Jedes Jahr ein Hahn im Korb

Von: Nicola Gottfroh
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Timo Griemens ist der Hahn im
Timo Griemens ist der Hahn im Korb: Denn der Sportstudent ist der einzige Host unter mehr als 70 Hostessen, die im Champions Circle auf dem Turniergelände arbeiten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der hochgewachsene Mann im dunkelblauen Maßanzug verlässt seinen Platz am Eingang des Champions Circle, eilt zum Telefon und tippt schnell eine Nummer ein. Wenige Sekunden später taucht ein Reinigungsteam auf.

Es entfernt einen kleinen Fleck vom nun wieder makellosen weißen Ledersofa im Eingangsbereich des CHIO-VIP-Zeltes. „Alles muss tipptopp sein beim CHIO. Da muss jeder die Augen aufhalten und auf die Details achten - auch das gehört zu unserem Job”, sagt der Mann im Maßanzug.

Er heißt Timo Griemens und arbeitet beim Weltfest des Pferdesports als Host. „So nennt man männliche Hostessen”, erklärt der 23-Jährige. Griemens ist der einzige Mann unter mehr als 70 jungen Damen. „Ich bin der Hahn im Korb, aber einen gibt es jedes Jahr”, erzählt er. Denn ein Host solle schnell eingreifen, wenn geladene oder ungeladene Gäste einmal die adäquaten Umgangsformen vergessen, sagt Griemens und streicht sich den Anzug glatt. Der wurde eigens für seinen Einsatz beim CHIO gefertigt - im Alltag trägt der angehende Sportstudent eher Trikot und Fußballschuhe. Aber für seinen sechstägigen CHIO-Einsatz hat er die gegen Krawatte und Sakko getauscht. Schließlich muss auch der Host ebenso wie seine Kolleginnen ein ansprechendes Erscheinungsbild abgeben, wenn er die Gäste im Champions Circle betreut.

Ein gutes Gedächtnis

Immerhin gehört die Gästebetreuung zu seinen Hauptaufgaben. Und dazu gehöre mehr als nur adäquates Aussehen, sagt Griemens. Auch ein gutes Gedächtnis ist gefragt. So mussten er und seine Kolleginnen anhand von Fotografien die Namen wichtiger Gäste auswendig lernen - schließlich sollen die VIPs höflich mit Namen angesprochen und begrüßt werden.

„Wir müssen aber auch aufpassen, dass sich niemand ohne Einladung oder Ausweis in den Champions Circle schummelt”, sagt Griemens. Das versuchten die Leute nämlich ständig, erklärt er. Im vergangenen Jahr, so hat er sich von den Kolleginnen berichten lassen, habe das ein Castingshow-Model mit C-Promi-Status versucht - und sei höflich wieder nach draußen begleitet worden.

Die geladenen Gäste dagegen müssen hofiert werden, so wie Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, Ehrengast bei der Media Night, den Timo Griemens kurz darauf zur Tür hereinspazieren sieht. Auch wenn er Fan des Sportlers ist - der Verhaltenskodex für den Host und die Hostessen lautet: Distanz wahren.

„An uns laufen ja den ganzen Tag prominente Reiter und andere bekannte Persönlichkeiten vorbei - da ist es oberstes Gebot, ihnen ihre Freiheit zu lassen und nicht mit Autogrammwünschen auf sie zuzustürmen”, sagt Timo Griemens. Und weil sich die Gäste wohlfühlen sollen, muss der Host auch dafür sorgen, dass die Fotografen und Journalisten Distanz wahren. „Wenn ein Fotograf ein Foto mit Gästen in den VIP-Lounges machen möchte, dann begleite ich ihn - er darf dann ein Bild machen und muss danach wieder gehen”, verrät er. „Schließlich sollten die Gäste nicht in Paparazzi-Manier abgelichtet werden und sich dadurch bedrängt fühlen.”

Auch wenn der Job hart sein kann und die Arbeitszeiten lang sind - für Griemens ist es ein Traumjob. „Wer hat schon die Möglichkeit, so nah am Geschehen dran zu sein, ein solches Großereignis so hautnah mitzuerleben”, sagt er. Und er nimmt auch viel mit für seine eigene Zukunft, denn hier sammelt er Selbstbewusstsein und Kommunikationskompetenz. Und vielleicht, so hofft er, ist er im nächsten Jahr wieder dabei.
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