Klassische Musik im Wunderland der Reiterei

Von: Eckhard Hoog
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pferd sinfonie
Im ausverkauften Dressurstadion in der Aachener Soers ist am Samstagabend die 7. Auflage von „Pferd und Sinfonie” über die Bühne gegangen. Foto: Steindl

Aachen. Als Ben Hur seine vier feurigen Rösser zu rasendem Galopp antreibt, heiß verfolgt von zwei weiteren römischen Streitwagen im sandigen Rundkurs, da wird das Deutsche Bank Stadion minutenlang zum Circus Maximus.

Das berühmteste Wagenrennen der Filmgeschichte: an diesem Abend ist es in der Aachener Soers zu erleben - mit der Musik von Miklós Rósza, der 1960 dafür den Oscar erhielt.

Dieser dramatische Höhepunkt, bestritten von den Quadrigen der Excalibur Horse Shows, beendet am Samstagabend in der größten Dressurarena der Welt den ersten Teil von „Pferd und Sinfonie”, heftig beklatscht von 5100 Zuschauern. Zum siebten Mal starteten ALRV und Sinfonieorchester Aachen den CHIO mit dieser einzigartigen reitsportlich-symphonischen Revue, die weit mehr ist als ein bloßes Open-Air-Konzert.

Und auch nicht einfach eine Show, sondern ein stimmungs- und effektvollvoll choreographiertes, musikalisches Programm im Wunderland der Reiterei: Da wechselt anmutig-elegante Dressur ab mit der Akrobatik des Schweizer Voltigier-Weltmeisters Patric Looser zu Nino Rotas legendärem Liebeswalzer aus dem Film „Der Pate”.

Ottorino Respighis feurige „Tarantella” begleitet springende Skater eines Offroad-Kjöring Show Teams, die über Rampen gezogen werden von rasenden Galoppern, dass die Funken nur so springen. Maskierte Stelzenläufer aus dem venezianischen Karneval werden sanft umtänzelt von verkleideten Reitern. All das unter dem Motto „Una Notte Italiana” (Eine italienische Nacht), weil Italien in diesem Jahr das Partnerland des CHIO ist.

Vergnüglich und kompetent, humorvoll und charmant führen ALRV-Moderator Volker Raulfs und Musikdramaturg Kai Weßler durch das gut zweieinhalbstündige Programm und treffen dabei immer wieder auf ein offensichtlich bestens gestimmtes und reaktionsfreudiges Publikum. Kein Wunder bei so einzigartigen Nummern wie 20 auf den Amboss hämmernden rheinischen Hufschmieden zu Verdis Schmiedechor aus dem „Troubadour”.

Und auch das ist keine Frage: In der „Notte Italiana” darf die Mutter aller Opern auf keinen Fall fehlen. Verdi und Rossini liefern mit ihren unsterblichen Melodien aus „La Traviata” und „Die diebische Elster” erste emotionale Höhepunkte eines immer wieder stimmungsvoll gehaltenen Abends, der mit den letzten goldenen Strahlen der Sonne einsetzt und in einer tiefblauen Nacht unter dem Sternenzelt endet. Das Sinfonieorchester Aachen beweist unter seinem Ersten Kapellmeister Peter Halász bei dieser Gelegenheit seine grenzenlose Einsatzfähigkeit: Adriano Celentanos „Azzuro” erklingt mit der gleichen virtuosen Grandezza wie Rossinis Schlussgalopp aus seiner Ouvertüre zu „Wilhelm Tell”.

Das Auge fesselt indessen die Mode reitender Damen der vergangenen Jahrhunderte, elegant vorgeführt von Reiterinnen aus dem Aachener Dressurstall von Renate und Franz-Josef Dahmen. In monatelanger akribischer Arbeit hat Dressurreiterin Renate Dahmen die wunderbaren Choreographien des Abends kreiert, im Reitstall und auf der Bahn immer wieder abgestimmt mit Kapellmeister Peter Halász.

Unter den Gästen: der Generalintendant des Aachener Theaters, Michael Schmitz-Aufterbeck, der wie alle fasziniert ist von der Energie, mit der die Rösser bei einigen Nummern durch den Sand fegen. Wie die hohe Schule verzaubern kann, das führt die erfolgreichste Dressurreiterin Italiens auf Chablis eindrucksvoll vor: Valentina Truppa mit einer Kür zu italienischen Schlagergassenhauern. Den Zauber der Oper verströmen an diesem Abend die junge Koloratursopranistin Michaela Maria Mayer mit ihrer göttlichen Stimme und der lyrische Tenor Louis Kim. Das Programm endet wieder mit einer Fackelparade und Edward Elgars „Pomp & Circumstance Nr. 1”.
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