Josefa Sommer, eine Amateurin unter den Profis

Von: Ute Steinbusch
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Das Ziel vor Augen: Josefa Sommer hofft auf ein gutes Ergebnis in Aachen. Foto: imago/Toffi

Aachen. Bei den Weltreiterspielen 2006 ist sie das erste und bislang einzige Mal in Aachen gewesen. Umso mehr ist es für Josefa Sommer eine Genugtuung, als Amateurin mit nur einem Top-Pferd nun in der Vielseitigkeit Teil des deutschen Teams zu sein.

Vieles hat eigentlich dafür gesprochen, dass sich die Nordhessin wie ihre Teamkollegen Michael Jung, Sandra Auffarth und Ingrid Klimke ganz dem Sport und der Reiterei verschrieben hätte. Ihre Eltern sind selbst Pferdeleute, betreiben einen Pensionsbetrieb und züchten Pferde. So wurde „Sefi“, wie Sommer von Familie und Freunden gerufen wird, schon früh mit dem Vielseitigkeitsvirus infiziert. Und trotzdem machte sie eine Ausbildung zur Physiotherapeutin, kümmert sich in ihrer kleinen Praxis sowohl um zweibeinige als auch um vierbeinige Patienten.

Im Sport hat sie sich über die Jahre „so nebenher“ weiterentwickelt, inzwischen seit fünf Jahren auf Drei-Sterne-Niveau mit dem von ihren Eltern gezüchteten Hamilton. Wie seinen Bruder verkauften die Sommers Hamilton an den Wolfsburger Florian Appe. Doch dieser erkannte das Talent des Pferdes und stellte es Josefa Sommer für den Sport zur Verfügung. „So ein Pferd hat man nicht oft im Leben“, schwärmt die 34-Jährige von ihrem 15-jährigen Hannoveraner, den sie zu Hause manchmal überzeugen muss, mit ihr zu trainieren.

Hamilton hat aber besondere Talente für alle Teildisziplinen der Vielseitigkeit. „In der Dressur muss er nur die Nerven behalten. Er kann zwar mit Atmosphäre umgehen, aber laute Musik oder Kutschen sind nicht unbedingt sein Ding.“ Wenn es ans Springen geht, mag der ein oder andere Zuschauer genauer hinschauen. „Er hat schon seine eigene Manier, kann aber unheimlich gut springen.“ Dass Josefa Sommer ihren Hamilton als vorsichtig beschreibt, kommt ihr auch im Gelände entgegen: „Da ist er wirklich eine Maschine, da ist er in seinem Element. Und unglaublich clever dabei. So bin ich aus technischen Situationen bisher auch immer gut rausgekommen. In den vergangenen Jahren kann ich mich eigentlich nur an tolle Geländeritte erinnern.“

Voller Vorfreude

Die Eltern werden Josefa Sommer beim CHIO nach allen Regeln der Kunst unterstützen, eine Freundin und Besitzer Appe werden auch mit von der Partie sein. Derweil fährt die achtjährige Tochter Leonie am Wochenende auf einen Ponyhof. Für sie und ihren dreijährigen Bruder Ole ist der Aachener Rummel vielleicht ein bisschen „too much“, wie Sommer vermutet. Sie ist mit dem eigenen Lkw nach Aachen gekommen, ihre Vorfreude ist groß.

„Für mich ist es eine Anerkennung meiner Leistung, dass ich diesmal in Aachen im Team sein kann.“ Mitten zwischen Profis, zu denen sie aufschaut. Doch starten die Prüfungen, zählt all das nicht mehr. „Vorher bin ich immer nervös, aber wenn es ins Gelände geht und ich sattle Hamilton, dann freue ich mich riesig drauf.“ Sie hat also mit ihren Eltern Verstärkung im Rücken, der Nachwuchs ist gut behütet auf dem heimischen Gut Waitzrodt im Drei-Generationen-Haus in Immenhausen. Und die Reiterin hat ein Pferd unter dem Sattel, das zu Hause der „Macho“ ist, der zuerst gefüttert werden will. Mit Josefa Sommer ist beim diesjährigen CHIO definitiv zu rechnen.

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