Michael Whitaker: Ein alter Hase, der gerne springt

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
12528374.jpg
Immer auf dem Sprung: Michael Whitaker. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Den Gewinner beim Großen Preis von Aachen vorherzusagen, ist ungefähr so schwer, wie eine zuverlässige Aussage darüber zu treffen, wie sich das Wetter über dem Turniergelände in der nächsten Minute entwickelt; es ist eine Aufgabe, an der selbst die Erfahrensten scheitern, aber Michael Whitaker hat trotzdem mal richtig gelegen.

Whitaker, 56, Springreiter aus Großbritannien, ist unter den Erfahrenen der Erfahrenste. Gut, es gibt beim CHIO 2016 noch eine Handvoll Gespannfahrer und Dressurreiter, die sind älter als er. Aber bei den Springreitern steht niemand in den Starterlisten, der vor dem 17. April 1960 geboren wurde. An diesem Tag kam Whitaker zu Welt.

Mehr Erfahrung. Für den Hengst.

Jetzt gerade kommt er aus dem Hauptstadion geritten, in dem der Sparkassen-Youngsters-Cup ausgetragen wird, eine Springprüfung für junge Pferde, bei der es darum geht, diese an die Atmosphäre eines großen Stadions heranzuführen. Whitaker ist zufrieden damit, wie sich Valmy de La Lande im Parcours geschlagen hat, sein siebenjähriger Hengst. „Er hat eine Menge Talent, und jetzt geht es darum, dass er mehr Erfahrung sammelt“, sagt Whitaker, überlegt kurz und fügt hinzu: „Ich könnte ihm ja etwas abgegeben.“ Dann lacht er.

Whitaker hat kein Problem damit, der älteste Springreiter zu sein, den der CHIO zu bieten hat, im Gegenteil, er empfindet das als eine Art Auszeichnung. Er sagt: „Ich war 1983 zum ersten Mal hier, und ich bin es jetzt immer noch. Und das ist es doch das Schönste an unserem Sport.“ Eine Besonderheit ist es in jedem Fall.

Leichtathletik, Schwimmen, Fußball: In den meisten Sportarten ist der Zeitrahmen, in dem die Protagonisten auf dem obersten Leistungslevel konkurrenzfähig sind, sehr eng gezogen. Er hat sich in den vergangenen Jahren eventuell nach vorne verschoben, in den Fußballklubs etwa werden die Leistungsträger immer jünger, die meisten beenden ihre Karriere aber auch entsprechend früher.

Im Reitsport kann ein 20-Jähriger gewinnen, oder eine 48-Jährige, denn der Zeitrahmen ist weit. Verschoben hat er sich in den vergangenen Jahren eher nicht. Aber eine Veränderung gab es, Whitaker kann das ganz gut beurteilen. Er sagt: „Der Wettbewerb ist härter geworden, alle sind enger zusammengerückt.“

Ein großes Ziel gibt es noch

Es ist nicht einfacher geworden, ein wichtiges Springen zu gewinnen, aber Whitaker hat noch dieses Ziel, dem er nachjagt, das ihn motiviert weiterzumachen. „I‘ve never won a championship“, sagt er. Bei einer WM, EM oder Olympischen Spielen hat er nie ganz oben auf dem Treppchen gestanden, zumindest nicht allein, ohne Teil einer Mannschaft gewesen zu sein. Wenn ihm das noch gelingt, dann hört er aber auf, oder? „Ja“, sagt er. Lange Pause. „Vielleicht.“

Es war übrigens 2012 als Whitaker den Ausgang des Großen Preises korrekt vorhersagte. Er schrieb den Namen des Siegers am Vorabend des Springens auf die große silberne Tafel im Richterturm im Hauptstadion, dort wo sie ihn also auch offiziell eingraviert lassen. Im Nachhinein. Whitaker war dabei nicht ganz nüchtern, er war wohl eher das Gegenteil. Er schrieb also einen Namen und es war tatsächlich der des späteren Siegers. „Ich war mir sicher“, sagt er. Den Großen Preis von Aachen gewann 2012 Michael Whitaker.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert