, und der deutsche Springreiter Beerbaum im „Großen Preis von Aachen“ ebenfalls im Stechen gegenübergestanden. „Und Ludger hat auf Ratina Z gewonnen, weil er nach mir starten konnte“, sagt Simon, der mit seinem legendären ET Zweiter wurde. „Zwischen Platz zwei und 18 hatte ich bis 1998 schon alles belegt.“ Aber eben noch nicht gewonnen – und so ging der kleine Springreiter, der im Parcours einer größten war, den „Großen Preis von Aachen“ 1998 ganz strategisch an.

Ein mächtiger Satz

„Alle haben mich für verrückt gehalten, weil ich im ersten Umlauf so schnell geritten bin“, sagt Simon. Doch die Zeit zählt für die Startreihenfolge im Stechen – und so war Simon diesmal Letzter. Und da war diese besagte Distanz zum letzten Sprung. „Ludger hat sechs Galoppsprünge gemacht und das Hindernis gerissen“, sagt Simon grinsend. „Ich fand sieben schon groß, sechs fast unmöglich und habe acht gemacht, um nur ja kein Risiko einzugehen, denn vor mir war noch niemand fehlerfrei geblieben.“ ET machte einen mächtigen Satz – Simon riss beide Arme hoch und ritt ins Glück.

Ein hoch dotiertes Glück, denn damals war der Große Preis zusätzlich mit für damalige Verhältnisse unglaublichen 800.000 Dollar aus der Pulsar-Crown-Serie dotiert. „Erst wollte ich einmal den Großen Preis hier gewinnen, das Geld war nur das Sahnehäubchen“, sagt Simon zwinkernd, „aber im Pferdesport findet man leicht Verwendung für so ein Preisgeld.“ ET verdiente sich damit auch sein Rentnerdasein, vor vier Jahren musste der Fuchswallach gemeinsam mit „Kumpel“ Apricot im Alter von 27 Jahren eingeschläfert werden.

Vergangenes Jahr, mit 74 Jahren, wurde Simon, der unter unzähligen Erfolgen 1974 WM-Dritter und 1997 Vize-Europameister war und 1980 die Ersatz-Spiele in Rotterdam gewann, mal wieder österreichischer Staatsmeister. „Danach habe ich meine Turnierpferde verkauft“, so der Mann, der in Weißenheim am Sand lebt.

In den Sattel steigt er trotzdem beinahe täglich, Simon betreut seit vergangenem Jahr den spanischen Springreiter Sergio Alvarez Moya aus Madrid, der seine Pferde aktuell auch bei Simon eingestallt hat. „Ich habe Sergio früher mal geholfen, und er hat immer wieder gefragt, ob ich ihn nicht trainieren würde. Letztes Jahr habe ich dann gesagt, okay, die drei Wochen bis nach Aachen“, erzählt Simon lachend. Moya wurde Dritter im Großen Preis – und Simon den Spanier nicht wieder los. „Inzwischen steht er schon auf Platz 12 der Weltrangliste“, freut sich der 74-Jährige zu Recht.

Simons Favoriten

Ob sechs oder sieben Galoppsprünge – Simon wird Moya am Sonntag im Großen Preis schon richtig einstellen. Mit dem nun 16-jährigen Carlo hatte er hinter Philipp Weishaupt (Riesenbeck), dem nur zwei Zeitfehler unterliefen, und dem Briten Scott Brash mit einem Abwurf Platz drei belegt. „Weishaupt ist auch diesmal wieder toll in Form, zeigte zwei souveräne Runden im Nationenpreis“, zählt der Titelverteidiger für Simon am Sonntag zu den Favoriten. Top-Favorit ist in seinen Augen aber der US-Amerikaner McLain Ward. Aber: „Wenn Sergio mit Carlo ins Stechen kommen sollte – die beiden können sehr schnell gehen.“

Und der Spanier hätte mit Hugo Simon den besten Tippgeber zur Seite in Sachen sechs, sieben oder vielleicht doch acht Galoppsprünge in Richtung letzter Sprung und zum Sieg im Großen Preis.

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