Aachen - Die Soers ist ihre zweite Heimat

Die Soers ist ihre zweite Heimat

Von: red
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Aachen. Christine Stückelberger hat in der Welt des Pferdesports alles gesehen und viel gewonnen. Die Schweizerin war Olympiasiegerin, Weltmeisterin, Europameisterin und war beim CHIO vier Mal in Folge (1974 bis 77) im Großen Dressurpreis das Maß aller Dinge.

Trotzdem gerät sie in fast schon kindliches Schwärmen, wenn sie gefragt wird, ob sie gerne einmal auf dem Rücken eines Pferdes wie Totilas sitzen würde. „Jaaaaa. Sofort. Hurra“, schallt es durch die Telefonleitung. „So viel Schönheit.“

Die Begeisterung für den Pferdesport ist bei der 66-Jährigen unverändert groß wie am ersten Tag. Jeden Tag. „Ich reite wie verrückt“, sagt Stückelberger. Täglich sitzt sie auf dem Rücken von vier bis fünf Pferden. „Ich habe sechs wunderbare Hengste, drei von ihnen gehen im Grand Prix.“ Und wenn sie nicht reitet, beschäftigt sie sich trotzdem mit den Vierbeinern. An Wochenenden hält sie Vorträge oder leitet Seminare. Ein Leben ohne Pferd – „darüber möchte ich mir gar keine Gedanken machen.“

Und deswegen ist Aachen ein Pflichttermin für sie. „Ich bin eine ganz treue Anhängerin. Ich komme jedes Jahr für ein paar Tage nach Aachen“, erzählt die vierfache Siegerin. „Für mich ist das jedes Mal so wie ein Heimkommen, wenn ich in der Soers bin.“ Die Schweizerin, die von 1968 bis 2000 mit einem Jahr Unterbrechung jedes Mal beim CHIO geritten ist, kommt nicht nur in die Kaiserstadt, um alte Freunde zu treffen.

Beim Großen Preis sitzt sie vom ersten bis zum letzten Pferd auf der Tribüne, traditionell einen Platz neben der deutschen Dressur-Legende Harry Boldt. „Ich will wissen, welche Talente unterwegs sind und wie hoch das internationale Niveau ist. Um das herauszufinden gibt es keinen besseren Ort als Aachen.“ Natürlich geht es beim CHIO auch um das Wiedersehen. „Ich kenne so viele Equipe-Chefs, Richter und ehemalige Reiter und freue mich darauf, sie alle wiederzusehen. Aachen ist ein großes Familientreffen.“

Und Faszination pur. „Der CHIO war schon zu meiner aktiven Zeit das Maß aller Dinge, einfach das schönste Turnier.“ Wenn sie auf ihre frühen Jahre zurückblickt und daran denkt, dass direkt neben dem Abreiteplatz Kühe geweidet haben, dann muss sie lachen. Nicht, weil diese Anekdote heute lächerlich erscheint, sondern weil sie die Entwicklung des CHIO zeigt.

Das beste Turnier der Welt sei das beste Turnier der Welt geblieben, weil es sich ständig weiterentwickelt habe. „Es ist unglaublich. Jedes Jahr gibt es etwas Neues. Wenn ich mir nur anschaue, wie sich die beiden Stadien entwickelt haben – Wahnsinn!“ Auch deshalb würde sie sich wünschen, noch einmal auf dem Rücken eines Spitzenpferdes durch die Soers zu reiten. Beispielsweise auf Granat, mit dem sie ihre Siege in Aachen gefeiert hat. „Er könnte heute noch bestehen. Genau wie mein Gauguin de Lully.“ Gleichzeitig weiß die schweizerische Alt-Meisterin, dass der Zucht-Fortschritt in den vergangenen Jahren groß war. Edler seien die Pferde geworden. „Aber das ist nicht alles. Es kommt immer noch darauf an, dass der Reiter das Pferd richtig bedienen kann.“

Das Ende der Weisheit in Sachen Reitkunst sei damit jedoch immer noch nicht erreicht. Denn alles Talent und alles Können verhelfen nicht zum Erfolg, wenn es zwischen Reiter und Pferd nicht stimmt. Und zwar über lange Zeit. „Ich habe meine Erfolge jahrelang aufgebaut. Ich hatte super Trainer, super Pferde und ein super Team. Es braucht einfach Zeit.“ Diese Zeit habe Matthias Alexander Rath auf Totilas nicht gehabt. „Sie mussten sehr früh in die Prüfungen rein. Da war der Druck dann sehr groß. Es dauert einfach Zeit, bis man ein gutes Team wird.“ Christine Stückelberger, die im Dressursport schon alles gesehen hat, wird gespannt von der Tribüne aus verfolgen, wie die Zukunft aussieht.

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