Brasiliens Rodrigo Pessoa: Siebte Olympische Spiele mit 43 Jahren

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Stehen auch sitzend für Weltklasse-Springreiten: Rodrigo Pessoa und sein Vater Nelson Foto: Uwe Anspach

Aachen. 1994 schlug zum ersten Mal seine große Stunde in Aachen: Gerade einmal 21 Jahre alt, gewann der Brasilianer Rodrigo Pessoa auf Special Envoy den „Großen Preis von Aachen“. Stolzester Gratulant war damals sein Vater Nelson, der 1964 und 1972 in der Soers triumphiert hatte, sich diesmal aber seinem Sohn geschlagen geben musste.

Aachen und die Pessoas war schon immer eine besondere Liebe, auch wenn Rodrigo seinen großen Triumph seither nicht mehr wiederholen konnte. Über den CHIO und die Olympischen Spiele in seinem Heimatland sprach Helga Raue mit dem 43-Jährigen.

In den letzten Jahren haben Sie sich in Aachen ein wenig rar gemacht.

Pessoa: Aachen ist ein ganz besonderes Turnier, zu dem man nicht als Tourist reist. Hier wird das höchste Level gefordert. Und hier sollte man nur starten, wenn man entsprechende Pferde hat. Nach einer kleinen Unterbrechung war ich hier im vergangenen Jahr nur mit zwei jungen Pferden am Start.

Und in diesem Jahr?

Pessoa: Ich reite unter anderem Cadjanine, mein potenzielles Olympia-Pferd. Ich habe die 14-jährige Stute schon 2014 ein halbes Jahr lang geritten und sie Anfang des Jahres wieder in den Stall bekommen. Sie hat einen besonderen Charakter, ist eine absolute Kämpferin, sehr ehrlich und brav und ein sehr sicheres Pferd.

Und mit Cadjanine peilen Sie auch die Spiele in Rio de Janeiro an?

Pessoa: Ja, wenn sie gesund bleibt. Zu Beginn des Jahres hatte ich vier potenzielle Olympia-Pferde. Doch Jordan, meine erste Option für Olympia, hat sich bereits im Januar verletzt. Und vor zwei Wochen fiel dann auch noch Ferro Chin mit einer Kolik aus. So bleiben Tinkabell und Cadjanine.

Wer gehört neben Ihnen zum brasilianischen Team?

Pessoa: Eduardo Meneses, Pedro Veniss und Alvaro Miranda. Ich denke, wir haben ein gutes Team. Alle Reiter haben viel Erfahrung, das ist sehr wichtig für die Olympischen Spiele.

Wie beurteilen Sie Ihre Aussichten?

Pessoa: Wir sind ganz sicher keine Favoriten, aber wir gehören zur zweiten Gruppe.

Sie wissen, wie es sich anfühlt, Olympiasieger zu sein. Das Gefühl würden Sie sicher gerne noch mal erleben?

Pessoa: Ganz sicher. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg. Zuerst hat einmal der Teamwettbewerb absolute Priorität.

Und wer gehört in Ihren Augen zu den Favoriten?

Pessoa: Die USA und Deutschland machen von den Papierform her die ersten Plätze unter sich aus, eventuell stößt Frankreich noch dazu. Die Niederlande, Team-, Welt- und Europameister, sehe ich diesmal nicht vorne mit dabei. Die Deutschen haben unglaublich starke Reiter. Olympia ist im Kopf der Reiter, daher sind die Deutschen so stark.

Sie sind zwar erst 43 Jahre alt, haben aber schon eine bewegte Olympia-Vergangenheit mit Einzel-Gold 2004 und zwei Mal Team-Bronze.

Pessoa: (lacht) Ja, das sind schon meine siebten Olympischen Spiele. Und Olympia ist immer etwas Besonderes. Gerade weil die Spiele diesmal in meinem Heimatland stattfinden.

Apropos Heimatland: Sie sind in Paris geboren, leben in Belgien und verbringen den Winter in Florida, sind mit einer Amerikanerin verheiratet. Fühlen Sie sich als Brasilianer?

Pessoa: Ja, mein Blut ist brasilianisch. Und ich bin sehr stolz darauf, Brasilien zu vertreten, auch wenn ich nie da gelebt habe. Meine Eltern stammen aus Rio de Janeiro, und dort lebt auch noch unsere Familie. Vielleicht könnte man mich aber auch einen Weltbürger nennen.

Dass die Spiele in Brasilien stattfinden, ist ja nicht ganz unumstritten. Brasilien gilt als gefährlich.

Pessoa: Ja, Brasilien ist ein gefährliches Land, das ist klar. Die Reitwettbewerbe finden auf einem Militärgelände 30, 40 Minuten außerhalb Rios statt. 2007 wurden hier die Panamerikanischen Spiele ausgerichtet, da hat die Armee für Sicherheit gesorgt, und das wird sie auch diesmal tun. Und aus irgendeinem Grund waren damals, ebenso wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft, die Banden und Ganoven sehr ruhig. Das war gut für die Touristen und Sportler, und ich hoffe, das ist auch diesmal wieder der Fall. Trotzdem sollte man vorsichtig sein, es ist ein Land mit vielen Problemen, viel Korruption, und man kann nicht einfach so herumlaufen.

Und dann ist da noch der Zika-Virus? Bereitet das Ihnen Sorgen?

Pessoa: Ja, aber was sollen wir tun? Die Spiele finden nun einmal da statt. Man muss sich immer gut einreiben, möglichst wenig nackte Haut zeigen. Ich hoffe, dann wird es schon gutgehen.

Werden Sie Ihre Familie mitbringen?

Pessoa: Mein Vater wird mich begleiten. Meine Frau Alexa auf keinen Fall, denn sie ist schwanger. Im Dezember bekommen wir Nachwuchs. Nach meinen beiden jüngeren Töchtern (12 und 5) erwarte ich wieder eine Tochter. Ich liebe einfach keine Überraschungen (lacht). Und einen Jungen bekomme ich einfach nicht hin.

Die nächste Generation Pessoa im Springsport? Würden Sie sich das wünschen?

Pessoa: Im Moment sieht es nicht danach aus. Die Zwölfjährige bevorzugt Tennis und Gymnastik, sie ist im Team und sehr gut. Und die Kleine reitet ein bisschen auf Ponys. Aber ehrlich gesagt, bin ich glücklich, wenn sie nicht mit der Springreiterei anfangen.

Wer ist Favorit in Aachen? Wer in Rio?

Pessoa: Am Sonntag starten 40 Reiter, 35 können gewinnen. Und genauso ist es bei Olympia.

Darunter auch Rodrigo Pessoa?

Pessoa: Ich denke nicht. Aber okay, ich habe die Erfahrung, vielleicht wenn ich einen glücklichen Tag erwische, kann mir eine Überraschung gelingen.

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