„Das ist das beste Team aller Zeiten“

Von: Helga Raue
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Entspannt vor der fünf Kilometer langen „Reise“ in die Soers: Für Nadine Capellmann ist der CHIO Aachen ein Heimspiel. Foto: Holger Schupp

Nadine Capellmann ist entspannt. Der CHIO Aachen steht vor der Tür, doch in diesem Jahr reitet die Aachenerin quasi für sich selbst. Ein Hufgeschwür ihres Top-Pferdes Girasol, das einen Start bei der ersten Sichtung in Perl-Borg unmöglich machte, beendete alle Hoffnungen, noch einmal in Richtung WM-Team reiten zu können.

Zwar ist die Stute wieder fit und wird auch in der Soers an den Start gehen, doch Nadine Capellmann ist Realistin. „Das ist zwar schade, aber im Moment ist es einfach so. Zudem muss man schon mindestens 78, 79 Prozent reiten, um in die Equipe zu kommen. Die erreichen wir im Moment nicht.“

Zwar ging die Fuchsstute zuletzt immer konstanter, doch die Richter geizen ein wenig mit den guten Noten, wie bei der Kür in München. „Da hatte ich ein richtig gutes Gefühl, und wir waren fehlerfrei“, so Nadine Capellmann, die nach Perl-Borg aus dem Championatskader gestrichen worden war.

Sie kennt die Mechanismen im Dressursport nur zu gut: Girasol hat trotz guter Leistungen die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt – nun stehen andere Pferde im Blickpunkt. Wie Dark Dynamic. „Der macht sich richtig gut, in der zweiten Jahreshälfte will ich ihn mehr aufbauen, er kam bisher etwas zu kurz“, sagt die zweifache Dressur-Olympiasiegerin. Und: „Mit ihm möchte ich noch einmal angreifen“ – schließlich ist 2015 die EM in Aachen.

Beim CHIO bleibt noch genug Zeit, die Konkurrenz in Augenschein zu nehmen. Und die hat es in diesem Jahr in Aachen in sich, denn die komplette Dressur-Elite trifft sich. Allen voran die Nummer 1, Olympiasieger und Europameister Valegro unter der Britin Charlotte Dujardin. „Das Pferd hat nur Stärken, alles ist wie aus einem Guss, lauter Höhepunkte. Da stimmt einfach alles“, gerät Capellmann ins Schwärmen. „Wenn er wie gewohnt geht, gibt es an ihm wohl kein Vorbeikommen.“

Dahinter dürfte das Gerangel um Platz 2 groß werden. Helen Langehanenberg (Billerbeck) hatte auf Damon Hill bei der EM neben Team-Gold im Spécial und in der Kür Silber gewonnen. Und mit dem Sieg im Weltcup-Finale in Lyon ein Zeichen gesetzt. „Damon Hill und Helen sind ein tolles Paar, das sich gesucht und gefunden hat. Der Hengst ist immer ganz bei ihr, ihre Runden sind nahezu fehlerlos. Die beiden sind auf Augenhöhe mit Valegro und Dujardin“, urteilt Capellmann.

Spitzentrio der EM

Zum Spitzentrio gehörte bei der EM die Niederländerin Adelinde Cornelissen mit Parzival, der gerade rechtzeitig von Verletzungen genesen ist. „Super, dass er wieder fit ist. Das Pferd hat eine irre Dynamik, einen tollen Schwung, und der Höhepunkt ist natürlich immer die Kür“, so Capellmann. „Trotzdem sehe ich Valegro und Damon Hill leicht davor.“

Bei der DM und der WM-Sichtung hatte Damon Hill Dispens – er musste Liebesdiensten nachgehen. In seiner Abwesenheit triumphierten in Balve Desperados unter Kristina Sprehe (Dinklage), in Perl-Borg Totilas unter Matthias Alexander Rath (Kronberg) – jeweils mit Wertungen weit über 80 Prozent. „Ich bin sehr gespannt, wie Totilas sich gegen die versammelte Elite in Aachen präsentiert und wo er sich einreiht. Ich denke, er kann in das Spitzentrio reinrutschen, auch weil es immer noch eine gewisse Euphorie um dieses Pferd gibt.“

Die große Unbekannte im Reigen der Top-Pferde ist Bella Rose. „Für mich klar die Nummer 1 bei Isabell Werth, auch wenn ihr Don Johnson ebenfalls über 80 Prozent gehen kann“, ist die Aachenerin von der Stute, Zweite der WM-Sichtung, begeistert. „Bella Rose hat eine ungeheuere Ausstrahlung. Vielleicht fehlt ihr noch etwas an Erfahrung, aber sie ist garantiert das Pferd der Zukunft.“

Die WM-Aussichten sieht Nadine Capellmann rosig für ihre deutschen Dressur-Kollegen: „Welche Nation sonst hat schon vier Pferde, die alle über 80 Prozent gehen können? Ich würde fast sagen, so eine Mannschaft hat es bisher noch nie gegeben, das ist das beste Team aller Zeiten!“

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