Maurice Tebbel: Der nächste Karrierehöhepunkt steht kurz bevor

Von: Christoph Pauli
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Aachen. Man könnte die Geschichte am Donnerstagmorgen beginnen. Maurice Tebbel schaute sich aus der Ferne die aufgebauten Hindernisse an, die schon im Parcours auf den Preis der Nationen warteten.

Die Anspannung wuchs, und sie wurde nicht kleiner, als der 23-Jährige die Bahn besichtigte. „Das ist einer der schwierigsten Parcours, den wir je geritten sind“, stand schon früh für ihn fest. „In Aachen hört der Spaß auf“, hatte der Bundestrainer Otto Becker ihm schon vorher gesagt. Als es dann ernst wurde, wurde die Aufgabe mächtig erleichtert durch die Anwesenheit seines Pferdes. Tebbel und Chacco‘s Son sind seit fünf Jahren ein Paar, sie kennen sich gut, an diesem Abend hatte der Vierbeiner mit seiner Selbstsicherheit den Zweibeiner durch den Parcours getragen. „Er ist selbstbewusst, er weiß, dass er ein Hengst ist“, sagte Tebbel.

Becker stand am Ausritt und fieberte mit. Als auch der zweite Umlauf fehlerfrei vorbei war, „kamen mir zwar nicht die Tränen, aber es hat mich sehr bewegt“, sagte der Bundestrainer später. „Maurice war unglaublich.“ Euphorisch war auch Co-Bundestrainer Heinrich-Hermann Engemann, der vor allem für den Nachwuchs zuständig ist: „Wie der mit dem Druck umgeht – er ist eine richtig coole Socke.“ Eine Stunde nach dem Sieg beim Länderkampf qualmte das Handy der „coolen Socke“ fast schon. Mehr als 150 Glückwunsch-SMS waren in kurzer Zeit hereingeflattert.

Tebbel junior wird auf dem heimischen Hof von seinem Vater René trainiert. In erster Linie werden dort Hengste aufgezogen und wieder verkauft. Der Springsport ist der Luxus, den sich die Tebbels gönnen. Und Chacco‘s Son ist so etwas wie das beste Pferd im Stall. Für solche Vierbeiner sind Erlöse in Millionen-Höhe zu erzielen. „Ich habe schon mehrere Angebote ausgeschlagen“, berichtete René Tebbel. Und wie ein stolzer Vereinspräsident, der sich weigert, seinen Nationalspieler für viel Geld zu transferieren, hielt er fest: „Der Hengst wird nicht verkauft.“

Geld kam an diesem Tag trotzdem in die Kasse. 110.000 Euro erhält die siegreiche Equipe, für Tebbel junior war das eine neue Information. „Das meiste wird der Vater bekommen“, legte er spontan fest.

Nicht nur der Nachwuchsmann blieb fehlerfrei, auch Philipp Weishaupt mit Convall und Marcus Ehning mit Pret A Tout schafften zwei Runden ohne Abwurf, was sie in den Favoritenkreis für den Großen Preis von Aachen katapultierte. Der hochdekorierte Ehning ist das erklärte Vorbild von Maurice Tebbel, und nun saßen sie als Sieger bei der Pressekonferenz nebeneinander. „Es ist ein unglaublicher Abend“, fand der 23-Jährige.

Auch außerhalb des Parcours besitzt er ein gutes Timing, denn für den Großen Preis von NRW am Freitag hatte Tebbel nicht gemeldet, was die Möglichkeit für eine ausgedehnte Party nach dem bislang besten Abend seiner Karriere erhöhte. Der junge Mann, bis vor zwei Jahren noch Mittelstürmer bei Concordia Emsbüren an seinem Wohnort, weiß zu feiern, das ist längst überliefert.

Der nächste Karrierehöhepunkt naht, denn Ehning, Weishaupt und er sind nun heiße Anwärter auf das EM-Ticket. Die Chancen von Marco Kutscher sind nach zwei Streichergebnissen nicht besser geworden. „Ich war heute dafür da, dass es spannend blieb“, sagte Kutscher später nach der verpatzten EM-Bewerbung. René Tebbel ist bereits für das Championat in Göteborg mit seiner ukrainischen Equipe qualifiziert, sein Sohn muss noch ein paar Tage warten, bis feststeht, ob er als Tourist oder Teilnehmer nach Schweden reist.

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